Newcomerin Julia Lindholm ist am 29. Oktober gemeinsam mit Schlagerstar Matthias Reim Gast beim Treffpunkt Foyer der „Stuttgarter Nachrichten“ in der Liederhalle Stuttgart Foto: picture alliance//H. Schmidt

Über die Internetplattform Youtube hat die junge schwedische Sängerin Julia Lindholm den Sprung ins Rampenlicht geschafft. Wie es weitergehen soll, erzählt sie im „Stuttgarter Nachrichten“-Interview. Am 29. Oktober ist sie gemeinsam mit Matthias Reim Gast in der „StN“-Reihe Treffpunkt Foyer.

Stuttgart - Mit deutschem Schlager weit nach oben – das will die schwedische Sängerin Julia Lindholm schaffen. Nach ihren Youtube-Erfolgen arbeitet sie aktuell an ihrem dritten Album. Wie sieht die 25-Jährige die deutschsprachige Musikszene? Antworten gibt Lindholm am 29. Oktober. Die Newcomerin ist gemeinsam mit Schlagerstar Matthias Reim Gast der „Stuttgarter Nachrichten“-Veranstaltungsreihe Treffpunkt Foyer. Der Abend „Schlager – Boom ohne Grenzen?“ im Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist notwendig. Lindholms Botschaft vorab: „Der Schlager ist jünger und poppiger geworden.“

Frau Lindholm, wie hat denn Ihr Umfeld reagiert, als klar war, dass Sie Ihren Erfolg im Schlager suchen?

Ich konnte da sehr unbefangen heran gehen, da deutscher Schlager in Schweden nicht bekannt ist. Es war sehr neu – sowohl für mich als auch für mein schwedisches Umfeld. Aber ich mochte Schlager sehr schnell.

Haben Sie sich auch mit dessen Geschichte beschäftigt?

Ich habe die Schlagergeschichte auf jeden Fall durchforstet, viel alten Schlager angehört, aktuellen Schlager – aber auch die Karnevalhits, ich wohne seit einem Jahr schließlich in Köln. Das alles ist ungemein spannend.

„Der Schlager ist jünger und poppiger geworden“

Was tut sich aus Ihrer Sicht aktuell im Schlager?

Ich bin seit drei Jahren in dieser Branche aktiv – und allein in diesen drei Jahren ist mir aufgefallen, wie sich Schlager geöffnet hat, wie die Musik aber auch anders akzeptiert ist. Schlager ist viel jünger und poppiger geworden. Meiner Meinung nach hat Helene Fischer hier ein ganz großes Verdienst. Es ist heute akzeptabler, den eigenen Weg zu gehen und einzigartig zu sein.

Sie haben sich über die Musik von Abba dem Thema Showbiz genähert. Was ist für Sie das Besondere an diesen Songs?

Für mich ist Abba zeitlose Musik. Fast Jeder, jung oder alt, kennt Abba und die Lieder sind noch heute modern.

Bei den Abba-Songs hat die Übertragung ins Deutsche geklappt. Das ist aber keineswegs die Regel. Wie geht man da ran, um das Tempo und die Rhythmuswechsel zu halten?

Ich würde sagen, mit ein wenig Gefühl und viel Übung schafft man das. Schwierig ist es, einen Text in deutsch zu machen, der sowohl inhaltlich entweder den Originaltext wiedergibt oder ein gutes anderes Gefühl wiedergibt und der dann auch den richtigen flow – wie die Rapper sagen würden – zur Musik hat. Auch gesanglich eine kleine Herausforderung. Es war für mich am Anfang nicht einfach, auf Deutsch zu singen. Die Gesangstechnik ist völlig anders. Aber jetzt sitzt es.

Der Blick junger Schweden auf Deutschland hat sich verändert

Wir Deutschen verklären ihre Heimat Schweden gerne in ein Land ewiger Freundlichkeit und Naturverbundenheit. Wie sehen denn umgekehrt die Schweden Deutschland?

Leider wurde Deutschland in Schweden nicht immer als etwas Cooles oder Positives angesehen. Es wurde von vielen als ein „veraltetes“ Land empfunden. Aber es hat sich seit den letzten fünf bis zehn Jahren wirklich verändert. Heute ist für uns Deutschland ein Land über das sehr gut gesprochen wird – und mit Berlin als einer sehr angesagten Städte an der Spitze, ist es jetzt auch sehr populär, hier zu leben.

Und wie fühlen Sie sich hier?

Wirklich sehr wohl. Man merkt doch, dass Schweden und Deutschland in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sind. Für mich sind Sie auch ein sehr freundliches Volk und ein naturfreundliches Land. Ich fühle mich überall willkommen und geschätzt. Und – hier gibt es so viele Möglichkeiten!

„Youtube ist eine fantastische Quelle – und es ist verdammt hart“

Eine eher globale Möglichkeit nutzen Sie intensiv: die für Ihre Generation selbstverständliche, für viele Menschen aber noch immer Welt des Internet. Youtube war und ist Ihr Sprungbrett. Der Weg aber dürfte steiniger sein, als viele glauben?

Youtube hat viele Möglichkeiten eröffnet, um in die Unterhaltungsbranche einzusteigen und sich bekannt zu machen. Aber es ist doch viel mehr Arbeit als die meisten denken. Der Prozess von der Idee über die Erstellung des Materials bis hin zur endgültigen Produktion ist langwierig und unglaublich zeitaufwendig. Die Konkurrenz ist auch ziemlich groß, da Youtube eine öffentliche Plattform ist, auf die jeder Zugriff hat und die Gelegenheit bietet, Material zu veröffentlichen. Das verringert natürlich wieder die Wahrscheinlichkeit wirklich durchzubrechen. Es ist eine fantastische Quelle, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren. Und es stimmt – es ist zugleich verdammt hart.

Inzwischen bewegen Sie sich auch im „klassischen Markt“. Wie fühlt sich das an?

Ich finde es macht Spaß! Sich auf TV-Produktionen einzulassen, hatte ich bei meiner Ankunft in Deutschland nicht erwartet und es war wirklich neu für mich. Aber heute liebe ich es, an verschiedenen TV-Produktionen teilzunehmen. Menschen durch einen Fernseher zu erreichen ist eine coole Sache. In Schweden ist das Fernsehen nicht mehr so groß und schon gar nicht mehr so groß wie in Deutschland.

„Großartiges Gefühl, mein eigenes Album in der Hand zu haben“

Ist nicht auch die CD wichtiger als in Schweden?

Stimmt, der schwedische Musikmarkt ist fast vollständig digitalisiert. Ich war echt überrascht, als mir klar wurde, welch große Rolle in Deutschland – und vor allem im Schlager – die CD spielt. Ja, es ist „Kult“, aber heute muss ich sagen, es ist auch ein großartiges Gefühl, mein eigenes Album in der Hand zu haben.

Und was sind Ihre nächsten Schritte?

Ich habe gerade mein drittes Studioalbum aufgenommen, es soll Anfang nächsten Jahres erscheinen. Da ist viel zu tun, schließlich will ich alles optimal vorbereiten. Viele, viele Auftritte stehen an – und parallel geht es natürlich darum, die digitalen Kanäle optimal zu nützen. Ich will einfach weiter meine Geschichte erzählen – und möglichst viele Menschen mitnehmen.

Treffpunkt Foyer am 29. Oktober – So sind Sie dabei

Was? „Schlager – Boom ohne Grenzen?“ ist das Thema beim Treffpunkt Foyer unserer Zeitung am Dienstag, 29. Oktober in der Liederhalle Stuttgart (Mozartsaal). Beginn ist um 19.30 Uhr (Saalöffnung: 18.45 Uhr). Unser Autor Nikolai B. Forstbauer wird die Gäste des Abends befragen.

Wer? Unsere Gäste am 29. Oktober sind Matthias Reim und Julia Lindholm. Mit seiner jüngsten Erfolgssingle „Eiskalt“ bestätigt Matthias Reim seinen Rang als einer der wichtigsten deutschen Musiker. Am 25. Oktober erscheint das neue und 20. Album „MR20“. Die Schwedin Julia Lindholm, 25, hat sich über Youtube-Erfolge einen Plattenvertrag und Fernsehauftritte erarbeitet. „Boom Boom“ heißt ihre aktuelle Single. Wie sehen Reim und Lindholm die Entwicklung ihrer Branche, wie ihre eigenen Chancen? Wir fragen nach – und freuen uns, Reim und Lindholm am 29. Oktober auch live zu hören.

Wie? Die Teilnahme an unserem Treffpunkt Foyer-Abend ist kostenlos, ­eine Anmeldung ­ist jedoch erforderlich. Diese nehmen wir gerne entgegen – digital unter www.stn.de/foyer. Hinweise zu unseren Datenschutzrichtlinien finden Sie unter www.stn.de/datenschutz.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: