Yahoo wird zu Ataba Marissa Mayer und Yahoo – das doppelte Desaster

Von Daniel Gräfe 

Marissa Mayer spricht 2014 auf der IT-Messe CES in Las Vegas: Die Yahoo-Chefin konnte in den vergangenen Jahren den Internetpionier nicht auf Kurs bringen. Foto: dpa
Marissa Mayer spricht 2014 auf der IT-Messe CES in Las Vegas: Die Yahoo-Chefin konnte in den vergangenen Jahren den Internetpionier nicht auf Kurs bringen. Foto: dpa

Von Yahoo bleibt eine verfehlte Sicherheitspolitik und eine überschätzte Chefin in Erinnerung, meint Daniel Gräfe. Der Datenskandal hat der gesamten Branche geschadet.

Stuttgart - Was für ein Abstieg! Früher galt Yahoo als hipper Web-Katalog und Foren-Anbieter und ein Mail-Account zählte zum Standard – jetzt ist es ein Resteposten, von dem der übrig gebliebene Teil in Altaba umbenannt werden soll. Vom einstigen Internetpionier bleibt damit ein Investmentunternehmen übrig, das vor allem von seiner 15-prozentigen Beteiligung am chinesischen Online-Riesen Alibaba profitiert.

Der Niedergang Yahoos spiegelte sich in den vergangenen Jahren im schnellen Abstieg seiner Chefin Marissa Mayer wider. Diese hatte bei Google einst die Entwicklung von populären Diensten wie Google Mail oder Google Maps verantwortet und galt bei ihrem Wechsel 2012 als Hoffnungsträgerin und IT-Frau der Stunde. Doch auch Mayer schaffte es nicht, den schlingernden Gemischtwarenladen Yahoo klar zu positionieren. Rivalen wie Google und Facebook sicherten sich nicht nur das Gros der Online-Werbeeinnahmen, sondern eroberten neue attraktive Geschäftsfelder. Bei Yahoo aber war nicht einmal klar, ob es vor allem ein Medien- oder Technologieunternehmen sein wollte.

Mayer konnte keine Zukunftsfelder erschließen

Mayer versagte beim Versuch, strategische Zukunftsfelder zu erschließen. Start-up-Käufe blieben weitgehend wirkungslos, die Milliarden-Übernahme des Blogdienstes Tumblr entpuppte sich als Fehlkauf. Trotz einer Milliarde Yahoo-Nutzer stiegen zuletzt die Verluste, wurden Standorte geschlossen und Tausende Mitarbeiter mussten gehen. Das Webgeschäft wurde für ein paar Milliarden Euro an den US-Telekomkonzern Verizon verkauft.

Es ist eine desaströse Bilanz, die jetzt darin gipfelt, dass genau dieser Deal wegen Yahoos Datenskandale noch scheitern oder der Preis noch nachträglich gedrückt werden könnte. Denn bis vor wenigen Monaten hatte Yahoo verheimlicht, dass 2013 mehr als eine Milliarde und 2014 eine halbe Milliarde Nutzerkonten von Datendiebstahl betroffen waren. Mitarbeiter warfen Mayer daraufhin vor, zu wenig in die Sicherheit der Produkte investiert zu haben. Damit hinterlässt Mayer nicht nur eine Hypothek für den Verizon-Deal, sondern vor allem für die Yahoo-Nutzer. Denn diese wissen meist nicht, ob mit ihren Daten Schindluder getrieben wurde oder noch wird. Das hat nicht nur das Vertrauen in Yahoo untergraben – es hat auch der Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche geschadet.

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