Lecker: Beim Buffet darf der Teller ordentlich gefüllt werden. Aber darf man auch etwas für später einpacken? Foto: Symbolbild/AP

Ein Brötchen für später schmieren, den halben Obstkorb einpacken oder gar die Tupperdose füllen? Wir verraten Ihnen nach dem Würstchenvorfall bei Daimler, warum Sie am Buffet keine Angst haben müssen.

Stuttgart - Jeder kennt sie, diese Angst, dass die köstlichste Speise auf dem Buffet nicht mehr nachgefüllt wird. Ein Aktionär bei der Daimler-Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin befürchtete offenbar, nicht genügend der leckeren „Saitenwürschtle“ abzubekommen und packte sie kurzerhand in eine Plastikdose. Als eine andere Aktionärin das mitbekam, sprach sie ihn darauf an. Der Vorfall artete in einen Streit aus, den schließlich die Polizei schlichten musste. Doch wer hat nun richtig gehandelt an der Warmhalteschale? Darf man sich etwas mitnehmen? Oder ist es hingegen richtig, den Wurstdieb aufzuhalten, damit jeder die begehrten Saiten auf seinen Teller bekommt? Oder waren 12.500 Würstchen bei 5.500 Aktionären einfach viel zu wenig?

„Ein Puffer von 25 Prozent reicht normalerweise.“

„Ich glaube das ist eine ganz normale Portion“, meint Alexander Buck. Der Hoteldirektor des Maritim in Stuttgart kann die Rechnung gut nachvollziehen: „Wahrscheinlich haben die mit zwei Würstchen pro Person gerechnet. Und ein Puffer von 25 Prozent reicht bei einem Buffet normalerweise. Denn es gibt ja noch Brötchen oder Brezeln.“ Auch andere Faktoren fließen in die Berechnung mit ein, wie beispielsweise die Uhrzeit oder das Geschlecht der Esser. „Frauen essen oft weniger und am späten Abend essen die meisten kein Drei-Gänge-Menü mehr“, weiß Buck.

Dennoch kennt der Hotelier den Ansturm auf das Buffet: „Das Phänomen gibt es nicht nur bei Daimler, ich höre das immer mal von Aktionärsversammlungen.“ Denn meist gebe es das Buffet zum Abschluss der Veranstaltung. „Da wollen die Leute dann schnell noch etwas Essen und danach schnell nach Hause“, vermutet Buck.

Mitnehmen erlaubt, mit Unterschrift

Eine Eskalation wie bei der Hauptverhandlung komme im Tagesgeschäft des Hoteliers aber quasi nicht vor, meint Buck: „Die Menschen nehmen normalerweise nichts vom Buffet mit. Und wenn sie das tun, bitten wir sie eine Verzichtserklärung zu unterschreiben.“ So sichert sich das Hotel für den Fall ab, dass sich der Gast den Magen verdirbt, wenn er das Vesper beispielsweise falsch gelagert hat. „Deswegen würden wir einen Gast dann auch ansprechen, wenn er sich etwas mitnimmt“, erklärt Buck.

Zumindest im Hotel könne er aber alle Hotelgäste beruhigen, die sich immer davor fürchten, dass etwas am Buffet ausgehen könnte. „Kein Hotel erlaubt es sich, dass die Gäste hungrig nach Hause gehen“, meint der Fachmann. Bevor also Hungrige das nächste mal die Brotdose zücken, gibt es auch die Möglichkeit, beim Restaurant um eine Extra-Portion zu bitten. Bei Daimler denken sie über den Vorfall nach. Aufsichtsratschef Bischoff droht an: „Entweder wir brauchen mehr Würstchen oder wir schaffen die Würstchen ganz ab.“

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