Die üblichen Reflexe nach der Preissteigerung bei Kraftstoffen dürfen den Blick darauf nicht verstellen, was allein langfristig das Problem entschärfen kann, meint Andreas Geldner.
Dass Kraftstoffpreise die Stimmung im Land stark beeinflussen, das war schon immer so. Vieles kommt da zusammen. Kaum ein alltäglicher Kostenpunkt ist beispielsweise so im Straßenbild sichtbar, wie die Preise von Benzin und Diesel. Die Abhängigkeit vom Weltmarkt für Rohöl macht Kraftstoffe zudem für rasche Preissprünge anfällig.
Emotionalisierte Debatte
Es sind solche Schocks, welche die Debatte emotionalisieren. Wer aber nüchtern nachrechnet, stellt fest, dass aktuell für die meisten Autofahrer die bisher absehbare, zusätzliche Belastung in diesem Jahr im Vergleich zu 2025 im dreistelligen Eurobereich bleibt.
Und wer weiter zurück blickt, stellt fest dass Kraftstoffe relativ zur Kaufkraft über die Jahrzehnte sogar tendenziell billiger geworden sind. Die Deutschen haben das dadurch kompensiert, dass sie sich im Laufe der Zeit immer komfortablere und schwerere Autos zugelegt haben, was beim Verbrauch technische Effizienzgewinne aufgefressen hat.
Beim öffentlichen Nahverkehr kannte die Preisentwicklung hingegen über Jahrzehnte nur eine Richtung – nach oben. Erst das Deutschlandticket hat diesen Trend durchbrochen. Zwei massive Preiserhöhungen seit 2023 haben aber diesen Effekt teilweise schon wieder zunichte gemacht. In den vergangenen drei Jahren mussten Nahverkehrskunden stärkere Preiserhöhungen verkraften als Autofahrer.
Es geht um Mobilität für alle
Doch es ist müßig, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen. Es gibt Menschen, die vom Auto abhängen, die aktuell gebeutelt sind. Letztlich sitzen Autofahrer und Nutzer des öffentlichen Verkehrs in einem Boot. Bezahlbare Mobilität ist für jeden ein Thema.
Was niemand braucht, ist politischer Aktionismus wie eine Benzinpreisbremse, sondern entscheidend sind Strategien, welche die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen verringern. Ein besserer, öffentlicher Verkehr auch in der Fläche und ein Ausbau der Elektromobilität im Straßenverkehr sind das einzig langfristige Rezept.