Ist die Abschussgenehmigung für einen Wolf im Schwarzwald ein Wahlkampfmanöver? Das vermutet der Landesjägerverband – und demaskiert sich damit selbst, findet Redakteur Eberhard Wein.
Seit Jahren kämpft der baden-württembergische Landesjagdverband dafür, dass der streng geschützte Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen wird. Jetzt gibt das grün geführte Landesumweltministerium wenigstens einen für zu zutraulich befundenen Wolf zum Abschuss frei, da ist es auch nicht recht. Es handele sich um einen „Wolfsabschuss in Wahlkampfzeiten“, überschreibt der Verband seine Stellungnahme zu dem Thema. Man hoffe doch sehr, dass die politische Entscheidung der Umweltministerin Thekla Walker auf einer „rein fachlich fundierten Wissensbasis anerkannter Wildbiologen“ beruhe. Das ist kein Jägerlatein, sondern ein klarer Vorwurf: Die Grünen, so wird impliziert, werden beim Wolf endlich vernünftig, opfern ihn aber nur, um ihre eigenen Wahlchancen zu erhöhen.
Natürlich wissen die Jäger genau, dass der Zeitpunkt der ministeriellen Genehmigung nichts mit der Wahl, sondern einzig mit der aktuellen Paarungszeit bei Wölfen zu tun hat. Der einsame Wolf von der Hornisgrinde sucht nach einer Fähe und nähert sich deshalb Menschen mit Hunden, was ein gewisses Risiko bedeutet. Der Vorwurf, den der Landesjagdverband nun so perfide streut, fällt deshalb auf ihn selbst zurück.
Der Verband driftet nach rechts
Will der Verband damit Wahlkampfhilfe für den CDU-Kandidaten Manuel Hagel leisten, der selbst Jäger ist? Tatsächlich sind Teile des Verbands wohl längst deutlich weiter nach rechts abgedriftet. Unter Jägern sei der Anteil von AfD-Sympathisanten besonders hoch. Das räumte der Verband vor zwei Jahren selbst ein, wenngleich die damalige Selbsteinschätzung nur durch ein Versehen nach außen drang.
Keineswegs geheim ist aber, dass weiterhin ein AfD-Funktionär in führender Position für die Landesjagdprüfung zuständig ist, was durchaus Folgen haben kann. Wer nicht ins Bild passe, habe überhaupt keine Chance, die Jagdprüfung zu bestehen, klagte unlängst ein Bewerber. Um den Wolf geht es also wohl kaum. Die Wortmeldung belegt nur die eigene Voreingenommenheit. Die Grünen scheinen schlicht das politische Feindbild zu sein, das man endlich aus dem Wald jagen möchte.