Wolfgang Dauner Foto: Moritz

Der Stuttgarter Jazzmusiker Wolfgang Dauner wird 75 Jahre alt und mit einem Film gefeiert.

Stuttgart - Das United Jazz And Rock Ensemble war der größte musikalische Coup von Wolfgang Dauner. Bis heute hat er sich seine Vielseitigkeit von der Klassik bis zur leichten Muse bewahrt. An diesem Donnerstag feiert der Stuttgarter JazzPianist seinen 75. Geburtstag.

Als im Jahre 1976 Plakate zu einem Big-Band-Konzert ins Schützenhaus einluden, staunten viele nicht schlecht: eine Big Band, damals für viele noch Inbegriff der Bürgerlichkeit mit gemäßigtem Swing und uniformierten Jacketts im damals angesagten Live-Club am Rande von Heslach nahe der Seilbahnendstation? Das Missverständnis hat sich bald aufgeklärt: Das United Jazz And Rock Ensemble war keine Big Band wie viele andere, es war die Band der Bandleader: Jeder der neun Musiker, die da auf der Bühne standen, leiteten ein oder mehrere andere eigene Projekte.

Die Geschichte des United Jazz And Rock Ensembles und seines Mitbegründers Wolfgang Dauner muss an dieser Stelle nicht noch einmal ausführlich dargestellt werden. So viel vielleicht noch: In den etwa 27 Jahren seines Bestehens in erstaunlicher Personalkontinuität gehörte es zu den erfolgreichsten Formationen des deutschen Jazz, das Debütalbum "Live im Schützenhaus" zählt bis heute zu den meistverkauften Jazzalben aus deutscher Produktion.

Mood Records war ein Erfolg

Dauner landete da nicht nur einen musikalischen Coup, sondern auch einen kaufmännischen: Zuvor gründete er mit anderen das Plattenlabel Mood Records. Das Ziel war eine gerechtere Bezahlung der Beteiligten, insbesondere der Musiker. Um Kosten zu sparen, wurde auf den üblichen Vertriebsweg über Plattengeschäfte verzichtet, Vertriebspartner ist ein bundesweit agierender Versandhandel mit Dependancen in den größeren Städten.

Das Experiment war rundum geglückt, in den 1980ern und 1990ern stellte sich über viele Jahre hinweg das Programm der OsterJazztage im Theaterhaus quasi wie von selbst zusammen: Da wurden zum einen die vielen Projekte der Bandmitglieder vorgestellt, im Zentrum stand freilich das United Jazz And Rock Ensemble, das hier quasi zu einem Familientreffen einlud - denn über den Rest des Jahres waren die Musiker international aktiv, gemeinsame Termine ließen sich nur selten finden.

Das Theaterhaus, damals noch in Wangen, war kein Zufallsveranstaltungsort: Werner Schretzmeier, Gründer und Leiter der Kultureinrichtung, war zuvor als Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk für die Entwicklung neuer Magazinsendungen tätig. Dazu gehörte etwa das politisch-musikalische Magazin "Elf einhalb", für das er eine Studioband suchte, die ein breites musikalisches Spektrum abdeckt.

Dauner ist ein Quereinsteiger

Jon Hiseman (Schlagzeug) und Volker Kriegel (Gitarre), standen für die Rockmusik, Albert Mangelsdorff (Posaune), Charlie Mariano (Saxofone), Ack van Rooyen (Trompete) und Eberhard Weber (Bass) vertraten die Jazz-Aspekte. Später kamen die Trompeter Ian Carr und Kenny Wheeler sowie die Saxofonistin Barbara Thompson hinzu.

Für solche Projekte war Dauner der Richtige. Zwar galt er als Frühbegabung, hat auch eine Zeit lang an der Stuttgarter Musikhochschule studiert, doch im eigentlichen Sinne ist er ein Quereinsteiger. Erste Jazzerfahrungen sammelt er nach dem Krieg in amerikanischen Clubs, früh wird er an seinem Zweitinstrument, der Trompete, für eine Tournee von Marika Rökk durch die süddeutschen Kurbäderorte verpflichtet. Damit ist der Grundstein für seine Vielseitigkeit gelegt: Dauner spielt die klassische Musik aus seinen Kindheitstagen, er macht in Kindersendungen wie "Glotzmusik" mit, er komponiert Filmmusiken. Benötigt das Theater Rampe eine Musik zu einer ihrer Inszenierungen, für die seine Frau Randi Bubat auch noch Bühnenbild und Kostüme entwirft, ist er sofort dazu bereit. Und wenn sein langjähriger Freund und Förderer Wolfgang Gönnenwein auf der Suche nach Projekten für eines seiner Jugendorchester ist, hat Dauner etwas in petto. Auch bei der "Nacht der Lieder", der vorweihnachtlichen Benefiz-Kulturveranstaltung unserer Zeitung, kommt er gerne auf die Bühne.

Das ist bis heute so geblieben. Klassiker von Dauners Kompositionen wie "Trans Tanz", "Steps for MC Escher" oder "Drachenburg" sind ausführliche Improvisationen, gleichzeitig auch grandiose melodische Entwürfe, wie Filmmusiken ohne Film.

Auftritte mit Performance-Charakter

An diesem Donnerstag wird Dauner 75, und den Auftakt zum Geburtstagsprogramm "Dauner around - around Dauner" machte am 20. Juli dieses Jahres das All-Star-Treffen "Dauner's Salon" im Amphitheater vor dem Mercedes-Museum im Rahmen des Festivals Jazz Open. Mit Alphonse Mouzon, Wolfgang Haffner, Obi Jenne und Sohn Florian Dauner saßen vier Schlagzeuger-Generationen auf der Bühne, ein Herzenswunsch des Jubilars. Zu seinen langjährigen Weggefährten zählt Dauner den Saxofonisten Klaus Doldinger, den Trompeter Manfred Schoof, den Bassisten Wolfgang Schmid und den Geiger Jean-Luc Ponty.

Die wilden Jahre von Dauner sollten hier nicht ganz unter den Teppich gekehrt werden. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre interessierte er sich zunehmend für Musikelektronik und die ersten Synthesizer dieser Generation. Manches klingt ziemlich sperrig, auch heute noch. Außerdem bekamen seine Auftritte Performance-Charakter: Er stellte sich vor ein brennendes Klavier (die Anekdote war titelgebend für Wolfgang Schorlaus Buch über Dauner). Er zertrampelte eine Geige, sein Schlagzeuger Fred Braceful trat nackt auf. Und viele aus der ersten Stuttgarter Kommunengeneration wissen so manche launige Geschichte über Dauner zu berichten.

Die heiße Phase der Geburtstagsfeierlichkeiten eröffnet heute um 0.05 Uhr das SWR-Fernsehen, das den Dokumentarfilm "Dauner forever!" ausstrahlt.

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