Besonders Jugendliche stehen voll auf den Internetdienst Younow. Verbraucherschützer finden das gar nicht gut.

Stuttgart - Die bei Jugendlichen sehr beliebte Internetplattform Younow für Live-Videos setzt immer stärker auf finanzielle Anreize, um Nutzer zu binden – eine Praxis, die Fachleute zusehends kritisch sehen.

Sascha Schmidt, Referent beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg bezeichnet insbesondere das Bezahlmodell als „fragwürdig“. Auf der Plattform Younow können Nutzer de facto ihren eigenen Internet-Fernsehkanal betreiben und etwa Videos mit Szenen aus ihrem Alltag ausstrahlen (streamen). Einige dieser sogenannten Streamer haben speziell unter Jugendlichen Kultstatus. Um von ihren Idolen wahrgenommen und persönlich über Kurznachrichten angesprochen zu werden, bezahlen viele Jugendliche erhebliche Beträge. Oft sind es einstellige, teils aber auch zwei- oder dreistellige Euro-Beträge, die über eine virtuelle Währung innerhalb weniger Minuten den Besitzer wechseln. Vor allem jungen Nutzern sei mitunter überhaupt „nicht mehr bewusst, wie viel sie überhaupt ausgeben“, sagte Medienexperte Schmidt unserer Zeitung.

Seit kurzem ist Younow auch in Deutschland dazu übergegangen, seine erfolgreichsten Internetstars an den Einnahmen aus ihren Live-Sendungen zu beteiligen – eine Praxis, die zuerst vorwiegend im Younow-Heimatland USA üblich war. Aktuell gebe es in Deutschland rund 90 sogenannte Partner, bestätigte das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung. Die Einnahmen der deutschen Younow-Stars können zwischen knapp zehn oder mehreren Hundert Euro pro eingespieltem Video liegen, hieß es von Younow – Geld, das die Nutzer zahlen.

Die Plattform ist in den letzten Monaten stark gewachsen. Die Zahl der per Live-Videos übertragenen Stunden pro Monat hat sich 2014 um rund 1000 Prozent erhöht. In Europa ist der deutschsprachige Raum der wichtigste Markt für Younow.

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