Workshop für Frauen im Stuttgarter Norden Der Kampf gegen die Selbstwerträuber

Von Elke Rutschmann 

Coach und Buch-Autorin  Carmen Kauffmann lehrt in der Akademie. Foto: Elke Rutschmann
Coach und Buch-Autorin Carmen Kauffmann lehrt in der Akademie. Foto: Elke Rutschmann

Die neu gegründete Akademie für Frauen in Führung will Frauen mehr Selbstsicherheit einflößen.

Stuttgart - Frauen machen sich gerne klein, bezichtigen sich der Unfähigkeit für vieles, egal, wie erfolgreich sie auch sind – auch und gerade in Führungspositionen. Sie reden sich ein, es nicht verdient zu haben, dass ein Irrtum vorliege, haben Angst, aufzufliegen und überführt zu werden. Man spricht vom Hochstapel-Syndrom. Darunter hat auch die Facebook Geschäftsführerin Sheryl Sandberg gelitten.

Das Hochstapler-Syndrom steht beispielhaft für nur einen von vielen Selbstwerträubern mit denen Frauen zu kämpfen haben, die sich in einem männlich dominierten Umfeld durchsetzen wollen. Deshalb steht das Thema Selbstwertgefühl im Mittelpunkt des Seminars „Selbst.sicher.Macht.spielen“, das Carmen Kauffmann und Kirsten Ecke von der neuen Akademie für Frauen in Führung angeboten wird.

In den angenehmen Räumlichkeiten im Stuttgarter Norden erwartet die sieben Teilnehmerinnen ein zweitägiges Bootcamp, in dem die Frauen einen sportlichen Ehrgeiz entwickeln sollen, um sich im Spiel um Macht, Erfolg und Einfluss zu behaupten. Der Workshop kostet 495 Euro, ist auf eine Teilnehmerzahl von zwölf beschränkt und richtet sich an Frauen, die schon in einer Führungsposition sind, sich aber noch nicht sicher auf diesem Terrain bewegen können. „Es geht auch darum, dass Frauen ein Gefühl dafür entwickeln, zu zeigen was sie können oder im Fall des Hochstapler-Syndroms Gegenstrategien zu entwickeln“, sagt Carmen Kauffmann. Stück für Stück sollen störende Glaubenssätze oder negative Denkgewohnheiten aufgelöst werden, die bei vielen Frauen tief verankert seien, weil sie früh festgelegt worden seien und lange nachwirkten. Carmen Kauffmann nennt das Beispiel des Poesiealbums, in dem sich Frauen meist in möglichst bescheidenen Versen verewigt hätten. „Voraussetzung für erfolgreiches Coaching ist deshalb auch die Bereitschaft, bisherige Verhaltensmuster und Lebensüberzeugungen zu überdenken“, sagt Carmen Kauffmann.

Workshop vermittelt Techniken, um Blockaden zu lösen

Die 49-Jährige studierte Verwaltungswissenschaften (FH), Rhetorik und Empirische Kulturwissenschaften. Sie verfügt über diverse Trainerausbildungen und seit 1995 arbeitet sie als systemische Beraterin und Coach mit den Schwerpunkten Kommunikation und Verhandlung, Persönlichkeitsentwicklung und Führung. Sie hat zwei Bücher mit den Titeln „Sich durchsetzen“ sowie „Diplomatie im Alltag“ geschrieben. Bei dem Intensivworkshop deckt sie die Präsentationstraining und Aspekte aus der Argumentationslehre ab.

Ihre Partnerin in der Akademie Kirsten Ecke ist Harfenistin, Professorin an der Hochschule für Musik in Freiburg und Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Performancetraining. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Kirchzarten. Ecke gibt den Teilnehmerinnen Techniken an die Hand, wie sie an ihren Bremsen und Blockaden arbeiten und hilft dabei, den individuellen Auftrittsstil zu optimieren.

„Wir arbeiten in unserem Workshop mit dem von Michael Bohne entwickelten Embodiment fokussierten Psychologie (PEP)“, sagt Carmen Kauffmann. Werte, Beziehungsmuster und Glaubenssätze sitzen im Vorderhirn. Für die dort verorteten „Kopfprobleme“ habe Bohne folgende Big-5-Lösungsblockaden entwickelt: Während einer Klopftechnik-Sitzung ruft sich die Frau das Thema ins Bewusstsein, um das es ihr geht und das behandelt werden soll. Das löst Stress aus und man klopft auf verschiedene Stellen des Körpers, dabei werden Augenbewegungen gemacht und gesummt und Reize ins Gehirn gesendet. Damit soll die im Kopf eingerastete Stress-Spirale durchbrochen werden. Diese Methode soll auch gegen Lampenfieber vor einer wichtigen Präsentation und bei der Überwindung von Selbstzweifeln helfen.

Im Bootcamp der Akademie geht es zudem darum Machtspielchen zu durchschauen, das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern und eigene Stärken und Erfolge bewusst in Szene zu setzen. „Und es ist wichtig, dass Frauen ein Bewusstsein für Netzwerke entwickeln“, sagt Carmen Kauffmann. Bis 2019 will das Duo dann auch regelmäßige Curricula anbieten.

Redaktion Stuttgart-Nord

Ansprechpartnerin
Dr. Eva Funke
s-nord@stz.zgs.de

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