Birgit Hortig (vorne) empfiehlt zum Auftakt eine dynamische Sequenz, die herausführt aus dem Gefühl der Ohnmacht Foto: /Dominique Barbier

Yoga ist nicht nur Körperarbeit, sondern wirkt auch auf die Psyche, meint Birgit Hortig. Die Stuttgarter Yoga-Lehrerin hat Übungen für die aktuelle Krisenzeit zusammengestellt.

Stuttgart - Yoga hat sich in den vergangenen Jahren beinahe zum Volkssport entwickelt. Auch immer mehr Männer gehen in die Knie, harren im Hund und entspannen sich in der Kindspose. Etwas in den Hintergrund rückt dabei, dass Yoga eine philosophische Lehre ist, die den ganzen Menschen meint, nicht bloß seine Muskeln und Gelenke. In Krisenzeiten profitieren Yogis hiervon: Denn die körperlichen Übungen (Asanas) helfen, jener inneren Unruhe zu begegnen, die all die weitgreifenden Veränderungen des Alltags mit sich bringen.

Yoga hält für nahezu jede Lebenslage und Beschwerde eine Übung parat. Birgit Hortig vom Yoga-Studio-Süd in Stuttgart hat eine Übungsreihe zusammengestellt, die Yogis leichter durch diese Tage trägt. Sie hilft, einen Rhythmus zu finden, sich auf das Mögliche zu fokussieren – und: „Sich mit dem zu verbinden, was die Yogis Svatma nennen, den wahren Wesenskern, das innerste Selbst, das pure Da-Sein, losgelöst von äußeren Faktoren und Identifikationen.“ Von heute auf morgen gehe das nicht, es bedürfe regelmäßiger Praxis, erklärt die Yoga-Expertin.

Wieder in den Flow kommen

Hortig empfiehlt zum Auftakt ein paar Sonnengrüße, eine „dynamische Sequenz, um wieder aktiv zu werden, in einen Flow zu kommen, Energie und Kraft zu spüren, raus aus der Unsicherheit, aus einem Gefühl der Ohnmacht“. Eine sehr anschauliche Anleitung dieser Übungsabfolge findet sich auf der Internetseite www.yogabasics.de – auch als PDF zum Herunterladen. Wichtig ist zu beachten ist, dass man beim Wechsel in die jeweils folgende Haltung ausatmet und beim Lösen einatmet. Stehende Übungen wiederum geben laut Hortig „Erdung, Stabilität und Kraft“. Dazu zählen Krieger- und Held-Haltungen, die man ebenfalls auf der Webseite findet.Lesen Sie hier: Ex-VfB-Torwart Timo Hildebrand findet sein Glück auf der Matte

Vorbeugen indessen „unterstützen uns im Loslassen von Ängsten, Anspannung, Verspannungen“, so Hortig. Rückbeugen „schenken neue Energie, Zuversicht, öffnen die Augen und den Herzraum für Neues, für die Zukunft, geben Kraft“. Dazu eignet sich beispielsweise das Kamel: Man geht auf die Knie, stellt die Zehen auf, nimmt die Arme gestreckt nach oben und lehnt sich nach hinten. Das Becken wird dabei nach vorn geschoben. Nun kann man versuchen, sich so weit zurück zu lehnen, dass man seine Fersen zu fassen bekommt, wobei man die Arme nacheinander nach hinten nimmt. Unten angekommen, das Becken nochmals vorschieben, einige Sekunden ausharren und dann Arm für Arm wieder in die Ausgangshaltung zurückkehren. Als Gegenbewegung setzt man sich mit gerundetem Rücken auf die Fersen (Kinds-Pose).

Äußere und innere Balance

Hortig empfiehlt ferner seitliche Drehungen der Wirbelsäule, weil sie den Blick auf die Welt veränderten. Eine einfache Übung hier ist der Drehsitz, bei dem man mit überkreuzten Beinen am Boden sitzt. Das übergeschlagene Bein hält man mit der Hand auf der anderen Körperhälfte und dreht sich auf der Seite des übergeschlagenen Beines nach hinten. Den zweiten Arm nutzt man, sich am Rücken abzustützen. Eine gute Übung sind Balancehaltungen, sagt Birgit Hortig, sie dienten dazu, sich auszutarieren. Sie helfen, sich zu fokussieren und zu stabilisieren. Unkompliziert ist der Baum: Man stellt sich auf ein Bein, winkelt das andere an und stemmt dessen Fuß gegen das stehende gestreckte Bein – egal, ob am Ober- oder Unterschenkel. Nur gegen das Knie sollte man nicht drücken. Die Hände nimmt man in Gebetshaltung oder streckt sie nach oben.

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Die vorletzte Übung sollte eine Umkehrhaltung sein, sie „bringen Ruhe und Entspannung, führen uns zurück zu uns selbst“, sagt die Yogalehrerin. Kopf- und Schulterstand kennt man noch aus dem Sportunterricht. Der Hund ist eine klassische Yoga-Haltung, bei der man als umgekehrtes „V“ auf dem Boden steht, Arme und Beine streckt und dabei versucht, auch noch die Fersen auf den Boden zu bekommen.

Hilfe für das Immunsystem

Die letzte Übung jeder Yogastunde heißt Savasana, die Totenstellung. Sie ist die einfachste und schwierigste zugleich. Man liegt ausgestreckt auf dem Rücken, Arme bequem vom Körper gespreizt, Beine hüftbreit, Augen geschlossen. Im Kopf wandert man Glied für Glied von den Füßen bis zum Scheitel und lässt alle anderen Gedanken entfleuchen. „Diese Ruheposition schenkt tiefe Ruhe und Entspannung, vitalisiert dadurch und unterstützt das Immunsystem“, so Hortig. Atemübungen unterstützten die positiven Wirkungen der Übungen zusätzlich, erklärt sie. Ausführlich und mit Videos erklärt werden die grundlegenden Atemübungen auf der Internetseite www.yoga-vidya.de.

So lange ihr Studio geschlossen ist, bietet Birgit Hortig Online-Kurse an unter ihrer Webadresse www.yoga-sued.de.

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