Diane Keaton und Woody Allen in „Der Stadtneutoriker“ („Annie Hall“) Foto: mauritius-images

Viele wunderbare Filme hat der New Yorker Regisseur Woody Allen gemacht, der an diesem Dienstag 80 Jahre alt wird – einer aber sticht heraus: „Der Stadtneurotiker („Annie Hall“) von 1975.

Stuttgart - Viele wunderbare Filme hat der New Yorker Regisseur Woody Allen gemacht, die Farce „Bananas“ (1971) als Spiegel studentischer Revolutionsträume, das absurde Episodenwerk „Was sie schon immer über Sex wissen wollten“ (1972), das Familiendrama „Hannah und ihre Schwestern“ (1986), in dem Allens vom Judentum frustrierte Figur auf Sinnsuche das Christentum ausprobiert, nachher aber die Papiertüte mit den eigens gekauften Utensilien – Kruzifix, Bibel, Rosenkranz – in den Hudson River wirft. Großartig auch sein europäisches Spätwerk, der unterkühlte englische Krimi „Match Point“ (2006) oder „Vicky Cristina Barcelona“ (2008), eine flammende Hommage an die Frauen. Ein Film aber sticht heraus: „Der Stadtneurotiker“ („Annie Hall“, 1977).

Virtuos filmische Möglichkeiten nützend, erzählt Allen autobiografisch gefärbt von Alvy Singer (Allen selbst). Der arbeitet sich ab an seiner intellektuellen Verzweiflung am Dasein wie an einem bezaubernden weiblichen Pendant, der nicht minder neurotischen Annie Hall (Diane Keaton). Allein, wie die beiden mit Hummern kämpfen, die nicht in den Topf wollen, ist zum Niederknien komisch und tragisch zugleich. Oder wie der junge Alvy keine Hausaufgaben mehr machen möchte, seitdem er weiß, dass das Universum sich ausdehnt und eines Tages auseinanderbrechen könnte. Wie ein Besserwisser in der Kinoschlange mit Geschwafel über Fellini und Beckett so lange nervt, bis Alvy hinter einem Filmplakat den Kommunikationsphilosophen Marshall McLuhan hervorzieht, der dem anderen bescheinigt, keine Ahnung zu haben – um den Kunstgriff sogleich als Wunschdenken zu entlarven.

An diesem Dienstag wird Woody Allen 80, der im Interview mit unserer Zeitung gesagt hat: „Ich war schon immer pessimistisch.“ Ein Geburtstagsgeschenk hat er selbst vorab seinem Publikum gemacht: „Irrational Man“, einen köstlichen, bösen Krimi über wohlsituierte intellektuelle Schwadronierer, die nur um sich selbst kreisen. Wir gratulieren.

„Irrational Man“ läuft in den Kinos Atelier am Bollwerk und Cinema.

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