Dass Fernwärmekunden Angst vor ihrer Heizkostenabrechnung haben müssen, ist nicht tragbar. Fairen Preisen steht die Politik meist selbst im Weg, meint unser Autor Jonas Schöll.
Sie gilt als Hoffnungsträgerin der Wärmewende: die Fernwärme. Warum das so ist, leuchtet schnell ein: Schließlich ermöglicht sie einen Beitrag zum klimafreundlichen Heizen, weil dabei ohnehin anfallende Abwärme aus Industrie und Gewerbe genutzt wird. Dass die Bundesregierung die Fernwärme als Heizart der Zukunft verkauft, ist plausibel: Sie ist sicherer und sauberer als Öl und Gas – und dazu billiger.
Doch die Realität sieht aktuell ganz anders aus. Dass sich viele Kunden vor horrenden Heizkostenabrechnungen fürchten müssen, ist nicht tragbar. Der Fernwärmemarkt ist wie eine Blackbox: Wer sich heute an ein solches Netz anschließen lässt, weiß nicht, wie hoch die Rechnung künftig sein wird.
Die Probleme liegen im System: Innerhalb eines Postleitzahlengebietes gibt es, wenn überhaupt, nur einen einzigen Anbieter. Diesem sind die Kunden ausgeliefert, dazu werden Verträge meist über eine lange Zeit geschlossen. Zu einem besseren Angebot wechseln? Fehlanzeige. Und mehrere Netze zu bauen, wäre unwirtschaftlich.
Deshalb muss die Regierung der Monopolstellung der Versorger dringend Einhalt gebieten. Das stärkste Instrument wäre eine bundesweite Preisaufsicht durch eine unabhängige Stelle. Zudem braucht es dringend ein Wärmenetzregister bei einer Bundesbehörde, das die Preise aller Fernwärmenetze aufführt und eine darauf aufbauende Wärmenetzkarte.
Der Ansatz des Bundeswirtschaftsministeriums, mehr Transparenz zu schaffen, ist richtig – aber ein schwieriges Unterfangen. Denn dass der Markt so schlecht reguliert ist, hat auch einen politischen Grund: Wenn der Bund in der Vergangenheit versucht hat, etwas zu verändern, ist der Vorstoß meist im Bundesrat gescheitert. Denn viele Fernwärmebetreiber sind Stadtwerke, sprich in kommunaler Hand. Und die brauchen das Geld der Fernwärme dringend – etwa um den defizitären öffentlichen Nahverkehr oder das teure neue Schwimmbad zu finanzieren.