Die weinrote Geldbörse und der braune Schal finden Abnehmer. Foto: Eva Herschmann

Ungewollte Weihnachtsgeschenke bekommen ein zweites Leben: In der Musik-Bar „Das Wohnzimmer“ in Backnang tauschen Besucher am Samstag Schals, Deko und Co.

Schon beim Auspacken unterm Christbaum, sagt Marion aus Backnang, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, sei ihr klar gewesen, dass der karierte Schal in Brauntönen ihrem Geschmack zuwiderläuft. Und die Blumen aus Metall, die an die Wand gehängt werden können, passen nicht zu ihrem Einrichtungsstil. Silke Merz hingegen hat von ihrem Vater ein Schlüsselmäppchen und einen Geldbeutel zu Weihnachten bekommen. „Aber mir gefällt dieses Weinrot nicht“, so die Waiblingerin.

 

Gut daher, dass es die Geschenke-Tauschparty am Samstag in der Musik-Bar, dem Wohnzimmer in Backnang, gibt. Sie kommt den beiden Freundinnen mehr als gelegen.

Die Weihnachtszeit ist am Willy-Brandt-Platz 2 immer ereignisreich. Am Heiligabend wird unter dem Motto „Tannenbaumschiefsaufen“ gefeiert und am zweiten Weihnachtsfeiertag steigt die „Ugly Sweaters Party“, bei der zum letzten Mal die Weihnachtspullis mit Rudolf, dem rotnasigen Rentier, Schneemann oder Schlitten drauf, ausgeführt werden. Diesmal hat die Backnanger Kultkneipe ihr weihnachtliches Angebot erweitert. Claudia Fischer, die im Wohnzimmer arbeitet und aktiv im Verein Weissach Klimaschutz Konkret ist, hatte die Idee zur Tauschparty mit ungewollten Präsenten. Dabei gehe es zum einen darum, den Konsumwahn zum Christfest zu thematisieren, aber auch um das Miteinander, sagt Claudia Fischer. „Denn uns geht es auch um das gesellschaftliche Klima.“ Im Wohnzimmer könne man bei entspannter Atmosphäre, Musik und Drinks Gemeinschaft finden und ins Gespräch kommen. „Denn Weihnachten ist nicht nur für Menschen, die einsam sind, oft eine Belastung.“

Und noch ein paar Schals

Der improvisierte Gaben-Tauschtisch war direkt neben dem Eingang aufgebaut. Im Laufe des Abends gesellten sich noch ein paar Geschenke zu denen, die die beiden Freundinnen mitgebracht hatten, darunter eine Küchenreibe, einige Deko-Artikel und noch ein paar Schals. Am Ende des Abends seien nur ein giftgrüner Schal und die Metall-Wandblumen übrig geblieben, erzählt Claudia Fischer. Den Rest wird sie ins SoWas bringen, dem Sozialen Warenhaus in Backnang. „Weggeworfen wird nichts“, so die engagierte Wohnzimmer-Mitarbeiterin.

Claudia Fischer steckt auch hinter dem „Upcycling-Abend“, einem Angebot, das es seit Mai immer am ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr in der Kneipe gibt. „Da kann jeder mitbringen, was er will. Wir stellen eine Nähmaschine und eine Kettelmaschine, und wir haben Stoffreste, alte Kleidungsstücke und alte Banner vom Universum-Kino, aus denen man Taschen machen kann.“ Kommen könne jeder, mit und ohne Nähkenntnisse, so Fischer. „Es ist ein Nähtreff, bei dem es viel Austausch gibt über alles, was einem am Herzen liegt.“ Es soll noch Häkeln und Stricken ins Programm aufgenommen werden. „Man kann nicht nur mit Wolle stricken, auch mit alten T-Shirts, die man in Streifen schneiden. Oder mit alten Jeans. Daraus habe ich schon mal einen Sitzpuff gestrickt.“

Die Wiederverwertung von Weihnachtsgeschenken spart ebenfalls Ressourcen – und bringt anderen Freude, die der Erstbeschenkte nicht hatte. Der braunkarierte Schal, der weinrote Geldbeute und das Schlüsselmäppchen waren am Ende des Abends weg. Das freute auch die Geberinnen. „Mitgenommen hätten wir sie eh nicht mehr“, sagt Silke Merz mit einem Grinsen.

Party ist erfolgreich gelaufen

Für die Premiere, fand Claudia Fischer, sei die Weihnachtsgeschenke-Tauschparty gut gelaufen. Vielleicht werde sogar schon nach Ostern wieder eine stattfinden, denn auch zu diesem Fest werde mittlerweile richtig viel geschenkt. „Und da es am Samstag im Wohnzimmer gut voll war, hat sicher der eine oder die andere einen Impuls mitgenommen.“