Der Fotograf Andreas Langen erklärt zwei Teilnehmerinnen des Workshops, welche Wirkung sich mit der Veränderung der Belichtungszeit erzielen lässt. Foto: Nina Ayerle

Die Jugendkirche und die evangelische Nordgemeinde veranstalten einen Fotografie-Workshop.

S-Nord - Bereits mit zehn Jahren hat sich Alec häufig die Kamera seiner Mutter ausgeliehen und draußen ausprobiert. Landschaften und Autos waren seine Lieblingsmotive. Ein Jahr später bekam der heute Zwölfjährige seine erste eigene Spiegelreflexkamera geschenkt. Seitdem ist er ständig mit seinen Freunden am Nachmittag unterwegs auf der Suche nach dem besten Motiv. „Bisher bin ich mit der Technik meiner Kamera nicht so vertraut“, gesteht Alec. Er benutze nur den Automatik-Modus. Deshalb hat er am Wochenende beim Fotografie-Workshop der Jugendkirche und der evangelischen Nordkirchengemeinde teilgenommen. „Am Ende des Kurses möchte ich ohne Automatik fotografieren können“, so das Ziel von Alec.

Einmal im Jahr veranstaltet die Jugendkirche Stuttgart das Jugendkirchenfestival. In diesem Jahr läuft das Programm seit Mitte März, Mitte Mai endet es. Der Workshop Fotografie in der Martinskirche beim Pragfriedhof unter dem Motto „Gesicht und Geist eines Quartiers“ ist ein Teil der Veranstaltungsreihe. „Wir wollen die Menschen selbst zum Tun verleiten. Sie sollen ihre eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln“, erklärt Jugendpfarrerin Petra Dais, die gemeinsam mit dem Fotograf Andreas Langen den Fotografie-Workshop auf die Beine gestellt hat. Einen anderen Blick auf die Dinge, die in ihrer Umgebung sind, sollen die Teilnehmer bekommen, sagt Petra Dais. „Gerade hier im Stadtviertel verändert sich derzeit so viel. Das wollen wir auch mit unseren Bildern festhalten“, meint die Jugendpfarrerin.

Einblick in technische Grundlagen

Zu Beginn des zweitägigen Workshops gibt der Fotograf Andreas Langen, der mit seinem Kollegen Kai Loges als „die arge lola“ bekannt ist, den neun Teilnehmern einen Einblick in technische Grundlagen. Dabei hat er sich auf die Komponenten ISO-Werte, die Blende und die Zeit konzentriert, erzählt Dais im Nachhinein. „Anhand von Bilder einiger berühmter Fotografen haben wir auch etwas über die bewusste Bildsprache gelernt“, sagt Dais. Auch sie selbst fotografiert gerne und hat deshalb an dem Workshop teilgenommen. „Was uns alle hier verbindet, ist die Leidenschaft fürs Fotografieren“, sagt sie.

Weil Leidenschaft und technisches Wissen alleine nicht reichen, hat Langen für den Nachmittag einen praktischen Teil angesetzt. „Die technischen Grundlagen dienen dazu, die visuelle Grammatik zu beherrschen“, erklärt er. Denn wer mit seinen Bildern eine Sprache sprechen möchte, der müsse zunächst die Grammatik pauken.

Damit das nicht so mühselig ist, hat sich Langen praktische Beispiele ausgedacht. Dazu positioniert er die Teilnehmer an verschiedenen Stellen im Raum. Einer aus der Gruppe darf dabei hinter der Kamera stehen. Zunächst geht es um die Wirkung der Zeit. Eine Teilnehmerin läuft immer wieder von der einen Seite des Raumes zur anderen und zurück. Während dessen schießt die Fotografin ein Bild nach dem anderen, verändert aber jeweils die Belichtungszeit. Was die Teilnehmer dabei lernen sollen? „So könnt ihr einen Fußgänger einfach unsichtbar machen“, erklärt Langen. Und tatsächlich, beim gemeinsamen Anschauen der Bilder am Computer ist zu sehen, das von Bild zu Bild die auf- und abgehende Teilnehmerin verschwimmt. Auf dem letzten Foto ist sie nicht mehr zu sehen. Der zweite Tag des Workshops war für eigene Foto-Projekte der Teilnehmer vorgesehen. Alec machte seine Bilder dabei natürlich ohne den Automatik-Modus. Jetzt weiß er ja, wie das geht.

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