Der Filderstädter Wolfgang Seljé ist auf der Bühne zuhause. Foto: Jacqueline Fritsch

Multitalent Wolfgang Seljé nennt sich nun offiziell „Der schwäbische Botschafter“. Mit Witz und Musik punktet der Filderstädter beim Publikum.

Filderstadt - Ist es nicht jedermanns Ziel im Leben, glücklich zu sein? Einfach zufrieden mit dem, was man tut und was man hat? Dennoch trifft man selten Menschen, die wirklich überglücklich mit ihrem Leben sind. Viele sind nicht unglücklich, das schon. Aber bei den wenigsten sitzt die Dankbarkeit so tief, dass sie pures Glück ausstrahlen. Bei Wolfgang Seljé ist das so. Ihm glaubt man einfach, wenn er freudestrahlend sagt: „Ich bin sowas von im Glück mit dem, was ich tue.“

Wolfgang Seljé bezeichnet sich selbst als einen dankbaren Menschen, oder besser gesagt als einen dankbaren Schwaben. Stolz sei er auf seine Herkunft nicht, er könne schließlich nichts dafür, wo er geboren wurde. „Ich finde, man kann nur auf Sachen stolz sein, die man selbst geleistet hat“, sagt der 61-Jährige, „deshalb bin ich nicht stolz darauf, Schwabe zu sein, aber ich bin froh drum“. Und das trägt er in die Welt hinaus – mittlerweile auch offiziell als „der schwäbische Botschafter“.

Er lässt sich nicht in eine Schublade stecken

Seljé ist Entertainer, Sänger, Moderator, Comedian und Stadtführer. Deshalb sei es bei Auftritten immer ein Problem gewesen, als was er zur Veranstaltung angemeldet wird. „Es gibt keine Schublade, in die man mich reinstecken kann, also musste ich eine neue Schublade machen“, sagt Seljé. Nach langer Überlegung nannte er sich dann schwäbischer Botschafter und hat diese Bezeichnung nun auch offiziell beim Patent- und Markenamt eintragen lassen. „Das hat mich 300 Euro gekostet, aber das war es mir wert“, sagt der Filderstädter. „Mit der Zeit komme ich auch immer mehr drauf, wie pfiffig diese Bezeichnung ist.“

Denn der Titel beinhaltet das Wort Botschaft und die will Wolfgang Seljé in seinen Programmen, in denen er viel über seine eigene Dankbarkeit erzählt, das Publikum zum Nachdenken bringt und lustige Parts integriert, transportieren. „Wir Schwaben sind alle total cool“, sagt er, „aber halt auch nicht jeder. Das ist ja überall so“. Außerdem sei es nicht wahr, dass Schwaben allgemein geizig sind. „Wir sind schon bereit, einen guten Preis zu zahlen, aber nicht, wenn wir verarscht werden“, sagt er. Freilich nehme er die Schwaben in seinem Programm auch auf die Schippe; insgesamt will er aber vermitteln, was für ein liebenswertes Völkchen wir sind. „Bei dem Begriff schwäbischer Botschafter könnte man ja meinen, ich müsste in anderen Bundesländern oder Ländern auftreten, aber ich bin überwiegend in Baden-Württemberg, weil ich erst einmal die Schwaben selbst von ihnen überzeugen muss“, sagt Seljé.

Musik begleitet ihn schon sein Leben lang

Seit knapp zehn Jahren ist Wolfgang Seljé mittlerweile als Künstler und Stadtführer selbstständig. Ursprünglich hat der gebürtige Stuttgarter eine Ausbildung zum Maler und Lackierer sowie zum Siebdrucker gemacht und später 20 Jahre im Vertrieb gearbeitet. Die Musik war aber schon immer ein Hobby. „Mit acht Jahren habe ich zum ersten Mal Frank Sinatra im Radio gehört und dachte, das wär’s eigentlich, was ich machen will“, erzählt Seljé. Mit 21 Jahren fing er an, Gesangsunterricht zu nehmen, mit 30 ist er dann wieder auf Sinatra gestoßen, der bis heute sein musikalisches Vorbild ist.

Mit Ende 40 stand die Entscheidung fest: Die Bühne soll sein Arbeitsplatz werden. „Meine Frau hatte gerade einen Vollzeitjob angeboten bekommen, sodass ich sagen konnte okay, dann riskiere ich das jetzt“, sagt der 61-Jährige. Die ersten Jahre seien wirtschaftlich etwas zäh gewesen, seit etwa fünf Jahren gehe es aber stetig bergauf. „Es ist einfach der Hammer, dass das mein Beruf ist“, sagt Seljé und streicht sich freudestrahlend die langen, silbergrauen Haare aus dem Gesicht.

Die Reaktionen des Publikums miterleben

Die Geschichten, die Wolfgang Seljé auf der Bühne erzählt, auch die sogenannten Goodsle, die den lustigen Teil seiner Auftritte darstellen, entstehen teilweise über ein ganzes Jahr. Wenn Seljé eine Idee hat oder jemand anderes etwas Lustiges sagt, schreibt er es sofort auf. „Ich habe eine ganze Sammlung von jahrealten Witzen“, sagt er. Das Beste an der Arbeit auf der Bühne sei, die Reaktionen des Publikums mitzuerleben. „Wenn ich sehe, wie es bei den Leuten im Kopf schafft, wie sie denken, der hat recht“, sagt Seljé. Dass sein Programm immer auf schwäbisch ist, würde ihm oft weiterhelfen. „Vieles kommt im Dialekt einfach netter daher, zum Beispiel ‚Schengat se mr Zeit’, wenn man das hochdeutsch sagen würde, ‚Schenken Sie mir Zeit’, kommt das gleich so befehlsmäßig rüber“, sagt Seljé.

Die Zeit auf der Bühne vermisst der schwäbische Botschafter in diesem Jahr. Wegen Corona sind etliche Auftritte abgesagt worden. Das nimmt dem Filderstädter aber kein Stück seiner Lebensfreude: „Ich habe die Zeit meines Lebens, ich koche, wasche, räume auf, ich setze mich ins Café und denke mir neue Witze aus, das ist einfach toll“, sagt Seljé.

Am Samstag, 21. November 2020, tritt Wolfgang Seljé mit seinem Programm „Das Beste von Wolfgang Seljé“ im Ristorante Carnevale in Leinfelden auf. Beginn ist um 18 Uhr an der Maybachstraße 15. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü. Eine Anmeldung unter 0711/71 92 48 22 ist erforderlich. Die Kosten liegen bei 48 Euro.

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