Rot, grün, gelb oder im gestreiften Tigerlook: die Tomate kommt in ganz verschiedenen Outfits daher Foto: Gottfried Stoppel

Mehr als 20 Sorten des Nachtschattengewächses gedeihen im Gewächshaus der Gärtnerei Wahl in Sulzbach an der Murr. Das Landwirtschaftsamt hat zu einem Rundgang durch den Betrieb geladen.

Sulzbach - Am liebsten pur, nur mit etwas Salz, Pfeffer, Essig und Öl gewürzt – so schmeckt eine gute Tomate am besten, findet Christoph Wahl. Trotzdem geht es in der Salatschüssel der Familie Wahl regelmäßig ziemlich bunt zu, denn die Sulzbacher Gärtnerei baut derzeit 21 verschiedene Tomatensorten in ihrem Gewächshaus an. Die Pflanzen tragen rote, gelbe, orangefarbene oder gar grüne gestreifte Früchte, manche sind gerade mal so groß wie eine Herzkirsche, andere bringen wie das französische Ochsenherz mehrere hundert Gramm auf die Waage. Eines aber sei allen gemeinsam, sagt Christoph Wahl: „Sie haben einen guten Geschmack.“

Von zuckersüß bis säuerlich

Davon haben sich am Samstag 30 Teilnehmer eines Kurses überzeugt, zu dem das Landwirtschaftsamt des Rems-Murr-Kreises in den Gärtnereibetrieb nach Sulzbach eingeladen hatte. „Faszination Tomate – Dem Aroma auf der Spur“ hieß der Workshop mit Christa Schumacher, zu dem ein Rundgang durch die Gewächshäuser, eine Verkostung und ein Mini-Kochkurs im Anschluss gehörten.

Zuckersüß oder leicht säuerlich, mit Apfel- oder Melonengeschmack, weicher oder harter Schale – was die Geschmacksvielfalt angeht, können Tomaten problemlos mit Äpfeln mithalten. Besonders beliebt bei der Kundschaft seien die kleinen Sorten, ob sie nun Nugget, Rubin Pearl oder Zebratomate heißen, erklärt Christoph Wahl. Allerdings: „Lagerfähig sind sie alle nicht.“ Nach drei, maximal vier Tagen fangen die Tomaten an zu schrumpeln. So macht es Sinn, öfter kleinere Mengen einzukaufen – oder einige Pflanzen anzuschaffen und zuhause nach Bedarf extra frisch zu ernten. So hält es auch der Workshop-Teilnehmer Hans Schiefer aus Auenwald, der sich mit den verschiedenen Sorten bestens auskennt. Ums Haus hegt er rund 200 Tomatensträucher. „Es gibt nichts besseres als Tomatensalat“, sagt Hans Schiefer voller Überzeugung. Tomaten kaufen? „Das mache ich nur im allergrößten Notfall.“

Raubmilbe hält Thripse in Schach

Im Gewächshaus der Familie Wahl wuchert es dieser Tage üppig grün. An den Sträuchern hängen Papierbeutelchen, deren Millimeter kleine Bewohner, Raubmilben, den Gärtnern dabei helfen, einen gefürchteten Schädling, die Thripse, in Schach zu halten. So richtig groß sei die Ausbeute an reifen Tomaten in der vergangenen Woche nicht gewesen, bedauert Christoph Wahl und nennt auch gleich den Grund dafür: „Die Nächte waren zu kalt.“ Denn die Tomate liebt das, was für die meisten Menschen eine Qual ist: Tropennächte mit einer Temperatur von mindestens 20 Grad Celsius. Das gilt übrigens auch für die Zeit nach der Ernte, sagt Christa Schumacher: „Stecken Sie Tomaten bloß nie in den Kühlschrank!“

Wärme, Licht und ausreichend Platz sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass gesunde und aromatische Tomaten am Strauch hängen. Viele Hobbygärtner setzten die Pflanzen zu dicht, sagt Christoph Wahl: „50 Zentimeter Abstand zur nächsten Pflanze sollten schon sein.“ Auch beobachtet der Fachmann, dass die Kundschaft von Jahr zu Jahr früher in seinem Laden steht und nach Pflanzen zum Setzen fragt. „Es reicht aber wirklich noch gut, wenn man im Mai pflanzt.“

Selbermachen liegt wieder im Trend

Acht Wochen dauere es normalerweise vom Pflanzen bis zur Ernte, sagt Christoph Wahl, der seit sechs Jahren verstärkt auf den Anbau des Nachtschattengewächses setzt. Bei ihm wachsen die Pflanzen noch ganz traditionell in Erde, andere Betriebe setzen hingegen auf Glaswolle oder Kokosfasern. Seine Großeltern haben ihr Geld noch mit der Zucht von Nelken verdient – so ändern sich die Zeiten.

Und doch wird manches wieder trendy, was zu Großmutters Zeit ganz normal und lebensnotwendig war. Zum Beispiel der Gemüseanbau im eigenen Garten. „Etwas mit den Händen machen, im Garten arbeiten oder selbst etwas herstellen, liegt im Trend“, sagt Christa Schumacher.

Rezept für Tomaten Bruschetta

Zutaten
Ein altbackenes Brot, 250 Gramm Tomaten, zwei Esslöffel Olivenöl, eine Knoblauchzehe, acht Basilikumblätter, Salz und Pfeffer.

Zubereitung
Brot in Scheiben schneiden und toasten. Tomaten waschen und würfeln. Knoblauch schälen und fein schneiden, mit Tomaten in eine Schüssel geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Basilikum klein schneiden und zu den Tomaten geben. Die Masse mit einem Esslöffel auf die Brotscheiben geben und servieren.

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