Verkehrsminister Winfried Hermann unterstützt die Idee, am neuen Campus in Kornwestheim einen zusätzlichen Halt der S-Bahn einzurichten. Wie groß sind die Chancen tatsächlich?
Jürgen A. Junker machte mit freundlichen Worten ein wenig Druck. „Schon lange haben wir angeregt, eine S-Bahn-Haltestelle am Campus für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzurichten. Wir würden uns freuen, wenn der Besuch des Ministers dazu beiträgt, diesen wichtigen Baustein für umweltfreundliche Arbeitsplatzkonzepte jetzt zu realisieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende laut Pressemitteilung aus dem Hause W&W. Junker hatte sich mit Vertretern aus dem Verkehrsministerium, aus der Region und der Stadt Kornwestheim dieser Tage zu einem Meinungsaustausch getroffen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Wüstenrot sieht Trendwende beim Bausparen
Offene S-Bahn-Türen rannte Junker mit seinem Wunsch bei Winfried Hermann nicht ein. Es sei nicht ganz einfach, einen S-Bahn- oder Regionalhalt zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg einzurichten, erinnerte der Minister, so schreibt es W&W, an frühere Diskussionen. Aber man sollte es gemeinsam versuchen. „Wir können den vielen Beschäftigten kaum erklären, warum beispielsweise die S-Bahnen am W&W-Campus vorbeifahren“, so Hermann. Er regte eine Projektgruppe an, „um gemeinsam mit dem Verband Region Stuttgart, den betroffenen Kommunen, aber auch der W&W-Gruppe zu prüfen, wie wir hier schnell und zielgerichtet zur Umsetzung eines Halts kommen“.
4000 neue Büroarbeitsplätze
Im kommenden Jahr will W&W seinen neuen Campus im Norden Kornwestheims komplett in Betrieb nehmen. 4000 Büroarbeitsplätze entstehen dort und sind teils bereits in Beschlag genommen worden – nicht nur für die Beschäftigten aus dem Wüstenrot-Hochhaus vis-a-vis, sondern auch aus Stuttgart, wo W&W eine große Dependance am Feuersee hat. Am neuen Campus hat das Unternehmen 2100 Stellplätze für Autos und 500 für Fahrräder gebaut.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Was wird aus dem Wüstenrot-Büroturm?
Das Busunternehmen LVL Jäger hat eine neue Linie eingerichtet, die zwischen dem Bahnhof Kornwestheim und W&W verkehrt. Die Resonanz? „Sehr überschaubar“, antwortet Frank Metzger, Betriebsleiter beim Ludwigsburger Busunternehmen. Oft, so ist zu beobachten, sitzt der Fahrer im 415er allein im Bus. Das mag, so Metzger, aber auch damit zu tun haben, dass viele Beschäftigte im Homeoffice arbeiten. Etwas besser angenommen wird die Linie 429, die von W&W zum Bahnhof Ludwigsburg und weiter nach Neckarweihingen fährt. Für beide Linien richtet die Stadt Kornwestheim im Rahmen der Neugestaltung des GdF-Knotens eine Haltestelle ein. Sollte der S-Bahn-Halt irgendwann einmal kommen, dann wird LVL den Betrieb der Linie 415 wieder einstellen. „Das wäre“, so Frank Metzger, „ein Parallelbetrieb.“ Und der rechne sich so gut wie nie.
Hürden für neue S-Bahn-Station sind hoch
Die Hürden für eine neue S-Bahn-Station zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg, das hat die Bahn in der Vergangenheit schon wissen lassen, sind hoch. Der Halt läge in einer lang gestreckten Kurve. Die Kosten sind immens hoch, was aber noch entscheidender sein dürfte: Der Fahrplan der Linien 4 (Stuttgart–Marbach–Backnang) und 5 (Stuttgart–Bietigheim-Bissingen) würde mit dem zusätzlichen Halt außer Takt geraten – und damit auch der aller anderen S-Bahn-Linien, mit denen sich die S4 und die S5 den Innenstadttunnel in Stuttgart teilt.
Im Jahr 2019 wurden an einem normalen Werktag laut Auskunft des Verbandes Region Stuttgart (VRS) in den beiden Linien zusammen rund 100 000 Fahrgäste gezählt. Nicht alle fahren auch zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg, aber Zehntausende müssten einen zusätzlichen Halt in Kauf nehmen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Der neue Campus von Wüstenrot nimmt Gestalt an
Eine Befürworterin für eine neue S-Bahn-Station hat Junker in Person von Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck. „Die kurzen Wege über den Hauptbahnhof bis zu einem potenziellen S-Bahn-Halt am W&W-Campus sehe ich als einen absoluten Gewinn, der uns als Wirtschaftsstandort attraktiv und zukunftsfähig macht“, so die OB.