Wein aus Württemberg hat seinen Preis. Doch den wollen die Verbraucher nicht immer bezahlen. Foto: dpa

Für eine Flasche Wein gibt der Kunde in Deutschland im Schnitt nur 2,15 Euro aus. Das stellt die Winzer im Land vor Probleme. Der Chef der Württemberger Weingärtner will das ändern.

Stuttgart - Für eine Flasche Wein gibt der Kunde im Schnitt nur 2,15 Euro aus. Der Chef der württembergischen Weingärtner will das ändern.

Herr Weidmann, Sie sind als Chef der Weingärtner-Zentralgenossenschaft Möglingen ein Experte für die Vermarktung des Weines aus dem Land. Ist der Württemberger Wein zu teuer?
Wir liegen im oberen Preissegment. Momentan gibt der Verbraucher in Deutschland im Schnitt 2,15 Euro für eine Flasche Wein aus. Für Württemberger Weine liegt der Durchschnittspreis bei drei Euro für einen Dreiviertelliter. Außerdem haben die Verbraucher im ersten Halbjahr 2017 vermehrt zu preisgünstigen Weinen gegriffen. Zwischen Januar und Juli haben mehr als 37 Prozent der Kunden im Supermarkt oder im Discounter Weine für unter 1,50 Euro die Flasche gekauft. Deshalb sind die Preise für Weine aus Spanien, Frankreich und Deutschland jetzt noch gefallen.
Warum wird für Wein kein Geld ausgegeben?
Das ist für mich auch ein Rätsel. In den Zeitungen liest man täglich, dass die Konsumenten überaus kaufkräftig und kauffreundlich sind. Aber für Lebensmittel und Wein geben sie ihr Geld ganz sicher nicht aus. Der Deutsche spart sich sein Geld eben gern vom Mund ab. Sobald man mehr als vier Euro für eine Flasche Wein verlangt, wird die Luft dünn. Zwischen Januar und Juli haben zwölf Prozent der Verbraucher zwischen drei und fünf Euro dafür ausgegeben und nur 1,7 Prozent mehr als fünf Euro.
Weshalb können andere Anbaugebiete ihren Wein ­billiger verkaufen als Württemberg?
Andere Anbaugebiete haben andere topografische Voraussetzungen. In Württemberg haben wir nicht nur 600 Hektar an terrassierten Steillagen, sondern überhaupt sehr viele, sehr steile Lagen. In Rheinhessen kann man dagegen mit dem Vollernter arbeiten. Das kostet die Hälfte wie bei einer Handlese, die bei uns oft notwendig ist. Ein rheinhessischer Wein ist im Schnitt für 1,96 Euro die Flasche zu haben.
Können Sie nicht mit Regionalität überzeugen?
Das sind alles Lippenbekenntnisse. Wenn die Leute vor dem Regal stehen, wird im Zweifelsfall das billigere Produkt gekauft. An diesem Verdrängungswettbewerb führt kein Weg vorbei. Die Privathaushalte decken zu 79 Prozent ihren Weinbedarf im Lebensmittelhandel, nur zehn Prozent kaufen direkt beim Erzeuger und sieben Prozent im Fachhandel. Der ­Direktverkauf nimmt auch Jahr um Jahr ab.
Württemberger trinken keinen Württemberger mehr?
In unserem Kerngebiet stehen wir sogar stärker unter Druck. Früher hatten wir mehr Überzeugungstäter. Nun ist eine Generation herangewachsen, die gerne experimentiert. Der Anteil ausländischer Weine hat deutlich zugenommen. Wir müssen außerhalb Württembergs neue Märkte akquirieren. Das ist ein zäher Prozess.
Wo verkaufen Sie den teuren Württemberger Wein dann überhaupt?
In den letzten vier Monaten des Jahres machen wir mehr als 40 Prozent unseres Umsatzes. Unsere edlen Barrique-Weine laufen vorwiegend im Weihnachtsgeschäft. Auch das ist ein Trend im Lebensmittelhandel: Zum Fest geben die Verbraucher mehr für Essen und Trinken aus.

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