Angesichts des knappen Wohnraums in Stuttgart zeigt sich Stuttgarts OB Fritz Kuhn „offen für Vorschläge aus der Immobilienwirtschaft“. Foto: Leif Piechowski

Wohnungsnot oder Wohnungsmangel? Fritz Kuhn ist es völlig egal, wie man das Problem nennt. Ebenso unwichtig ist es für den Oberbürgermeister der Stadt, ob in Stuttgart 4500 oder gar 10.000 Wohnungen fehlen. Ein Ex-Wirtschaftsförderer rät zu Umwandlung von Büros in Wohnraum.

Stuttgart - Wohnungsnot oder Wohnungsmangel? Fritz Kuhn ist es völlig egal, wie man das Problem nennt. Ebenso unwichtig ist es für den Oberbürgermeister der Stadt, ob in Stuttgart 4500 oder gar 10.000 Wohnungen fehlen. „Fakt ist“, so Kuhn, „die Stadt will und muss Wohnraum schaffen. Daher bin ich offen für Vorschläge aus der Immobilienwirtschaft.“

Adressat dieser Botschaft im Rathaus war eben jene Hautevolee der deutschen Immobilienwirtschaft. Also Finanziers, Architekten, Projektentwickler und Stadtplaner aus dem ganzen Land. Allesamt hätten auf Kuhns Zuruf hin normalerweise zufrieden die Hände reiben müssen. Doch je länger Kuhn sprach, desto größer wurde die Ernüchterung. Denn der Rahmen, in dem sich die Immobilienbranche bewegen kann, ist eng gesteckt. Kuhn will kein Jota nachgeben, wenn es um die Ausweisung neuer Bauflächen geht. „24 Prozent der Fläche Stuttgarts sind Wald, und 23 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt“, dozierte der OB, „und ich will, dass es so bleibt. Wir werden das Problem nicht auf dem Acker lösen.“

Auch an dem Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) will Fritz Kuhn ohne Wenn und Aber festhalten. „Überall, wo gebaut wird, muss der Wohnungsanteil mindestens bei 20 Prozent liegen“, so Kuhn, „und 20 Prozent davon müssen wiederum sozial gefördert sein.“

Branche wartet auf schlüssige Zukunftskonzepte der Verwaltung

All das löste bei den Immobilien-Experten nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Klaus Vogt, der frühere Wirtschaftsförderer, spricht sogar von „spürbaren Spannungen zwischen der Immobilienwirtschaft und der Rathausspitze“. Tatsächlich wartet die Branche auf schlüssige Zukunftskonzepte der Verwaltung. „Derzeit laufen viele Projekte noch, deshalb ist die Stimmung in der Branche nicht schlecht“, sagt Michael Bräutigam, Geschäftsführer von Colliers Stuttgart, „aber die Frage lautet: Was passiert im Zeitraum zwischen 2016 und 2022? Welche Potenziale gibt es da in der Stadt?“

Die Lieblingsantwort des OB dazu lautet: Innenentwicklung. Also die städtebauliche Strategie, den zukünftigen Flächenbedarf durch bereits erschlossene Flächen zu decken. Auch Ex-Wirtschaftsförderer Klaus Vogt sieht hier Potenziale. Er rät dazu, noch einmal darüber nachzudenken, den Pragsattel für den Wohnungsbau zu erschließen. Zudem hat er in der Immobilienwirtschaft „einen neuen Trend“ ausgemacht: die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum. „An diesen Bestand an Büros muss man auch in Stuttgart herangehen“, sagt Vogt.

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