Sonja Noppingers Fischlabor hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer der beliebtesten Kneipen im Westen entwickelt. Foto: Nina Ayerle

Seit zehn Jahren gehört Sonja Noppinger das Fischlabor. Die gemütliche Kneipe an der Ludwigstraße gehört längst zu den beliebtesten Treffpunkten im Stuttgarter Westen.

S-West - Schon als Kind ist Sonja Noppinger immer an der Kneipe an der Ludwigstraße vorbeigelaufen, auf ihrem Schulweg ins Königin-Olga-Gymnasium. Damals wusste die 53-Jährige natürlich noch nicht, dass dies später ihre Kneipe sein wird. Aber den Traum von der eigenen Gastro hatte sie früh: „Ich habe mit 16 schon in einem Vereinsheim ausgeholfen. Das hat mir furchtbar viel Spaß gemacht.“

Die Leidenschaft für die Gastronomie hat bis heute nicht aufgehört. Auch deshalb wohl gehört ihr Fischlaborzu den beliebtesten Kneipen mit Geheimtipp-Hinterhof-Terrasse im Westen – seit zehn Jahren. Sie erinnert sich noch gut, wie sie damals lange nach einer Location gesucht haben. Fast zwei Jahre habe das gedauert. Das ehemalige Ludwigstüble – eine Eckkneipe, wie man sie sich halt so vorstellt – hat sie mit ihrem damaligen Kompagnon innerhalb von wenigen Monaten auf Vordermann gebracht. Die großen Holztische hat sie bis heute behalten. „Die habe ich extra so gewählt, dass viele zusammensitzen können“, sagt Noppinger. „Mir schwebte von Anfang an eine Kneipe im Wohnzimmer-Stil vor.“ Eine Kneipe, in der sich Kinder und Ältere begegnen, in der alles da ist, vom Baby bis zum 80-Jährigen, und in der man sich einfach zu Fremden setzt. „Das ist heute auch tatsächlich so geworden“, sagt sie zufrieden.

Fisch gibt es im Fischlabor auch nach zehn Jahren nicht

Manche ihrer Pläne sind aber auch anders gekommen. „Eigentlich wollte ich eine Kneipe mit bisschen Essen“, sagt sie. „Das ist längst viel mehr geworden.“ Tatsächlich ist das Fischlabor – auch wenn dies auswärtige Gäste immer kurz irritiert – nicht für seine Fischspezialitäten bekannt, sondern für Burger und Schwäbisches. Und überhaupt, es ist die einzige Kneipe, die den Stuttgarter S21-Gegnern in Form des „Wutburgers“ ein kulinarisches Denkmal gesetzt hat.

Seit drei Jahren führt Noppinger die Kneipe alleine. „Damals hab ich wirklich noch einmal bei Null angefangen“, erzählt sie. Anfangs sei das hart gewesen. Inzwischen hat sie sich dran gewöhnt, auch wenn es immer noch viel Arbeit ist. In viele Dinge hat sie sich mühevoll reingefuchst. „Ich habe viel über Technik gelernt“, sagt sie und lacht. Anfangs habe ihr Vater vieles am Telefon erklärt, inzwischen habe sie ein großes, technisches Verständnis. „Obwohl einem das als Frau ja nicht abgenommen wird.“ Sie kann da darüber lachen.

Kochen, putzen und bedienen macht die Chefin auch selbst

Auch darüber, dass manche denken, wenn die Wirtin mal an den Tischen vor ihrer Kneipe sitzt, bedeute dies, man habe einfach nichts zu tun als Gastronomin. „Manchmal werde ich tatsächlich gefragt, was ich morgens um neun Uhr hier mache“, sagt Noppinger. Die Antwort: Fenster putzen, Pflanzen zupfen, Steuer und Essen kochen. In einer kleinen Kneipe wie dem Fischlabor macht die Chefin das eben noch selbst. „Das ist wie einen ziemlich großen Haushalt führen.“ Außerdem kocht Noppinger im Fischlabor. Soßen, Suppen, Burger – das stelle sie alles selbst und ohne Zusätze her. Aber das nimmt dann viel Zeit in Anspruch. Ihre Bilanz nach zehn Jahren? Es sei schwieriger geworden, gute Mitarbeiter zu finden, die eine längere Zeit bleiben oder mehr Verantwortung übernehmen möchten. Wenn sie mal um halb elf abends daheim sei, dann sei das „Luxus“. Eine Kneipe selbstständig zu führen, bedeute tatsächlich „selbst und ständig“. Aber: .„Ich mache das immer noch sehr, sehr gerne.“

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