Debi, Jana und Nathalie haben beim Workshop mitgemacht. Foto: Nina Ayerle

Fremde Menschen anzusprechen und nach ihrer Meinung zu fragen, bedeutet einige Überwindung. Das haben Schüler der Werkrealschule Ostheim auf einem zweitägigen Radio-Workshop gelernt.

S-Ost - Fremde Leute ansprechen und mit ihnen reden, das mag die 15-jährige Giwa Kasem eigentlich nicht so gerne. Bisher habe sie sich das nie getraut, erzählt die Werkrealschülerin. Für einen Radioworkshop, den die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg (LKJ) an der Grund- und Werkrealschule Ostheim abgehalten hat, musste die Schülerin aber ihren ganzen Mut zusammen nehmen. Denn bereits am ersten Tag des zweitägigen Workshops schickte LKJ-Medienreferent Albrecht Ackermann die Schüler los zur Umfrage. „Aber jetzt kann ich das. Mit fremden Menschen reden“, sagt Giwa stolz. Sie hat die Menschen nach deren Meinung über die Videoplattform Youtube gefragt. „Auch wenn die Leute nein gesagt haben, haben wir uns nicht unterkriegen lassen“, erzählt sie. Das habe ihr neues Selbstvertrauen gegeben.

Zwei Tage lang hatte sich das Klassenzimmer der 8a der Grund- und Werkrealschule Ostheim in der Landhausstraße 117 in eine Radioredaktion verwandelt. Vom „User zum Producer“ heißt der Schüler-Workshop, den Ackermann zehn bis zwölf Mal im Jahr an Schulen in ganz Baden- Württemberg durchführt. Ideal sei der Radio-Workshop ab der achten Klasse, sagt Ackermann. „Relativ gute Computerkenntnisse sind die Voraussetzung“, ergänzt er. Von den Schularten her gebe es jedoch keine Einschränkung, vom Gymnasium bis zur Förderschule sei alles dabei.

Das bietet den Jugendlichen die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Mediums Radio zu schauen. Zudem sollen sie selbst Kompetenzen zur Gestaltung und Beurteilung von Radiobeiträgen entwickeln. „Die Jugendlichen sollen von ihrem bisherigen Konsumverhalten weg“, sagt Ackermann. Oft laufe das Radio nur noch im Hintergrund, gerade Jugendsender böten keine journalistischen Beiträge mehr. Deshalb lernten die Schüler bei ihm, wie ein Moderator arbeitet, wie beim Radio die Geschichten gemacht werden und wie sie selbst einen Beitrag zusammenstellen inklusive Recherche, Schneiden und Überarbeiten. Wenn es in einer Gruppe gut läuft, dann entstehen am Ende richtige Radio-Beiträge mit O-Tönen und eigenem Text. „Das ist schon was ganz anderes als einen Deutschaufsatz oder einen Zeitungstext zu schreiben“, sagt Ackermann. Die Schüler merkten dann oft, dass es nicht so einfach ist, bis ein Beitrag interessant klingt.

Zwei Tage arbeitete Ackermann mit den rund 20 Schülern zusammen. Nach der Einführung sind die Schüler auf eigene Faust losgezogen, um ihre O-Töne zu ihren gewählten Themen zu suchen. Das hat bei der einen oder anderen Gruppe noch nicht ganz so gut geklappt. „Einige Schüler mussten wir dreimal losschicken“, erzählt Ackermann. Sie wollten über Kinos recherchieren, aber haben sich etwas schwer getan, Ansprechpartner zu finden. „Im nächsten Jahr würden sie das locker hinkriegen“, ist sich Ackermann sicher.

Mit etwas Glück läuft der eigene Beitrag der Schüler tatsächlich im Radio. Denn die LKJ kooperiert für das Projekt „Radio im Klassenzimmer“ mit dem Jugendsender Bigfm. Alle Beiträge werden dort abgegeben, einen davon suchen die Redakteure des Radiosenders aus und senden ihn im September. Parallel darf die Klasse dann den Sender besuchen, um sich ein Bild von der Arbeit beim Radio zu machen. Dass die nicht immer ganz einfach ist, weiß jetzt auch Giwa Kasem. „Ich dachte immer, dass sei voll einfach, was die da machen“, sagt sie. Jetzt aber wisse sie, dass hinter jedem Beitrag eine ganze Menge Arbeit stecke.

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