Wutausbruch des Mainzer Trainers Sandro Schwarz Foto: dpa

Das war nix: Mainz 05 hat zum Auftakt der Rückrunde in Hannover eine 2:0-Führung verspielt und noch 2:3 verloren. Vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart hängt der Haussegen schief.

Hannover - Die Verantwortlichen beim FSV Mainz 05 wissen genau, was im Januar 2018 alles auf dem Spiel steht. Der um seine Identität ringende und seine Erstligazugehörigkeit kämpfende Bundesligist wählt bald ein neues Vereinsoberhaupt, und die Stimmungslage der Mitgliederversammlung am nächsten Sonntag dürfte entscheidend davon abhängen, wie die Profis sich am Tag zuvor im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart präsentieren. Es könnte ungemütlich werden, sollte kein ertragreicherer Auftritt als zum Rückrundenauftakt bei Hannover 96 gelingen, wo die Rheinhessen nach einem 2:0-Vorsprung noch 2:3 unterlagen.

„Drei Punkte gegen Stuttgart sind Pflicht“, forderte Sportvorstand Rouven Schröder daraufhin unverhohlen. „Nächstes Wochenende wollen wir punktgleich mit dem VfB sein.“ Dass die Null-Fünfer kurz vor Heiligabend das Pokalspiel gegen die Schwaben gewannen, verleitet niemand zu Übermut. Dafür bleibt diese Mainzer Mannschaft, obwohl durch Anthony Ujah und Nigel de Jong prominent verstärkt, ein viel zu anfälliges Gebilde.

Grundtugenden fehlen

Auch vor diesem Hintergrund war der Wutausbruch zu werten, den sich Trainer Sandro Schwarz leistete, weil seine Spieler die ersten Zähler im neuen Jahr so unachtsam wegwarfen wie Spaziergänger ihr Butterbrotpapier im Wald. „Konsequenz, Konzentration – es sind doch immer die gleichen Schlüsselworte“, meckerte der 39-Jährige. Die Missachtung solcher Grundregeln ermöglichte Niclas Füllkrug den Anschlusstreffer (33.), nachdem Yoshinori Muto (26.) und Alexander Hack (31.) ein „Top-Auswärtsspiel“ (Schwarz) mit Toren belohnt hatten. Aber schlussendlich standen die Gäste wegen zweier weiterer Füllkrug-Treffer (38./Foulelfmeter und 75.) mit leeren Händen da.

„Null Punkte sind extrem bitter. Wir haben Aufbauhilfe Nord betrieben. Das ist ärgerlich hoch dreitausend“, stellte Schwarz scharfzüngig fest und schob hinterher: „Ich bin stinksauer.“ Gerade das 2:3 fand Schwarz „symptomatisch, wie wir uns nach einer Slapstickeinlage selbst schlagen“. Plakative Unmutsäußerungen sind selten bei einem ansonsten so sehr auf Sachlichkeit bedachten Fußballlehrer, der in seiner Bestandsaufnahme den Hinrundenkehraus beim SV Werder (2:2) in die Generalschelte einbezog: „Wenn wir zweimal zwei Auswärtstore schießen, müssen wir auch einmal ein Spiel gewinnen.“

Die kollektive Schlafmützigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison. Vieles hätte für die Mainzer sprechen können: dass zeitweise in der Arena am Maschsee eine gespenstische Stimmung herrschte, weil die Heimmannschaft aus Protest gegen die Übernahme durch 96-Boss Martin Kind von den Ultras auch in der Rückrunde nicht unterstützt wird. Oder dass zusätzlich fast 15 000 Plätze leer blieben und der Mainzer Block sich akustisch viel Gehör verschaffte.

Neuzugänge überzeugen nicht

Was ist bloß los, wenn solche Vorteile nicht genutzt werden? „Wir müssen abgeklärter spielen. Gegentore fallen bei uns ein bisschen zu billig“, sagte Stefan Bell. Dabei lehnte der Kapitän an einem Pfeiler im Erdgeschoss, als könnte die steinerne Stütze in Zukunft helfen. Keine Soforthilfe scheinen auf jeden Fall die beiden Neuerwerbungen: Ujah überzeugte im Training seinen Übungsleiter so wenig, dass der nigerianische Torjäger erst in der 82. Minute kam. De Jong verschuldete mit einem ungeschickten Einsteigen den Strafstoß vor dem 2:2. Übrigens nicht die einzige Szene, in der der niederländische Altstar gedanklich zu langsam war.

„Unglückliche Situation und berechtigter Elfmeter“, urteilte Schwarz, der ebenso wie Schröder darum bemüht war, den 33-Jährigen wenig zu rügen. „Er hat Erfahrung reingebracht, er hat Räume zugelaufen und war immer anspielbar“, befand Schwarz. Und Schröder stellte fest: „Wenn du grätscht, musst du den Ball treffen. Aber er hat ein gutes erstes Spiel gemacht.“ Zudem nahm noch Bell den neuen Kollegen in Schutz: „Er wusste eine Minute später, dass diese Aktion nicht so clever war.“ Seine Schlussfolgerung lautete: „Jetzt müssen wir eben gegen Stuttgart gewinnen.“

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