Zeichenübungen im Graffiti-Workshop: Danach geht es an die Dose. Foto: Amelie Otto

Schüler der Rilke-Realschule setzen Rilkes Leben und Wirken künstlerisch um: Deutsch ohne Noten. Am 29. März werden die Ergebnisse im Jugendhaus präsentiert, am 3. April im Haus der Heimat Baden-Württemberg.

Rot/Zuffenhausen - In lockerer Atmosphäre, ohne Lehrer und ohne Noten geht es zur Sache: Seit Anfang Januar kommen Sechst- und Achtklässler der Rilke-Realschule einmal wöchentlich ins Jugendhaus Zuffenhausen, um sich in vier Workshops mit dem Leben und Werk des Namensgebers ihrer Schule auseinanderzusetzen: Rilke rappen, Rilke tanzen, Rilke sprayen, Rilke filmen.

„Was sagt Rilke den Jugendlichen?“

„Mit diesen Methoden sollen die Schüler aus dem sperrigen Thema etwas produzieren, das Jugendliche anspricht“, sagt Diane Dingeldein vom Haus der Heimat Baden-Württemberg. Dort eröffnet am 6. Februar die Ausstellung „Innere Landschaften – Rainer Maria Rilke und seine Welt in der Fotografie“. Ergänzend dazu organisiert das Haus der Heimat gemeinsam mit der Jugendkulturakademie des Jugendhauses Zuffenhausen das Projekt „Rilke-Reloaded“. „Was sagt Rilke den Jugendlichen? Was bedeutet er ihnen heute noch?“ Das sind laut Anke Sattel von der Pressestelle des Hauses der Heimat Fragen, die während der Veranstaltungsplanungen aufgekommen sind. Dingeldein habe gezielt nach einer Rilke-Schule gesucht. In Rot ist sie fündig geworden. „Zufällig haben wir dann in der Nähe das Jugendhaus Zuffenhausen entdeckt, das uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Außerdem hat es ein großes Netzwerk und konnte uns bei der Suche nach Workshop-Leitern helfen“, sagt Dingeldein. Der Rapper Lucas Pinnow alias „Elpee“ ist einer von ihnen. „Für mich war es nahe liegend, dass wir uns in der Gruppe ein Gedicht aussuchen, in unserer Sprache ausdrücken und neu schreiben. Dann überlegen wir uns einen Refrain, gehen ins Studio und machen einen Rap-Song daraus.“ Er sei überrascht gewesen, was die Jugendlichen in Rilkes Versen lesen.

„Nase96“ heißt eigentlich Tobias Küspert, ist Graffiti-Künstler und zurzeit Leiter beim Jugendprojekt: „Es ist eine Herausforderung, Rilke mit Graffiti zu verbinden.“ Er möchte den Jugendlichen vorerst ein Gefühl dafür vermitteln, wie man Buchstaben verändern kann, indem man abstrahiert oder Elemente dranhängt. Vor allem einen Aspekt der Kunst will er weitergeben: „Sie ist frei. Letztendlich dürfen die Jugendlichen frei malen und zeichnen. Es ist interessant, was dabei entsteht. Bis jetzt hatte ich nach jeder Stunde ein Ergebnis.“

Bezug zur Modernität herstellen

Die Entwicklungen und Ergebnisse hält das Film-Team in verschiedenen Mini-Dokumentationen fest. Der freischaffende Filmemacher Denis Pavlovic kam über Graffiti-Künstler Tobias zu seiner Rolle als Leiter des Film-Workshops. „Am Anfang war es etwas schwierig, weil die Jugendlichen keine Dokumentationen kennen. Aber als ich die Kameras ausgepackt habe, waren sie voll dabei.“ Zusätzlich zu den Beiträgen solle es noch einen Film mit einer Story-Line aus Rilkes Leben geben und einen Trickfilm. „Diese Idee ist erst im Laufe des Projekts entstanden.“

„Warum ist Rilke eigentlich nichts eingefallen?“, fragt eine Schülerin im Tanz-Workshop. Die Künstlerinnen Eva-Maria Natzke und Sandra Muller haben Rilkes zwölfjährige Schaffenskrise in den Mittelpunkt ihrer Arbeitsgruppe gestellt. „Es gibt keinen Künstler, der das nicht kennt. Die Medien sind heute voller Krisen von Stars. Ich möchte immer einen Bezug zur Modernität herstellen“, sagt Natzke. Die Künstlerin übt mit den Mädchen gerade den richtigen Ausdruck für die Choreografie. „Rilkes Krise muss man in Tanz, Mimik und Körpersprache sehen“, erklärt sie den Schülerinnen. Die Achtklässlerin Jessica ist froh, dass sie im Workshop nicht unzählige Gedichte lesen müssen. „Wir wussten natürlich schon vorher, wer Rilke war. Jetzt kennen wir ihn aber besser.“

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