Dylan O’Brien findet in der „Weird City“ -Episode „The One“ das Glück. Foto: Youtube

Mit „Weird City“ will Youtube Streamingdiensten wie Netflix Konkurrenz machen. Der herrliche Science-Fiction-Spaß stammt vom „Get Out“-Regisseur Jordan Peele.

Stuttgart - Die futuristische Weird City, auf Deutsch etwa „Schrägstadt“, ist durch eine Linie in zwei Bereiche getrennt. Die gut situierte Oberschicht lebt oberhalb der Grenze, „above the Line“ wie es in der Serie heißt, und genießt dort die digitalen Errungenschaften der Technik: intelligente Häuser, lebensoptimierende Apps oder bewusstseinserweiterndes Fernsehprogramm. Die übrige Bevölkerung haust in der ghettoartigen Gegend „below the Line“ in ärmlichen Verhältnissen und muss auf den Luxus und die technischen Gadgets der unmittelbar benachbarten Parallelgesellschaft verzichten.

In dieser Welt siedelt der Produzent und Drehbuchautor Jordan Peele, der für seine Rassismus-Satire „Get out“ im vergangenen Jahr den Drehbuch-Oscar bekommen hat, in jeder Episode der ersten Staffel eine in sich abgeschlossene Geschichte an. Mit an Konzept und Drehbuch hat Charlie Sanders gefeilt, mit dem Peele schon an der vielfach Emmy-nominierten Comedy-Serie „Key and Peele“ gearbeitet hat. Regie führt Adam Bernstein, der schon bei „Breaking Bad“, „Fargo“, „Better Call Saul“ oder „Californication“ Akzente setzte.

Nichts scheint unmöglich

Die Handlung führt die verschiedenen Charaktere mal auf Wege oberhalb, mal auf Wege unterhalb der Linie oder vermischt beide Sphären dramaturgisch. Dabei bleibt die Spannung so gut wie immer erhalten. In der chaotischen Welt von „Weird City“ kann man nie sicher sein, was als nächstes passieren wird.

Durch wildes Sexting schwanger werden, ohne den eigentlichen Liebesakt zu vollziehen, allen Seelenschmerz durch einem Therapieautomaten zu bewältigen oder mittels eines Fernsehwerbespots auf „die Eine, die die Eine ist“ zu stoßen – in der bunten Lebenswelt der Citiers scheint beinahe nichts unmöglich. Dabei verzichten die Macher auf jene dunklen Einflüsse und jenen pessimistischen Ernst, von denen die erfolgreiche Anthologie-Serie „Black Mirror“ bei Netflix geprägt wird. Im skurrilen „Weird City“ ist die Erzählstimmung freundlich, mit einer Prise ironischem Witz und viel Liebe zum Detail garniert.

Hier gibt es den Trailer:

Verkuppeln per Algorithmus

Für die einzelnen Episoden der Sci-Fi-Comedyserie wurden auch talentierte Schauspieler verpflichtet, darunter Michael Cera („Juno“), der in der Rolle eines nerdigen Verlierers den Sinn seines Lebens in einem Fitnessstudio sucht, Sara Gilbert („Roseanne“) und Laverne Cox („Orange is the new black“), die als lesbisches Paar von ihrem intelligenten Haus „Xander“ drangsaliert werden, oder Ed O’Neill („Modern Family“) als verwitwetes Familienoberhaupt der seine große Liebe dank eines fehlgeschlagenen Verkuppelalgorithmus in der Gestalt des jungen Dylan O’Brien („Maze Runner“) findet.

Hier gibt es die erste Folge:

Die überzeichneten Oberschichtler wirken mit ihrer Vorliebe für organische Lebensmittel und Selbstoptimierung um jeden Preis wie eine Ansammlung unsicherer Gestalten, die sich und ihrer Umwelt beweisen müssen, wie en Vogue und lebensbejahend sie doch sind. Dabei lehrt ihre Verblendung die Zuschauer das Fürchten.

Wie im echten Leben

Man wünscht sich keine Zukunft, in der Menschen mehr Schein als Sein darstellen und der Lebensmittelpunkt von echten sozialen Interaktionen hin zu einem digitalen Habitat wandert. Dabei sind die entsprechenden Tendenzen bei dem ein oder anderen Mitmenschen schon jetzt deutlich bemerkbar. Oder vielleicht doch schon in der Gesamtgesellschaft.

Hier gibt es die zweite Folge:

Lange vor den Streamingdiensten hat Youtube dem linearen Fernsehen Zuschauer weggenommen. Das Videoportal, das seit 2006 zum Google-Konzern gehört, bietet längst auch Bezahlinhalte. Mit „Weird City“ aber schließt Youtube auch qualitätsmäßig zu Streaminggrößen wie Netflix, Amazon Prime und Sky auf. Die beiden ersten Folgen gibt es gratis, um die komplette Serie abspielen zu können, ist ein Premiumabo für 11,90 Euro pro Monat nötig. In absehbarer Zeit will man alle Folgen auch gratis zur Verfügung stellen – dann jedoch mit Werbeeinblendungen.

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