Lara Urban ist eine Stuttgarter Künstlerin und veranstaltet unter ihrem Label kuenstler.leben kreative Workshops. Foto: privat

Lara Urban (27) sprüht vor Ideen und Lebensmut. Mit Kuenstler.leben hat sie einen kreativen Safe Space geschaffen – doch ihr Leben ist heute ein anderes als noch vor einem Jahr.

Über 1000 kreative Ideen hat Lara Urban in ihrem Kopf. All diese auf einmal umzusetzen? Das sei unmöglich. Deshalb arbeite die 27-Jährige ihre Projekte nacheinander ab. Schon seit ihrer Schulzeit begeistert sich die Künstlerin, die ursprünglich aus der Nähe von Tübingen kommt, für alles, was mit Kreativität zu tun hat. Im Abi, während ihres Studiums oder nebenbei – Kunst und Kreativität gehören zu Lara.

 

Eigene Produkte in kleinen Stuttgarter Läden und auf Etsy

Wenn sie von ihrem kleinen Unternehmen und ihren Produkten spricht, ist ihre Begeisterung für kreatives Arbeiten deutlich spürbar. Bereits im Jahr 2021 hat die Sozialarbeiterin, mit der Zusatzqualifikation Kunstpädagogik, ihr Label gegründet. „Kuenstler.leben“ nennt sie sich und ihren kreativen Safe Space. Ihre Produkte bietet sie auf der Online-Plattform Etsy, in kleinen Stuttgarter Läden (zum Beispiel bei hello.ginger oder Pausa) oder auf der ganz neuen eigenen Homepage an. Außerdem ist sie auch auf verschiedenen Kunst-und-Design-Märkten unterwegs. Ihr Unternehmen führt sie primär allein, allerdings wird sie immer wieder von ihrem Partner sowie ihren Freunden und ihrer Familie unterstützt. Derzeit arbeitet sie an der ersten Ausgabe ihres gesellschaftlichen Magazins „unbequem“, das im April oder Mai erscheinen soll.

Auf die Idee, auch Workshops anzubieten, ist sie durch ihre Weiterbildung als Kunsttherapeutin gekommen, die sie gerade neben ihrem Teilzeitjob als Sozialarbeiterin macht. „Ich mag es, Menschen mit meiner Kreativität zu begeistern“, erzählt die 27-Jährige, die sich seit drei Jahren in Stuttgart heimisch fühlt. Das Besondere an Kunsttherapie sei ihrer Ansicht nach, dass Kunst hier nicht an Leistung oder Bewertung geknüpft ist, sondern es sich ausschließlich um einen kreativen Prozess handle.

Kunst meets Matcha

Für ihre Workshops geht sie immer wieder verschiedene Kooperationen ein, wie beispielsweise mit Sendo.Matcha für den Workshop am 22. Januar im neuen Matcha-Pop-Up-Store in der Gelateria Kaiserbau. Hier treffen Lineart und Aquarell auf Matcha. Der Plan für diesen Abend: Skylines von Städten malen und dabei den einen oder anderen Matcha genießen. Für spontane Entscheider:innen ist es kein Problem, sich auch noch am Tag der Veranstaltung für den Workshop auf Instagram unter kuenstler.leben oder sendo.matcha oder auch direkt im Matcha-Pop-Up-Store anzumelden.

Aus der Bahn geworfen

Wie die Kunst gehört auch heute ihre Krebserkrankung, die sie als Person stark geprägt hat, zu ihrem Leben. Anfang 2025: Lara hatte gerade einen neuen Job angefangen und stand kurz davor, ihre Weiterbildung als Kunsttherapeutin zu beginnen – als ihr Leben plötzlich komplett aus der Bahn geworfen wurde. Sie erhielt die Diagnose „Hodgkin Lymphom“ – Krebs an den Lymphen, nahe des Schlüsselbeins. „Plötzlich war mein Leben nicht mehr das, was es einmal war“, erzählt sie von der Verdachtsdiagnose, die sie am Telefon erhielt. „Es war alles sehr schwer greifbar und komplett surreal.“

Da der Krebs nicht operativ entfernt werden konnte, entschied sie sich für eine Methode, die Teil einer Studie war: Mittels einer Immuntherapie sollte der Krebs vernichtet werden. „Mein Arzt erklärte mir, dass die Immuntherapie allein mit einer 50:50-Chance ausreichen würde, um den Krebs zu bekämpfen.“ Doch Lara hatte Glück: Die Immuntherapie zeigte die erhoffte Wirkung, sodass Lara keine Chemo mehr benötigte, um heute krebsfrei zu sein. „Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber im Nachhinein habe ich die beste Krebsform erwischt“, meint die Künstlerin.

Trotz allem sei sie immer zuversichtlich geblieben und habe durch Yoga, Sport, Ernährung und Kreativität während der schweren Zeit ihre innere Balance gefunden. Sie habe neue Projekte entwickelt, wieder mehr gemalt und auf diese Weise vieles verarbeitet.

Eine neue Illustration von Lara Urban. Foto: Lara Urban

„Heute bin ich viel stärker“

Die Erkrankung prägt sie auch noch ein Jahr später: „Durch meine Krankheit schätze ich die kleinen Dinge mehr und schiebe Sachen nicht auf die lange Bank. Außerdem weiß ich, was mir wirklich wichtig ist, und habe das Gefühl ich lebe mein Leben.“ Mit diesem Gedankengang erfüllt sie sich zusammen mit ihrem Freund nun den Traum von einer zweimonatigen Indienreise, auf der sie unter anderem eine Yoga-Ausbildung machen wird.

Viele Menschen würden denken, wenn eine Krebserkrankung überstanden ist, gehe es wieder so weiter wie zuvor – aber das stimme nicht. „Die Lara von davor gibt es nicht mehr“, weiß sie und sagt überzeugt: „Heute bin ich viel stärker.“ Ihrer Ansicht nach, halte das Leben immer wieder Herausforderungen bereit, auch solche, die nicht so cool sind. „Daraus sollte man dann das Beste machen“, sagt sie und verrät ihr Lebensmotto: „Go for it, auch wenn es Angst macht.“