Unbeschwertes Kinderspiel in der städtischen Kindertagesstätte in Steinhaldenfeld. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Für Kindertagesstätten gibt die Landeshauptstadt in den nächsten drei Jahren über 100 Millionen Euro aus. In vielen Fällen wird neu gebaut, in einigen sind Sanierungen nötig, um die Gesundheit der Kinder und Erzieherinnen nicht zu gefährden.

Stuttgart - Die städtische Kindertagesstätte in Plieningen liegt idyllisch: eingebettet in ein ruhiges Wohngebiet, für Ausflüge nahe genug am Körschtal, umgeben von hohen, alten Bäumen. Doch in dem 40 Jahre alten Gebäude herrscht schlechtes Klima.

„Wenn die Kinder heimgekommen sind, haben ihre Haare und Kleider modrig gestunken, man musste täglich Hosen und Shirts wechseln“, erzählt die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Christina Heinkel. Selbst die Kartons für Spielsachen nahmen den Geruch an. Zuletzt hängten alle ihre Jacken an einem Nagel außerhalb des Gebäudes auf.

Der größte Teil der Stuttgarter Kindergärten und Tagesstätten ist 30, 40 Jahre alt. In der Linzer Straße in Feuerbach trat vor drei Jahren Schimmel auf, in Uhlbach entschied sich die Stadt 2011 für eine Sanierung zum Preis von mehr als zwei Millionen Euro. Weil jedes Jahr wieder neue Schäden zutage treten und dadurch mancherorts der Betrieb nur eingeschränkt möglich ist, verlangt die CDU-Fraktion des Gemeinderats Informationen, und zwar rechtzeitig vor den Haushaltsplanberatungen. Sie erwartet eine „Auflistung der Einrichtungen, bei denen bereits jetzt größere Bauunterhaltungsmaßnahmen erforderlich sind“ sowie den zu erwartenden Finanzbedarf.

Modernisierung in Sachen Brandschutz

Die Handwerker sind während der Sommerferien allerdings nicht allein wegen der Sanierung von Altbauschäden tätig. Etliche Kitas werden für den Brandschutz modernisiert, aber vor allem wegen des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz müssen die Kindertagesstätten ihre Angebote für unter Dreijährige ausbauen. Die Räume sind entsprechend nachzurüsten, damit Töpfchen, Bettchen und Wickeltische vorschriftsmäßig Platz finden. „Derzeit sind rund 170 Angebotsveränderungen an bestehenden Gebäuden im Bau oder in Planung“, sagt Peter Holzer vom Hochbauamt. Insgesamt betreibt die Stadt gut 180 Kindertagesstätten.

Wo es das Gelände und die umliegende Bebauung zulässt, stellt die Stadt so genannte Typenbauten auf: zweigeschossige Gebäude, funktional, energetisch um 30 Prozent unter dem gesetzlichen Standard. Vor kurzem gingen zwei in Betrieb, sechs sind noch im Bau und fünf in Planung.

Zudem stellt die Stadt Fertigbauten auf, die sollen nur befristet stehen bleiben, weshalb Ausnahmen vom Planungsrecht möglich sind. „Das ermöglicht die Nutzung von Grundstücken, die für Regelbauten nicht genutzt werden können“, sagt Peter Holzer.

Die Evangelische Kirche plant drei Neubauten

Die beiden großen Amtskirchen bauen ihre Kitas mit Hilfe der Stadt um und aus. Drei Neubauten plant die Evangelische Kirche: am Stöckach, neben der Deutsch-Französischen Grundschule in Riedenberg und an der Gablenberger Hauptstraße. Hinzu kommen laut Fachreferent Jörg Schulze-Gronemeyer Sanierungen und Umbauten in circa 20 von 120 Kitas; auch dort nagt der Zahn der Zeit. Verbaut wird ein Volumen von insgesamt 18 Millionen Euro. „Wir wollen unser Angebot langfristig sichern, auch bei der derzeitigen Tendenz zur Ganztagsbetreuung“, begründet Schulze-Gronemeyer die Investitionen.

Ausgebaut wird allerdings nicht um jeden Preis. In der Gedächtnis-/Rosenbergkirchengemeinde scheute die Verwaltung davor zurück, eine Gruppe für Kleinkinder einzurichten. Zu teuer, lautete das Urteil. „Wir hatten bisher den Eindruck, dass die Gemeinde kein Interesse an Nachwuchs hat“, sagt eine der Mütter, Arlette Errington. Inzwischen signalisiert die Kirchengemeinde, sie wolle den Vorschlag der Familien aufgreifen, die Räume unter Mithilfe von Ehrenamtlichen umzubauen und die Kosten auf diese Weise im Rahmen zu halten.

Probleme gibt es gelegentlich auch dort, wo endlich gebaut wird. Seit dem Frühjahr letzten Jahres ist dies an der Osumstraße in Steckfeld der Fall. Die Erzieherinnen, beklagt ein Großvater, müssten auf öffentliche Spielplätze ausweichen, weil der Garten der Kita durch die Baustelle blockiert sei. Gelegentlich würden die Bauarbeiten sogar 14 Tage ruhen, der Garten dürfe trotzdem nicht benutzt werden.

Hinweise auf Schimmelsporen

Im Körschtal hat die Stadt mittlerweile die Luft untersucht und Hinweise auf Schimmelsporen gefunden. Der Grund: Durch die Decke war Wasser eingedrungen, sie muss saniert werden. Der Geruch aber, sagt die Elternvertreterin Christina Heinkel, „soll mit dem Schimmel nichts zu tun haben, sondern von Ausdampfungen des Baumaterials stammen“. Die Eltern haben Angst, dass nach der Sanierung zwar die Decke dicht ist, der Gestank aber bleibt.

Bezirksvorsteherin Andrea Lindel kann noch keine Entwarnung geben: „Mir wurde von Seiten der Stadt gesagt, die Holzbalken würden ausdampfen. Das sei nicht gesundheitsschädlich, die Erzieherinnen sollen es deshalb erst einmal mit kräftigem Lüften versuchen.“

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