Erstrahlt seit November in neuem Glanz: die XXXLutz-Filiale in Ludwigsburg ist jedoch noch nicht fertig – es wird angebaut. Foto: Simon Granville

In Ludwigsburg erweitert der österreichische Möbelriese. Ist das auch als Angriff auf die Konkurrenz durch Ikea und Co. zu verstehen? Und was plant XXXLutz an der B27?

Die Konkurrenz unter den Möbelhäusern in der Region ist riesengroß. Menschen, die sich ihr Heim neu einrichten – egal ob Bad, Schlaf-, Wohnzimmer oder gleich die komplette Bude – haben in Ludwigsburg die Qual der Wahl.

 

Direkt an der Autobahnausfahrt Ludwigsburg-Süd zieht der schwedische Riese Ikea Kundschaft aus der ganzen Region an. Bevor das blau-gelbe Einrichtungshaus an der A 81 eröffnete, gab es Mann Mobilia. Gerade einmal fünf Minuten braucht man über die B 27 von einem zum anderen Möbelriesen. Kannibalisiert haben sie sich nicht. Und das sei auch nicht absehbar, sagt XXXLutz-Sprecher Volker Michels.

Wohin es die Kundschaft zieht, das ist zumindest Geschmackssache, für manchen fast eine Glaubensfrage. Die Nähe zu anderen Einrichtungstempeln – in Bietigheim gibt es mit Hofmeister einen weiteren großen Spieler in der Nähe – sei „gar nicht so schlecht“, sagt Michels. Fast freundschaftliche Töne in einem hart umkämpften Business. Wie passt das zusammen?

Auch in anderen Städten: Konkurrenten Seite an Seite

Der Besucherfrequenz sei das Angebot in der Nachbarschaft eher zuträglich, sagt Michels, das zeige sich auch an anderen Standorten in der Region. Wer in einem Möbelhaus nicht fündig werde, schaue danach im nächsten vorbei. In Böblingen und Sindelfingen liegen zwischen XXXLutz und Ikea auch nur wenige Autominuten. In Karlsruhe existieren die Österreicher und Schweden am Großmarkt sogar direkt nebeneinander. „Das funktioniert“, sagt Michels.

Bei XXXLutz läuft es in Ludwigsburg jedenfalls so gut, dass die Filiale seit einiger Zeit um- und ausgebaut wird. Ein Projekt, um das lange gerungen worden war.

Möbelriese investiert 25 Millionen in Standort

Das bestehende Gebäude wurde nun komplett saniert – auch energetisch. Nach Angaben der Verantwortlichen ist die Ludwigsburger Filiale, die bisher die kleinste in der Region war, nun stromautark. Zehn Monate war sie geschlossen, im November wurde sie wiedereröffnet. An der Nordseite wird immer noch gewerkelt: die Baustelle ist von der B 27 nicht zu übersehen. Das Skelett des Anbaus steht, der Innenausbau – in einem Möbelhaus der aufwendigste Teil – steht noch an. 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche kommen dazu, außerdem wird die Zahl der Parkplätze mehr als verdoppelt. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor, trotz Mobilitätswende. 25 Millionen Euro investiert der Möbelriese insgesamt in den Standort und schafft 30 neue Arbeitsplätze. Fertig werden soll alles im Laufe des Jahres.

Die Querelen mit dem Schützenverein Eglosheim, der in der Nachbarschaft sein Vereinsheim hat, sind inzwischen ausgeräumt. Der Möbelriese hatte sich letztlich dazu bereit erklärt, den Schützen ein neues Vereinsheim zu spendieren. Allerdings erst, als der Club Druck bei den Entscheidern in Österreich machte. „Das Ganze hat eine sehr positive Wendung genommen“, sagt der Vorsitzende Jürgen Schreiner. Im Rückblick habe der Verein „großes Glück“ gehabt.

Bio auch im Möbelhaus

Seit Anfang der 90er existierten Möbel- und Schützenhaus Seite an Seite. Für Mann Mobilia wurde das alte Haus irgendwann zu klein. „Wir konnten nicht unser komplettes Sortiment zeigen“, sagt Chef Mike Möller. Ein neues Restaurant entsteht im Zuge des Ausbaus auch. Für die Möbelhäuser ein einträgliches Geschäft – und manchmal verkaufsentscheidend. „Sich noch mal hinzusetzen, etwas zu trinken oder zu essen, das hilft den Kunden bei der Entscheidungsfindung“, sagt Michels. Dass die Kunden viel besser informiert in die Läden kommen, weil sie sich die Produkte vorher im Internet angeschaut haben, sei eine Entwicklung. Beraten werden wollen sie trotzdem, und die Stücke anfassen auch. Bange vor der Zukunft ist den Einrichtungshäusern nicht.

Die Branche ist eine, die von Corona eher profitiert hat. Weil die Menschen daheim waren, legen viele mehr Wert auf ein gemütliches Zuhause. Die deutsche Möbelindustrie steigerte laut dem gleichnamigen Verband ihren Umsatz im Jahr 2022 um 7,6 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Das Wachstum sei aber vor allem auf die gestiegenen Materialkosten zurückzuführen. Die gesunkene Kauflaune spüre man durchaus. Nicht aber in Ludwigsburg. „Wir merken nichts von der Inflation“, sagt Mike Möller. Insgesamt gehe der Trend zu hochwertigen Möbeln. Das Bio-Siegel spiele nicht nur im Lebensmittelregal, sondern auch im Möbelhaus eine Rolle.

Alte Markennamen beibehalten

Zum Erfolgsrezept gehöre auch die große Bandbreite an Produkten und, dass der Mutterkonzern aus Österreich, als er über die Jahre immer mehr kleinere Firmen schluckte, die Markennamen beibehielt: Bierstorfer in Heilbronn, Gamerdinger in Böblingen und eben Mann Mobilia in Fellbach und Ludwigsburg. Die Dichte an Märkten in der Region spielt XXXLutz derzeit in die Karten. Denn Lieferschwierigkeiten gibt es durchaus. „Im Zweifel schicken wir unser Kunden in eine unserer anderen Filialen“, sagt Volker Michels.