Ein Verunglückter wird auf einer Trage versorgt: Kinder und Jugendliche wurden in Ditzingen in erster Hilfe aus- und weitergebildet. Foto: Simon Granville

Bei einem Event am Wochenende trainieren Kinder und Jugendliche aus ganz Baden-Württemberg Erste Hilfe. Sehr realitätsnah bereiten sie sich auf den Notfall vor.

In der Realschule in der Glemsaue herrschte am Wochenende lebhafte Betriebsamkeit: Rund 150 Kinder und Jugendliche der Johanniter- und der Malteser-Jugend aus ganz Baden-Württemberg bildeten sich am Samstag in Workshops unter Anleitung von rund 50 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern weiter. In erster Hilfe und in vielen anderen Bereichen – wie sie etwa bei Sportverletzungen helfen können, oder was sie beim Transport von Verletzten beachten müssen. Mit dabei waren auch Jugendliche von den Schulsanitätsdiensten, die von den beiden Organisationen betreut werden.

 

Es ist eine Situation, wie sie im Schulalltag vorkommen kann: Ein Schüler kippelt auf seinem Stuhl und fällt um. Er liegt auf dem Boden und klagt über Schmerzen vom Kopf bis zum unteren Rücken. Was tun? Wird in einem solchen Fall in der Realität wohl der Rettungsdienst gerufen, müssen im Workshop „Immobilisation, Tragen & Co.“ die Jugendlichen selbst mitanpacken. Valentina, Laura, Stella und Joylin von der Ditzinger Realschule sollen den Verunglückten auf eine Trage hieven, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Die Jugendlichen machen seit Kurzem beim Schulsanitätsdienst, kurz SSD, mit. „Wir wollen wissen, wie wir in Notfall handeln müssen“, erklären sie ihre Motivation. „Wir können Erste Hilfe leisten“, sagt eine andere, und eine möchte vielleicht eine Ausbildung „in diese Richtung machen“. Ihr Schulkamerad Romeo ist sich da schon sicher. „Notfallsanitäter ist mein Traumberuf“, sagt der 14-Jährige.

Die Schüler beim Ditzinger Schulsanitätsdienst haben sogar ein Diensthandy

Mit ihrem Schulleiter haben die Ditzinger Realschüler ein starkes Vorbild. Karel Adamec ist ausgebildeter Notfallsanitäter und in seiner Freizeit im Johanniter-Rettungsdienst aktiv. Die angehenden Schulsanitäter an der Realschule unterrichte er selbst in erster Hilfe, erzählt er. Derzeit sind 22 Schülerinnen und Schüler ab Klasse acht beim SSD engagiert. Sie haben während des Schultages sogar ein Diensthandy, über das sie alarmiert werden können.

Es soll ja realistisch sein: Die dramatisch aussehende Wunde am Arm ist geschminkt. Foto: Simon Granville

„Es gibt viel mehr Schulen, die uns anfragen, sie beim Schulsanitätsdienst zu unterstützen, als wir mit unseren Ehrenamtlichen abdecken können“, erklären Matthias Michel, Sprecher der Malteser-Jugend im Land, und Eva Hanko, die Leiterin der Johanniterjugend. An 64 Schulen betreuen derzeit die Johanniter den SSD, an 57 Schulen die Malteser. Oft sind auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und weitere Hilfsorganisationen mit von der Partie. „Die Schüler sind wissbegierig und die Ausbildung macht ihnen richtig Spaß.“ Und noch einen Vorteil für die Schüler hat dieses Engagement: Es kann positiv im Zeugnis vermerkt werden.

Die Verletzungen sind nur geschminkt, sehen aber sehr echt aus

In den Räumen des Schulzentrums in der Glemsaue gehen die Workshops weiter. Zwischen Lilly und Charlotte aus Oberkochen sitzt Mitschülerin Amani mit einer übel aussehenden Wunde auf dem Arm. Keine Panik: Die Jugendlichen haben sich im Kurs „Realistische Unfalldarstellung“ die Verletzungen geschminkt, wie sie real aussehen könnten. Die drei Mädchen aus dem Ostalbkreis erzählen von ihrer Schule, in der es viele Treppen gebe, Schüler beim Rennen schon einmal hinfielen und sich auch verletzten. „Auf dieses Workshop-Wochenende freut man sich das ganze Jahr“, sagt die 13-jährige Charlotte strahlend.

Bis sie am Kurs „Funktionelle Anatomie“ teilnehmen darf, muss sie noch warten, das Mindestalter dafür ist 16 Jahre. Unter Anleitung eines Arztes wird untersucht, wie Herz und Lunge aussehen und funktionieren. Dazu werden Originalpräparate von Schweinen genutzt. „Das ist einer der beliebtesten Workshops“, erklärt Mitorganisatorin Lara Windschnurer vom Malteser Hilfsdienst.

Neben den zahlreichen Kursen wie erste Hilfe für Anfänger/innen ab sechs Jahren, Notfälle im Schulsanitätsdienst-Alltag, Kindernotfälle oder Einblicke in den Rettungsdienst für ältere Jugendliche, gab es am Sonntag eine große Notfallübung. Dana Wenzel von der Malteser-Jugend zum Szenario: Nach einer Explosion im Chemieraum bricht eine Massenpanik aus, es kommt zu Unfällen mit 40 Verletzten. In Zweier-Teams wurden die jugendlichen Helfer zu den Verletzten geführt: Lage einschätzen, Puls und Blutdruck messen, Wunden versorgen und entscheiden, wie die Patienten weiter behandelt werden. Im Freien warteten dann Ehrenamtliche der beiden Hilfsorganisationen mit Rettungsfahrzeugen. Ebenso war, wie in einem echten Notfall, ein Kriseninterventionsteam dabei. Zwei aufregende Tage für die Jugendlichen, die sich die Hilfe für andere auf die Fahnen geschrieben haben.