Yello in der Porsche-Arena Zwei Senioren und ihr liebstes Spielzeug

Von Thomas Morawitzky 

Das Schweizer Pop-Duo Yello hat in der Porsche-Arena gespielt und gezeigt, dass es auch den Live-Auftritt beherrscht

Stuttgart - Sie bastelten 37 Jahre lang im Verborgenen an ihren Wundern. Dann erst vernahmen Dieter Meier und Boris Blank den Ruf der Bühne. Vor einem Jahr gab das Schweizer Elektroduo, das Geschichte schrieb, seine ersten Live-Konzerte. Nun spielten Yello in der Porsche-Arena und erhoben sich in edler Coolness über alles Schlechte, das man ihnen nachsagt.

Die Kritiken, die Meier und Blank für ihr erstes Live-Konzert am 26. Oktober 2016 in Berlin erhielten, waren einheitlich vernichtend. Von leblos den Vorlagen nachgestellter Musik, las man da, steril, fern jeder Inspiration. Nun, ein Jahr später, treten sie in gleicher Besetzung, mit ähnlicher, kürzerer Setlist auf. Schlimm wie gehabt? Oder geht es letztlich vor allem um Erwartungshaltungen, wenn über die Live-Show von Yello geurteilt wird?

Der Mann an der großen Percussionbatterie, der Schlagzeuger, der Gitarrist, die Background-Sängerinnen, die fünfköpfige Bläsersektion – sie alle sind natürlich Zierrat, mit dem Meier und Blank sich auf der Bühne umgeben, sie illustrieren das Konzept Yello. Sie klingen großartig, sauber, versiert, und sie erhalten kaum je Gelegenheit, aus dem Rahmen zu treten, den Boris Blank, Klangforscher des Duos, in Stunden findigen Tüftelns erschaffen hat. Aber ist das zu wenig? Ein Gitarrist, der mit grellen, schnellen Saitensprüngen vorführt, dass Yello nicht nur Disco, sondern auch Metal können, bei „Si Senor the hairy Grill“ von 1987? Oder das Baritonsaxofon, das die Elektrobeats bei „The Race“ leibhaftig auswuchtet?

Eigenwillige, aber überzeugende Bühnenform

Dieter Meier und Boris Blank haben die Bühne nicht abgeschrieben, obwohl sie sich nicht nur in Berlin Verrisse abholten. Sie haben weiter gemacht, und sie haben, wie Meier irgendwann mit kurzem, trockenen Understatement anmerkt, vielleicht dazu gelernt. Sie haben zu einer Bühnenform gefunden, die sehr eigenwillig ist, aber doch überzeugt. Dieter Meier ist ein vermögender Mann, ein reiner Hedonist mutmaßlich, gewiss aber keiner, der nur aus Altersstarrsinn ins Rampenlicht treten würde. Er will seinen Spaß, er hat ihn, zweifelsohne. Und dem Publikum, das seine Person im Mittelpunkt einer Welt sieht, die aus skurrilen Künstlervideos, Studiomusikern, scharfkantigen Beats, heißblütig-kühlen Rhythmen besteht, ergeht es nicht anders.

Da steht dieser ältere Herr im feinen Zwirn, 72 Jahre alt, zuckt zu den Rhythmen in lässiger Zurückhaltung mit den Schultern, dreht den Kopf mit dunkler Brille, weißem Haar zur einen, den angewinkelten Arm mit Mikrofon zur anderen Seite, verharrt regungslos in lakonischer Pose; nur seine schwarze Schuhspitze wippt unablässig. Dieter Meier ist der Crooner im animierten Elektrowunderland; singt er „30 000 Days“ von Yellos aktuellem Album „Toy“, ein Stück, das davon handelt, wie kurz, wie lang ein Leben ist, dann klingt er fast schon wie der späte Leonard Cohen.

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