Es kratzt und juckt: Das kann auch ein Anzeichen für Krätze sein. Foto: Jean-Luc Jacques

Juckreiz, Pusteln, Blasen: Die Fälle von Krätze in Stuttgart und Umgebung nehmen zu. Viele klassische Behandlungsmethoden wirken inzwischen schlechter und Erkrankte müssen ins Krankenhaus.

Stuttgart - Sie juckt. Sie kratzt. Sie brennt: In Stuttgart werden derzeit immer mehr Fälle der einst als „Schmuddelkrankheit“ verschrienen Krätze diagnostiziert. Allein 2018 meldet das Gesundheitsamt in Kitas und Schulen 50 Krankheitsfälle mehr als im Vorjahr – auch unter Erwachsenen greift die Hautkrankheit um sich. Immer häufiger schlagen klassische Behandlungsmethoden nicht mehr an und Patienten müssen an Hautkliniken verwiesen werden. Doch woher kommt der rasante Anstieg eigentlich? Wie wird die Krankheit behandelt? Und wie können sich Angehörige vor einer Ansteckung schützen?

Was ist die Krätze überhaupt?

Die Krätze – in Fachkreisen: Skabies – ist eine ansteckende Hautkrankheit, bei der sich die Krätzmilbe, ein mikroskopisch kleines Spinnentier, bis zu acht Wochen lang in der obersten Hautschicht eines Menschen einnistet. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führt die Reaktion der Haut auf Kot und Eier der Milbe dann zu einer unangenehmen Hauterkrankung. Juckreiz und brennende Stellen, nach einiger Zeit auch Pusteln und Blasen sind dann die Folge. Unter dem Lichtmikroskop erkennt man unter der Haut zudem feine, dunkle Linien – die Milbengänge. „Drachenflieger heißen diese Linien, die meist zwischen den Fingern beginnen“, erklärt die Stuttgarter Dermatologin Miriam Kraljevic-Feucht.

Wie viele Fälle von Krätze gibt es in Stuttgart?

Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen in Stuttgart steigt seit Jahren stetig: 2018 sind beim Gesundheitsamt insgesamt bislang 120 Krankheitsfälle in Schulen und Kitas eingegangen, 2015 waren es noch weniger als 30. „Ein Grund für den Anstieg könnte sein, dass Eltern und Institutionen die Krankheitsfälle in den letzten Jahren deutlich konsequenter melden“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Doch nicht nur Kinder und Jugendliche erkranken: 2018 traten auch 37 Fälle im Justizvollzug, 36 in Altenheimen und betreutem Wohnen und 32 in Flüchtlingsunterkünften auf. „Die Übertragung erfolgt am ehesten, wenn viele Personen auf engem Raum untergebracht sind, zum Beispiel in Sammelunterkünften“, erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsamts.

Wie steckt man sich mit Krätze an?

Am häufigsten überträgt sich die Krätze direkt von Mensch zu Mensch. Doch da die Milbe ein recht langsames Tier ist, muss der Hautkontakt dafür schon einige Minuten dauern – wie zum Beispiel beim Kuscheln, Schlafen oder bei der Pflege Bedürftiger. Das erkläre auch den Befall von Pflegepersonal, die üblichen Desinfektionsmethoden schützten nicht vor einer Übertragung, so die Sprecherin des Gesundheitsamts. Ungefähr zwei Tage lang können Milben auch in Kleidern und Textilien überleben. Besonders gefährlich: Betroffene sind schon ansteckend, während sie sich selbst noch nicht krank fühlen, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Während die Hautreaktionen oft erst Wochen nach dem Milbenbefall beginnen, können sich Angehörige schon viel früher anstecken“. Besonders gefährdet sind dabei Kinder, pflegebedürftige Senioren und abwehrgeschwächte Menschen.

Wie ist die Behandlung?

Zunächst wird die Krankheit mit Cremes und Salben behandelt, die von den Betroffenen konsequent aufgetragen werden müssen. Die Cremes müssten für den ganzen Körper benutzt werden und über mehrere Stunden einwirken, erklärt die Sprecherin des Gesundheitsamts. Schlägt der darin enthaltene Wirkstoff Permethrin nicht an, kommen Tabletten mit einem alternativen Wirkstoff hinzu. „Wir stellen fest, dass die Milben in vielen Fällen heute resistent gegen die gängigen Wirkstoffe geworden sind. Das ist bedenklich“, konstatiert die Dermatologin Kraljevic-Feucht. Bei besonders schwerwiegenden Fällen müsse deshalb in einer Hautklinik eine Kombinationstherapie vorgenommen werden. Besonders bei Patienten mit geschädigten Hautpartien sei diese systemische Therapie sinnvoll, sagt auch die Sprecherin des Gesundheitsamts.

Warum landen viele Betroffene dennoch im Krankenhaus?

Wie kann man sich schützen?

„Die Annahme, dass Krätze eine Folge fehlender Hygiene ist, ist falsch. Man kann sich im Vorfeld kaum vor ihr schützen“, betont Kaljevic-Feucht. Wenn jemand im näheren Umfeld Krätze habe, solle man dennoch engen Hautkontakt meiden und dessen Kleider, Handtücher und Bettwäsche täglich bei mindestens 60 Grad waschen, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Polstermöbel könnten zudem mit einem Staubsauger gereinigt werden und sollten mindestens zwei Tage nicht benutzt werden. Materialien, die wasser- und wärmeempfindlich sind, können alternativ auch in einem geschlossenen Plastiksack 72 Stunden lang bei Raumtemperatur gelagert werden, damit die Milben getötet werden.

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