Wolfram König bei einem Besuch im havarierten Endlager Asse Foto: dpa

Die Umweltministerin Barbara Hendricks hat personelle Weichen für die Atommüllentsorgung gestellt. Wolfram König übernimmt eine Schlüsselrolle und muss den Endlagerbetreibern wie der Politik auf die Finger sehen.

Berlin - Fünf Jahre nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie hat sich bereits erwiesen, dass diese fundamentale Weichenstellung in der Energiepolitik nur einen schmalen Einschnitt in den Geschichtsbüchern markiert, während der Streit um die Kernenergie und die Bewältigung ihrer Hinterlassenschaften jeweils Jahrzehnte währen. Die Auseinandersetzung um Vor- und Nachteile der Atomkraft wird spätestens 2022, wenn das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz geht, abgehakt sein. Aber der Umgang mit dem Atommüll bleibt eine Jahrhundertaufgabe, die noch Generationen von Politikern und Bürgern beschäftigen wird.

Ministerin Hendricks stellt personelle Weichen für die Endlagerung

Immerhin kann man der Bundesregierung und den Ländern zugute halten, dass sie in der ersten Etappe auf dem Weg zur sicheren Endlagerung ein paar wesentliche Hausaufgaben einigermaßen zügig erledigt haben: Nachdem die Endlagersuche 2011 auf eine neue Basis gestellt wurde, haben der Staat und die Energiekonzerne sich in diesem Jahr verständigt, wie die finanziellen Lasten für den Rückbau der Kernkraftwerke sowie die Zwischen- und Endlagerung des strahlenden Mülls verteilt werden.

Die Endlagerkommission hat Kriterien für die ergebnisoffene Suche nach dem am besten geeigneten Standort abgesteckt, und die Bundesregierung hat die Behördenarchitektur in diesem Hochrisikobereich neu geordnet. Mit der Entscheidung über wichtige Personalien setzt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) jetzt erst einmal den Schlusspunkt in dieser Phase.

Wolfram König wacht über die Genehmigungen in allen Endlagerfragen

Vor allem zwei Berufungen stechen ins Auge: Wolfram König, der seit 17 Jahren an der Spitze des Bundesamtes für Strahlenschutz steht, wird Präsident des neu geschaffen und noch im Aufbau befindlichen Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Der ausgewiesene Strahlenschutzexperte mit grünem Parteibuch wird damit die zentrale Aufsichts-, Genehmigungs- und Regulierungsbehörde im Bereich der nuklearen Entsorgung leiten. Der 58-jährige König, der von Hause aus Ingenieur für Architektur und Stadtplanung ist und seine politische Laufbahn als Atomkraftgegner begonnen hat, spielt deshalb eine Schlüsselrolle in allen weiteren atompolitischen Fragen.

Ursula Heinen-Esser – studierte Volkswirtin, CDU-Politikerin, Ex-Staatssekretärin im Umweltministerium und eine der beiden Vorsitzenden der Endlagerkommission – gehört zu den Funktionsträgern, denen Wolfram König künftig bevorzugt auf die Finger sehen muss.

Die fünfzigjährige Kölnerin wird von Hendricks nämlich gemeinsam mit dem ausgewiesenen Verwaltungsexperten Ewold Seeba und Albert Lennartz (bisher Geschäftsführer der Asse GmbH) zur Gründungsgeschäftsführerin der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bestellt. Während bei König und seinem Bundesamt für Entsorgungssicherheit alle Genehmigungs- und Kontrollaufgaben gebündelt werden, liegt bei Ursula Heinen-Esser und ihren Kollegen die Zuständigkeit für sämtliche operativen Aufgaben bei der Planung, Errichtung, dem Betrieb und der Stilllegung von Endlagern. Bisher waren die Zuständigkeiten für die Endlager Morsleben, Schacht Konrad, Asse und das künftige Atomendlager für hoch-radioaktiven Abfall auf das Bundesamt für Strahlenschutz und die Deutsche Gesellschaft zum Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE) und die Asse GmbH verteilt.

Je konkreter die Endlagersuche wird, desto eher neigt die Politik zum Vertagen

Wolfram König zeigt sich, wie er gegenüber dieser Zeitung erklärte, zufrieden mit der klaren Zuordnung von Zuständigkeiten in der atomaren Entsorgung. Damit seien die Voraussetzungen für eine „effiziente Suche“ nach einem Endlagerstandort geschaffen, sagt er. „Ich bin mir der großen Herausforderung bewusst, dass wir in Deutschland zügig und in einem transparenten Prozess einen Standort für ein sicheres Endlager für insbesondere hoch-radioaktive Abfälle finden müssen.“ „Zügig“ ist in diesem Satz das Schlüsselwort. Denn König weiß, dass er als Oberaufseher nicht nur die Endlagerbetreiber um Ursula Heinen-Esser im Auge behalten muss, sondern auch die Politik insgesamt.

Je konkreter die Endlagersuche wird, je stärker das Verfahren sich auf benennbare Standortalternativen einengt, desto größer wird as Risiko, dass die Politik selbst auf die Bremse tritt und unbequeme Entscheidungen in die nächste oder übernächste Legislaturperiode oder gleich auf den Sankt Nimmerleinstag vertagt. Kaum einer weiß besser als Wolfram König, dass die Genehmigung für die Zwischenlager spätestens Mitte des Jahrhunderts auslaufen und nicht endlos verlängert werden können. Auch dafür ist er verantwortlich. Nicht ohne Grund hat er 2015 in einem Interview schon betont, dass die Endlagerung „keine Ewigkeitsaufgabe“ sei und sich ein „Instrument“ gewünscht, „das alle Beteiligten verpflichtet, sich um eine möglichst zeitnahe Lösung des Problems zu kümmern.“ Im neuen Job wird Wolfram König auch der Politik im Nacken sitzen.

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