Violet spielen klassischen 80er-Jahre-Hair-Metal. Das passt zu ihren Wurzeln, die in einer Ludwigsburger Kultdisko liegen, der die jungen Musiker selbst und viele andere bis heute nachtrauern.
Der Legendenstatus der Ludwigsburger Rockfabrik kommt nicht von ungefähr. Einige frühere Stammgäste bekommen noch heute feuchte Augen, wenn sie an die Stippvisiten von Megastars wie Metallica denken. Andere trauern den Konzerten oder feuchtfröhlichen Partys mit harten Klängen in der Großraumdisko nach. Manuel Heller geht es jedenfalls so. Der junge Mann mit Wurzeln in Kornwestheim hat zwar nur die letzten Jahre der Rofa bis zu ihrem Aus an Silvester 2019 erleben können. Doch die haben ihn geprägt, prägen ihn bis heute. Und vor allem würde es ohne die Rockfabrik die Band Violet nicht geben, für die er Songs schreibt und Gitarre spielt.
Schon als Teenager begeisterte sich Heller für jegliche Musik aus den 1980er Jahren, stand speziell auf Hardrockbands, aber auch Pop-Acts wie Sandra oder die Münchener Freiheit. „Das ist einfach unsterblich für mich“, sagt der 24-Jährige. Er wurde bei seinen Hörgewohnheiten auch von seinem Elternhaus beeinflusst. Vater Andreas Konstandaras hat ein eigenes Studio, produzierte einst sogar ein Album für die Thrashmetal-Formation Atrocity, die aus dem Raum Marbach stammt und international in der Szene für Furore sorgte. Der Sohnemann wollte Vorbildern wie Heart oder Bonfire nacheifern und selbst keyboardlastigen Rock mit poppigen Einsprengseln spielen, lernte auf dieser Mission mit 15 Jahren das Einmaleins auf der Gitarre. Und als Metaller mit Leib und Seele landete Heller natürlich früh in der Rockfabrik.
Dort machte er bei einer Party Bekanntschaft mit Filip Kuzanski und Eric Hanhart, die sich als Brüder im Geiste entpuppten. „Wir waren oft dort und haben in der Rofa unsere besten Nächte zugebracht“, erzählt Manuel Heller. Beim Vorglühen auf dem Parkplatz vor der Diskothek wurde er eines Tages von Filip Kuzanski zur Seite genommen und gefragt, ob er nicht Lust habe, Teil einer Band zu sein. Einer Band, die sich dem Stil von Journey oder Starship verschreibt. Wenn man so will, war das die Geburtsstunde von Violet.
Kuzanski und Hanhart waren ursprünglich Gitarristen, schulten aber auf Keyboard beziehungsweise Bass um. Bis zur offiziellen Gründung von Violet verging aber noch etwas Zeit. „Man findet ja nicht so schnell Menschen, die auf so eine Musik Lust haben und das auch leben“, sagt Heller und meint damit einen Lifestyle, bei dem eine wilde Mähne beispielsweise gesetzt ist und man bei den Gesten auf der Bühne auch mal ein bisschen dicker aufträgt. Posertum hat man das früher genannt – und es nicht immer nett gemeint. Ein Begriff, den Heller aber selbst zutreffend findet und der heute auch seine Schärfe verloren hat.
Rockfabrik-DJ vermittelt Sängerin
Letztlich gelang es jedenfalls, die fehlenden Glieder für eine klassische Hardrock-Formation zusammenzubekommen. Über die Kontakte eines Geschäftskollegen von Heller stieß man auf Drummer Maurice Probst. Sängerin Jamie Beckham wurde über Eddy Freiberger vermittelt, der in der Rockfabrik als DJ zum Inventar gehörte. Bei Freibergers Label Metalapolis Records erscheinen auch die Produktionen von Violet. Wie ein unsichtbares Band verknüpft die Disko die Geschicke von Violet.
Wenig überraschend, dass sich Manuel Heller auch bei der Silvesterparty 2019 in der Rofa unter die Besucher mischte. Danach schlossen sich die Türen für immer. „Das war eine sehr emotionale Geschichte. Als ich das letzte Mal rausgegangen bin, musste ich heulend zurückrennen, um die Tür noch einmal zu umarmen“, sagt er.
Aber die Geschichte von Violet ist damit keineswegs auserzählt, sondern nahm erst so richtig Fahrt auf. Die Corona-Einschränkungen wirkten dabei sogar als Triebfeder. „Ich habe im Lockdown und während der ganzen Ruhe, die da geherrscht hat, überhaupt erst herausgefunden, dass ich Songs schreiben kann“, sagt Heller. Außerdem habe man sich genügend Zeit nehmen können, sich auf die erste Platte vorzubereiten und mit Hilfe seines Vaters als Produzenten herauszufinden, in welche Richtung sich der Sound entwickeln soll.
Achtungserfolg gelungen
2022 kam schließlich die erste Scheibe „Illusions“ heraus, „Mysteria“ folgte im Dezember 2024. Wer ein Faible für treibende Beats, hymnischen Chorgesang im Refrain, eingängige Melodien und flotte Gitarrenläufe hat, wird an Violet seine helle Freude haben. In den 1980er Jahren wäre mit dieser attraktiven Mixtur der Durchbruch fast nur eine Frage der Zeit gewesen. Heute ist der Markt für Hair-Metal eher überschaubar. Violet ackern sich durch kleine Clubs. „Wir geben unser Bestes“, sagt Heller, der in Stuttgart lebt. Allerdings ist der Band zuletzt ein Achtungserfolg gelungen. Im Musik Klub Rock bei SWR1 liefen zwei ihrer Songs. Außerdem wurden sie für die Sendung interviewt. Es könnte also vielleicht doch noch was werden mit der Karriere – und Violet die Pfade ihrer Heroen betreten, die in der Rockfabrik hoch und runter gespielt wurden.
Violet auf der Bühne
Auftritte
Wer Violet live erleben möchte, hat dazu in nächster Zeit mehrmals Gelegenheit. Sie treten zum Beispiel am 20. März in Nürnberg im Golden Nugget auf oder am 22. März in der Alpenblickhalle Glashütte in Stetten am kalten Markt bei einer Release-Party der Gruppe Defender.
Videos
Die fünfköpfige Formation spielt klassischen Hair-Metal. Musik und Videos der Band findet man auf ihrer Homepage unter www.violetband.de.