Aufnahmen aus der „HMS Terror“ zeigen unter anderem Betten und Tische Regale mit Porzellan und Glasflaschen in der Offiziersmesse und Messgeräte. Foto: AFP

Die Entdeckung der Wracks „HMS Erebus“ und HMS Terror“ aus der legendären Polarexpedition von John Franklin war eine Sensation. Nun haben Taucher die „HMS Terror“ in den Tiefen der Arktis erkundet. Sie hoffen, das Logbuch des Kapitäns zu finden, um die Geheimnisse um das Schicksal der „HMS Terror“ zu lüften.

New York/Montreal - Mehr als 170 Jahre nach der legendären Franklin-Expedition zur Erkundung der Nordwestpassage durch die Arktis hoffen Wissenschaftler auf Hinweise darauf, was genau mit den Schiffen des britischen Entdeckers John Franklin geschehen ist.

Die kanadische Nationalparkverwaltung veröffentlichte jetzt Aufnahmen, die Taucher jetzt bei einer ersten Erkundung im Inneren des gesunkenen Schiffes „HMS Terror“ gemacht haben.

1845: Franklin-Expedition in die Arktis

Die Schiffe „HMS Terror“ und „HMS Erebus“ gehörten zur Franklin-Expedition, die 1845 in Großbritannien aufbrach, um die Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik zu finden.

Im August des selben Jahres segelten sie in der kanadischen Baffin Bay an zwei Walfangbooten vorbei – und wurden danach nie wieder gesehen.

Das Wrack der „Erebus“ wurde schließlich 2014 in der Victoria-Straße entdeckt. Die „Terror“ wurde zwei Jahre später in 24 Metern Tiefe in einer Bucht vor King William Island gefunden, die heute als Terror Bay bekannt ist.

Sieben Tage an Bord der „HMS Terror“

Unterwasserarchäologen verbrachten jetzt sieben Tage damit, das Wrack der „Terror“ zu erkunden. Bei ihren Tauchexpeditionen drangen sie erstmals in das Unterdeck des Schiffes vor – und fanden es erstaunlich gut erhalten.

Das Schiff liege aufrecht am Meeresboden, kein Anker sei ausgeworfen, berichtete Projektleiter Ryan Harris. Alles deute darauf hin, dass das Schiff unerwartet gesunken und „sehr, sehr schnell verlassen“ worden sei.

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Schlafkoje, Betten, Regale im Unterdeck

Die Forscher konnten mehr als 90 Prozent des Unterdecks untersuchen. Nur das Schlafquartier von Kapitän Francis Crozier blieb wegen einer verschlossenen Tür für die Taucher und einen Tauchroboter unerreichbar.

In Croziers Kabine stehen noch sein Schreibtisch und Kartenschränke sowie Kästen, die möglicherweise Aufzeichnungen oder sogar das Logbuch enthalten könnten. Dank der Sedimente im kalten Polarwasser und des geringen Sauerstoffgehalts bleibe organisches Material wie etwa Papier sehr gut erhalten, erklärten die Forscher.

„Schriftstücke könnten ein Licht darauf werfen, was passiert ist – die Chronologie der Ereignisse, wann sich die beiden Schiffe trennten und wie sie dahin kamen, wo sie schließlich verlassen gefunden wurden“, sagte Projektleiter Harris. Die Aussicht, die Geheimnisse um das Schicksal der „Terror“ zu lüften, sei „sehr spannend“. Die Forscher wollen ihre Untersuchungen im kommenden Sommer fortsetzen.

Aufnahmen aus dem Schiff zeigen unter anderem Betten und Tische, Regale mit Porzellan und Glasflaschen in der Offiziersmesse und Messgeräte.

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Schiffe blieben 1848 im Packeis stecken

Erst 14 Jahre nach dem Aufbruch der Schiffe zu der Polarexpedition fand die Besatzung eines von Franklins Witwe Lady Jane gecharterten Schiffes auf King William Island eine handgeschriebene Nachricht. Franklin und 23 Besatzungsmitglieder starben demnach bereits am 11. Juni 1847 unter nicht näher genannten Umständen.

Die Schiffe blieben dann offenbar am 22. April 1848 im Packeis stecken und wurden von den übrigen 105 Besatzungsmitgliedern zu Fuß über das Eis verlassen. Niemand überlebte. Die Untersuchung der später gefundenen Überreste einiger Expeditionsmitglieder deuten nach Angaben kanadischer Wissenschaftler darauf hin, dass sie an den Folgen von Kälte, Hunger und Bleivergiftung durch bleihaltige Konservendosen starben.

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