Die 80er Jahre waren besser als ihr Ruf. Vor allem die Autos. Als Youngtimer sind manche Modelle bei Stilexperten und Autosammlern schwer gefragt. Ein Überblick.
Stuttgart - In Kroatien und im benachbarten Bosnien-Herzegowina trauen sie ihren Augen nicht. „Was ist nur mit den Deutschen los?“, fragt sich Mladen M., ein Automechaniker, der unweit der kroatischen Hauptstadt Zagreb wohnt und arbeitet. „Wir bekommen eure praktisch neuen Diesel, und dafür wollt ihr unseren Schrott, der ja auch mal von euch kam.“ Mit „Schrott“ meint Mladen M. ältere Mercedes-Modelle, die in den 90er Jahren oft mit hoher Kilometerleistung aus Deutschland in die Balkanländer weiterverkauft wurden. Manch ein Fahrzeug wurde wider Erwarten liebevoll gepflegt und hat selbst den Bürgerkrieg unbeschadet überdauert.
Nur ausgeschlachtet
Heute heißen die jungen Oldtimer „Youngtimer“, die nun mithilfe von Händlern, Sammlern sowie dank der Online-Marktplätze ihren Weg zurück in die Heimat finden. Viele Autos werden auch nur ausgeschlachtet. Mladen M. berichtet kopfschüttelnd, dass zurzeit Transporter vor allem die bis 1993 gefertigten 190er-„Baby-Benz“-Modelle geladen haben und gen Norden fahren.
Für stilbewusste Großstadthipster
Autos aus den 80er Jahren im Originalzustand sind hierzulande trotz der Diskussion um Fahrverbote beliebter denn je, nicht nur bei stilbewussten Großstadthipstern. Sofern sie dann auch noch mit einem H-Kennzeichen zugelassen werden können, erfahren sie unter bestimmten Umständen eine Wertsteigerung und werden zu „Garagengold“. Denn mit einem H-Kennzeichen dürfen Autos, die älter als 30 Jahre sind, auch ohne Katalysator in die meisten Umweltzonen einfahren. Anhängern der Elektromobilität ist das ein Dorn im Auge Doch die Zahlen dürften selbst engagierte Umweltschützer beruhigen. Zwar steigen die Zulassungszahlen für Oldtimer seit Jahren an, doch bei insgesamt rund 45 Millionen Kraftfahrzeugen waren 2018 insgesamt nur eine halbe Million historische Fahrzeuge mit H-Kennzeichen unterwegs, also weniger als ein Prozent des Bestandes. Zudem fahren Klassikereigner wohl aus Sorge um ihr heiliges Blech im Schnitt 1500 Kilometer pro Jahr, was nur einem Zehntel der Jahresfahrleistung eines Normalfahrers entspricht.
Gute Qualität
Dass viele der wiederentdeckten Fahrzeuge aus den 80er Jahren trotz ihres hohen Alters keine „Stehzeuge“ sind, weiß auch Marius Brune, Geschäftsleiter von Classic Data in Bochum, der marktführenden Firma zur Bewertung klassischer Fahrzeuge. „Im Unterschied zu der rostanfälligen Fahrzeuggeneration aus den 70ern sind die Autos aus den 80ern von sehr guter Qualität“, sagt Marius Brune. Die Technik sei robust gewesen, der Korrosionsschutz ab Werk wurde plötzlich wichtig. Und die Elektronik-Mätzchen, die vor allem bei den seit dem Jahr 2000 produzierten Autos auftreten, gebe es in der Regel auch nicht. Ab Mitte des Jahrzehnts wurde der Katalysator verbaut, ab 1989 war er Pflicht. „Eigentlich ist es die erste Oldtimer-Generation, die zum Alltagsauto taugt“, sagt der Experte von Classic Data.
Begehrte Sonderreihen
Doch welche Modelle, die unter 20 000 Euro kosten, haben Potenzial beim Wertzuwachs, liegen aber auch sonst im Trend und es gibt in der Not noch Ersatzteile? Marius Brune nennt mehrere Kandidaten. Zum Beispiel den Porsche 924. Der Sportwagen war einst als „Hausfrauen-Porsche“ verschrien, auch weil er das erste Modell aus Zuffenhausen mit wassergekühltem Frontmotor war. Doch nun hat er seine Fans, weiß Brune. Der 924 sei leicht, in den Kofferraum passten elf Wasserkisten, was für einen Porsche unglaublich viel sei – und er verbrauche mit rund acht Liter Benzin vergleichsweise wenig. In derselben Preisklasse sei der Toyota Supra mit drei Liter Hubraum angesiedelt oder auch die Sonderlinien des Renault Clio (Williams oder Alpine), nicht zu vergessen ein VW Polo mit dem raren G40-Kompressor. Ebenfalls angezogen hätten die Preise für den Saab 900, das Cabrio der 3er-Reihe von BMW sowie den Mercedes W 123.
Nostalgische Gefühle
Bei den Fahrzeugen, die für weniger als 10 000 Euro angeboten werden, finden sich altbekannte Volumenmodelle, die man früher an jeder Straßenecke sah: der kantige, von Giorgio Giugiaro gezeichnete Fiat Panda der ersten Generation, ein Renault 5 oder auch „eine richtig plüschige Limousine wie der Ford Granada“, sagt Marius Brune. Bei all diesen Modellen hätte es zuletzt eine positive Preisentwicklung im zweistelligen Prozentbereich gegeben. Schnäppchen gebe es aber nicht mehr, so der Classic-Data-Experte. Und ebenso wenig den Klassiker als sichere Geldanlage. Am Ende entscheiden, das meint auch Marius Brune, das Herz und ein nostalgisches Gefühl. Man muss die Karre ja weder fahren noch weiterverkaufen. Einfach nur anschauen und polieren. Das Auto ist tot. Es lebe das Auto.