Ein gutes Team sind Wommy Wonder (links) und Schwester Bärbel auch auf Distanz. Foto: Digital Design Team/Alexander Schmitt

Lange stand auf der Kippe, ob Wommy Wonders Sommerprogramm über die Bühne gehen kann. Jetzt spielt der Travestiekünstler bis 13. September unter strengen Auflagen, die sich immer wieder ändern.

Ostfildern - Vor durchschnittlich 45 Zuschauern tritt Fräulein Wommy Wonder derzeit beim Sommergastspiel im Theater der Altstadt in Stuttgart auf – mehr ist momentan wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. „Wichtig ist doch, dass wir überhaupt wieder vor Publikum spielen können“, findet der Schöpfer der Kunstfigur, Michael Panzer. Wenn er allerdings an seine Jahresbilanz denkt, wird dem Künstler flau. Wirtschaftlich rechne sich das Sommergastspiel in der Bühne am Feuersee für ihn und für das Theater in diesem Jahr überhaupt nicht. Doch das Publikum wie auch seine Gastkünstler waren sich einig: „Gerade jetzt ist Unterhaltung wichtig, gerade jetzt wird sie gebraucht, und Autokinos sind kein Ersatz für das Live-Erlebnis.“

 

Mit Chansons, Comedy und Travestie steht der Künstler aus Ostfildern seit mehr als 35 Jahren auf der Bühne. „Wir sind systemrelevant“, singt er selbstbewusst in seinem jüngsten Programm, das er nach den gängigen Corona-Regeln auf 75 Minuten reduziert hat. Die spitzen Pointen über seine Vergangenheit als Sohn eines Bestatters auf der Schwäbischen Alb funktionieren ebenso wie tiefsinnige Gedanken über die Suche nach einer Identität zwischen Bühne und realem Leben.

Und auch Panzers Alter Ego, die schwäbische Putzfrau Elfriede Schäufele, macht das Beste aus der Situation. Zwar darf die Schwertgosch den Gästen in Corona-Zeiten nicht auf den Schoß springen, wie sie das sonst so gerne tut. Doch ist ihr Wischmopp diesmal mit einer Teleskopstange ausgestattet, damit sie den Herren der Schöpfung zumindest etwas näher kommen kann. Um unkonventionelle Lösungen trotz aller Hygiene- und Abstandsregeln ist die Reinigungsfachkraft nie verlegen. Bei Panzers Auftritten in Autokinos putzte die Kunstfigur dem bass erstaunten Publikum sogar die Scheiben.

Wie hat der Künstler, der im Stadtteil Nellingen lebt, die Zeit während des Shutdowns überbrückt? „Auftritte im Autokino waren ja relativ schnell wieder möglich“, sagt der studierte Germanist und Theologe. Dieses Format hat ihn aber nicht überzeugt. Gerade für Comedians, deren Kunst vom spontanen Lachen des Publikums lebt, sei die Barriere hinter Autoscheiben fast nicht zu überbrücken. „Ich glaube nicht, dass es den Zuschauern wirklich gefällt, in dem engen Raum eingezwängt zu sitzen.“ Applaus spendeten sie mit den Scheinwerfern, oder sie klopften wie wild aufs Autodach. Gemessen am großen technischen Aufwand, den der Solokünstler da treiben musste, haben sich diese Auftritte im Rückblick zwar nicht gelohnt, aber Wommy und sein Publikum haben das Beste daraus gemacht. Mit Videos, die seine Travestiekunst mit Mimik und Gestik in Überlebensgröße zeigen, schaffte er es immerhin, eine gewisse Nähe herzustellen. An manchen Abenden tritt Wommy Wonder solo auf, an anderen ist seine schräge Assistentin Schwester Bärbel dabei. Auch das Format „Wommy trifft...“ mit Gästen gibt es in diesem Jahr wieder – allerdings in abgespeckter Form. Heute Abend steht Sabine Schief beim schwäbisch-kabarettistischen Abend mit Wommy auf der Bühne. Weitere Termine sind mit den Kächeles und Monika Hirschle geplant.

„Mehr als ein Gast ist auf der Bühne wegen der geforderten Abstände nicht drin“, sagt Panzer. Er hofft, dass die Landesregierung die Verordnungen diesbezüglich im Herbst für die Künstlerinnen und Künstler wieder etwas lockert. Derzeit sei es nicht mal möglich, einfach spontan gemeinsam ein Mikrofon zu verwenden. Doch da hat der Bühnenprofi eine Lösung: „Das müssen wir zwischendrin reinigen, was natürlich ins Programm eingebaut wird.“

Schade findet Panzer, dass die aktuelle Show im Förderprogramm baden-württembergischer Kultur Sommer 2020 nicht berücksichtigt wurde. „Da werden nur Projekte unterstützt, die aus der Not geboren sind und die erst kurzfristig realisiert wurden“, kritisiert er die Vergabe bei dem Förderprogramm, das die baden-württembergische Landesregierung kurzfristig aufgelegt hat, um die Kulturszene lebendig zu halten. Zwar sei sein Sommergastspiel wie auch in den Vorjahren üblich schon lange geplant gewesen, „aber letzten Endes müssen wir uns halt auch den ständig sich ändernden Vorgaben anpassen, strenge Hygiene-Regeln umsetzen und vor einem Bruchteil der normalen Kapazität spielen. Warum das bei der Vergabe der Förderung so gar keine Berücksichtigung findet, muss man nicht verstehen.“

Glücklich ist der Travestiekünstler über die Unterstützung durch Susanne Heydenreich, der Intendantin des Theaters der Altstadt. In einem Prolog wendet sich die Theaterchefin auch vor jeder Vorstellung selbst an das Publikum – mal kommt ihre Stimme aus der Konserve, mal ist sie selbst vor Ort: „Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Zuschauerinnen und Zuschauer in der nächsten Spielzeit wieder begrüßen können – wenn auch unter veränderten Vorzeichen.“

www.wommy.de