Die Wuppertaler Schwebebahn überquert die Stadt im engen Tal der Wupper. Foto: Susanne Hamann

Der Sturz eines tonnenschweren Bauteils hatte nach einem Unfall im November 2018 die längste Zwangspause ihrer Geschichte zur Folge. Was Sie sonst noch Fortbewegungsmittel wissen sollten.

Wuppertal - Die Schwebebahn in Wuppertal fährt wieder. Der Sturz eines tonnenschweren Bauteils hatte seit November 2018 die längste Zwangspause ihrer Geschichte zur Folge. Was Sie sonst noch über Deutschlands kuriosestes Fortbewegungsmittel wissen sollten.

Warum fuhr die Bahn nicht mehr?

Im November 2018 stürzte eine 350 Meter lange Stromschiene vom Trägergerüst der Schwebebahn. Der Vorfall ereignete sich nahe des Wuppertaler Zoostadions in einem Bereich, wo die Bahn nicht über Wasser, sondern über Land führt. Ein Auto in der Siegfriedstraße wurde getroffen, der 34-jährige Fahrer des Mazdas blieb glücklicherweise unverletzt. Seitdem ruhte der Betrieb auf der 13,3 Kilometer langen Trasse. Die Stadtwerke nutzten die Zeit, um das komplette Schienennetz zu überarbeiten.

Wieso gibt es keine normale Stadtbahn?

Die Hauptstadt des Bergischen Landes liegt in einem langen, schmalen Tal. In der Mitte mäandert ein Fluss, die Wupper, an beiden Ufern geht es steil nach oben. Die Industrialisierung machte das Tal der Wupper reich, brachte aber auch Probleme mit sich: Die Pferdefuhrwerke standen ständig im Stau, Menschen und Material kamen nicht rechtzeitig in die Fabriken. In das harte Gestein der Gegend konnte man jedoch keine Untergrundbahn graben. Eine klassisch gestützte Hochbahn auf Pfeilern wie in Hamburg oder Berlin schied mangels Platz auch aus. Die Stadtverordneten von Barmen und Elberfeld wählten daher 1887 jeweils eine „Kommission zur Prüfung des Projektes einer Hochbahn“. Die Lösung fand sich in Köln. Dort hatte ein Zuckerfabrikant auf seinem Firmengelände eine clevere Eisenkonstruktion mit hängenden Wagen für den Materialtransport installieren lassen.

Seit wann gibt es die Schwebebahn?

Die Hochbahn wurde zwischen 1898 und 1900 gebaut. Sie besteht aus 19 000 Tonnen Stahl und 2,6 Millionen Nieten. 472 Stützen tragen die Konstruktion. Angetrieben werden die Wagen von vier Elektromotoren auf dem Wagendach. Streng genommen hängt die Bahn daher – und schwebt nicht. Die Strecke ist heute 13,3 Kilometer lang. Von weitem sieht die grüne Stahlkonstruktion aus wie ein riesiger Grashüpfer. Zwischen dem Ortsteil Vohwinkel und dem Stadion am Zoo schwebt die Bahn über der Straße. Diesen Bereich nennt man die Landstrecke oder auch Gardinenstangenstrecke, weil man den Anliegern quasi im Vorbeifahren ins Fenster gucken kann. Am Station beginnt die Wasserstrecke. Vorher geht es noch kurz über die A46, Höhe Sonnborner Kreuz, dann folgt die Gleisführung den Windungen des Flusses, bis nach Oberbarmen. An beiden Endstationen zuckelt die Bahn durch eine Wendeschleife und fährt wieder retour. Passagiere müssen allerdings vorher aussteigen.

Wie lange dauert eine Fahrt?

Eine Fahrt von Anfang bis Ende dauert etwa eine halbe Stunde und kostet 2,80 Euro, Kinder zahlen 1,60 Euro. 25 Millionen Passagiere nutzen die Bahn pro Jahr. Wer Schwebebahn fahren möchte, sollte einigermaßen schwindelfrei sein, denn die hängenden Wagen schwanken mitunter gehörig. Dennoch macht das Schweben großen Spaß – zumindest den meisten Fahrgästen. Anscheinend gar nicht gut gefallen hat es der Elefantendame Tuffi. Das Rüsseltier sollte für ein Gastspiel des Zirkus Althoff werben und wurde daher am 21. Juli 1950 in die Schwebebahn geführt. Offensichtlich war das schaukelnde Gefährt dem kleinen Dickhäuter nicht geheuer. Kaum an der Station Alter Markt in Barmen eingestiegen drückte Tuffi mit dem Hinterteil eine Tür auf und stürzte zehn Meter tief in die Wupper. Wie durch ein Wunder kam der Elefant mit dem Schrecken und einer Schramme davon.

Warum gibt es unterschiedliche Wagen?

Im täglichen Einsatz sind vor allem zwei Wagentypen: die orangefarbenen Retromodelle aus den siebziger Jahren und die himmelblaue „Generation 15“, deutlich leiser als die älteren Geschwister. Nostalgiker können im sogenannten Kaiserwagen fahren: Der weinrot und eierschalenweiß lackierte Wagen mit der Nummer 5 stammt aus dem Jahr 1900, überdauerte zwei Weltkriege und ist noch heute – sorgfältig restauriert – im Sondereinsatz bei Kaffeefahrten, Frühschoppen oder Lichtertouren. Man kann ihn auch für private Veranstaltungen mieten und sogar darin heiraten.

Woher kommt der Name „Kaiserwagen“?

In solch einem Modell ist tatsächlich der deutsche Kaiser Wilhelm II. samt Gattin Auguste Viktoria gefahren. Das Kaiserpaar reiste zur Einweihung am 24. Oktober 1900 ins Bergische Land und schwebte im eigens eingerichteten Kaiserwagen über der Wupper entlang. „Setz den Hut auf, wir fahren in die Stadt“, soll der Kaiser die Gemahlin angewiesen haben, kurz bevor die Bahn die Grenze zwischen Barmen und Elberfeld passierte. Um diese Anekdote zu verstehen muss man wissen, dass die beiden Hauptorte Wuppertals bis heute in einer ständigen Rivalität leben. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten und auch heute noch gilt Elberfeld als städtischer und weltgewandter. Ein echter Elberfelder würde nie sagen, er käme „aus Wuppertal“.

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