Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos, rechts) neben CDU-Landeschef Manuel Hagel beim Medienempfang der Landes-CDU vor drei Wochen in Ludwigsburg Foto: Christoph Schmidt/dpa

Wolfram Weimer wehrt sich gegen den Vorwurf, gegen Geld Kontakte zu Regierungsmitgliedern zu vermitteln.

Vor drei Wochen noch eröffnete Wolfram Weimer in Marbach die neue Schiller-Dauerausstellung. Tags darauf trat er mit CDU-Landeschef Manuel Hagel bei einem Medienempfang auf. Alles verlief tadellos. Der Staatsminister und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien schien sich nach anfänglichen Turbulenzen zu stabilisieren. Doch jetzt gerät Weimer (61) erneut in Schwierigkeiten. Der Vorwurf lautet, die Weimer Media Group, an der er neben seiner Frau zur Hälfte beteiligt ist, vermittle gegen horrende Summen exklusive Kontakte zu Mitgliedern der Bundesregierung; dies im Rahmen einer „Ludwig-Ehrhard-Gipfel“ genannten Wirtschaftskonferenz am Tegernsee – ausgerichtet vom Unternehmen des Ehepaars Weimer. Schirmherr ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Als „deutsches Davos“ wird das Treffen in Anlehnung an das Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Bergen beworben. Weimer hatte nach Übernahme des Staatsamts die Geschäftsführung des Unternehmens niedergelegt und die Stimmrechte an seine Frau übertragen, die Beteiligung aber behalten.

 

Gegenmodell zu Claudia Roth

Delikat an der Affäre ist der Umstand, dass ausgerechnet rechte Medienportale wie „Apollo News“ oder „Nius“ die Attacken reiten. Zwar hatte die Berufung des parteilosen Weimer, der in seinem abwechslungsreichen Berufsleben unter anderem als Chefredakteur des Magazins „Focus“ oder der Zeitung „Die Welt“ fungierte, durch Bundeskanzler Friedrich Merz Naserümpfen ausgelöst, weil die beiden Nachbarn sind am mit Prominenz dicht belegten Tegernseeufer. Der eigentliche Grund, dass die Wahl für die Nachfolge der Grünen Claudia Roth als Handlungsbevollmächtigte für Kulturelles auf Weimer fiel, wurde indes in dessen Anschlussfähigkeit an ausgeprägt konservative Positionen gesehen. Nachzulesen sind die in einer Schrift Weimers mit dem programmatischen Titel „Konservatives Manifest“. Dort macht er sich demografische Sorgen um die „Fortdauer des eigenen Bluts“ und die „biologische Aufgabe Europas“.

Um was geht es nun konkret? Für den nächsten „Ludwig-Ehrhard-Gipfel“ im April 2026 sind als „Speaker“ avisiert: Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) und Agrarminister Alois Rainer (CSU). Geworben wird auch mit Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder (CSU) sowie dessen Vize Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Dazu Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), die zum Unwillen Söders als künftige Bundespräsidentin genannt wird. Ein Drei-Tages-Ticket inklusive „Gipfelnacht“ kostet laut Presseberichten 3000 Euro.

Der Stein des Anstoßes liegt aber woanders: „Apollo News“ berichtet von besonderen Offerten, benannt nach Alpenhöhen, die von 40 000 Euro („Zugspitze“) über 60 000 Euro („Matterhorn) bis 80 000 Euro („Mont Blanc“) reichen. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Die Pakete enthalten nicht nur Tickets, Werbeleistungen in Weimers Medienfirma oder auch einen Werbestandplatz bei dem „Gipfel“. Interessierte können sich sogar als Podiumsteilnehmer einkaufen und erhalten Zugang zu einer „Besprechungs-Lounge für vertrauliche Gespräche“. In einem telefonischen Verkaufsgespräch sei, so behauptet „Apollo News“, auch das Kommen von Kanzler Friedrich Merz in Aussicht gestellt worden. Das halbe Bundeskabinett werde dabei sein.

Weimer weist den Vorwurf zurück, er verkaufe Einfluss auf politische Entscheidungsträger. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte er: „Das ist schlicht eine Lüge, gegen die ich mich juristisch zur Wehr setzen werde.“ Dazu hat er den Anwalt Christian Schertz engagiert, der in der Medienbranche als „dicke Berta“ gilt, die immer dann zur Abwehr von Vorwürfen beigezogen wird, wenn es kritisch wird. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte sich in der Affäre um den Inspekteur der Landespolizei der Dienste des Anwalts versichert. Dass ausgerechnet rechte Medien gegen Weimer mobil machen, mag damit zu tun haben, dass dieser dafür eintritt, die Hegemonie der US-Digitalkonzerne auf dem europäischen Medienmarkt einzuhegen. Doch nun hat Weimer wieder mit sich selbst zu tun. Inzwischen geht sogar Bayerns Regierung auf Distanz. Kultusminister Markus Blume (CSU) mahnte Weimer, keine Zweifel aufkommen zu lassen „bei der zwingenden Trennung, was Staat und was privat ist.“