Der Wohnwagen eines Korber Ehepaars wird gewogen. Das Ergebnis erstaunt auch die Besitzer. Foto: Gottfried Stoppel

Verträgt der Wohnwagen einen Kühlschrank oder einen Fahrradträger? Bei einer Wiegeaktion von Landkreis und Polizei erfahren rund 40 Besitzer in Urlaubslaune zum Teil Überraschendes.

Schorndorf - Geahnt haben sie schon, dass es knapp werden könnte, mit so wenig Spielraum hätten Sabine und Karl-Heinz Finsterwalder dann aber doch nicht gerechnet: „In Ihrem Auto haben Sie noch 360 Kilo Luft – im Anhänger nullkommanull“, lautet die Analyse von Andreas Brieden, „da sollten Sie besser nichts mehr reinpacken“.

Der Polizeihauptkommissar Brieden arbeitet beim Verkehrskommissariat Backnang. Normalerweise hat er den Schwerlastverkehr im Blick, an diesem Samstag leiht er seine Expertise Campern. Auf dem Gelände der Straßenmeisterei in Schorndorf haben das Landratsamt und die Polizei Fahrern von Wohnwagen und Wohnmobilen einen kostenlosen Beratungs- und Wiegetermin angeboten – bereits zum neunten Mal in jährlicher Folge, wie der Leiter des Kreisordnungsamtes, Roman Böhnke, betont. Ein schöner Termin, der sich bewährt habe, wie Böhnke hinzufügt: „Wir können präventiv helfen und sind mal nicht die Bösen, die Bußgelder aussprechen.“

Rund 40 Anmeldungen zur Wiegeaktion

Der Bedarf an Beratung scheint in diesem Jahr besonders groß zu sein. Rund 40 Anmeldungen sind im Landratsamt eingegangen, die Experten lassen die Wohnwagen im Fünf-Minuten-Takt auf die mobile Waage des Ordnungsamts rollen. Manche kommen bereits vollgeladen und quasi abfahrtbereit, andere wollen ergründen, wie viel an Gepäck sie ihrem Gefährt noch zumuten können. Denn das, weiß Roman Böhnke aus Erfahrung, ist oft weit weniger als man denkt. „Der große Stauraum kann tückisch sein. Ein bisschen Zusatzausstattung, ein Kühlschrank etwa, und schon ist man schnell am Limit.“

Eine Überladung wiederum kann nicht nur gefährlich werden, sondern auch teuer und ärgerlich. Neben Bußgeldern von bis zu 425 Euro droht bereits ab einem Plus von fünf Prozent ein Punkt in Flensburg. Und Deutschland sei da im Gegensatz zu manch anderem europäischen Nachbarland noch ziemlich moderat.

Für die Finsterwalders hat sich der Ausflug von Korb nach Schorndorf auf jeden Fall gelohnt. Ihren „Südwind“ haben die beiden zwar schon seit 16 Jahren, doch in dieser Zeit ist der auch an Ausstattung reicher geworden. Eine Markise hier, eine Klimaanlage dort, zuletzt hat man sich eine elektrische Rangierhilfe gegönnt. Im Ergebnis ist nun ziemlich genau das zulässige Gesamtgewicht erreicht. „Gut, dass wir hier waren“, sagt Karl-Heinz Finsterwalder, „denn das hat mich doch etwas überrascht. Wir hatten eigentlich überlegt, noch einen Fahrradträger an den Wohnwagen zu machen.“ Nun muss es eben bei den Klapprädern bleiben, die noch gut im Zugfahrzeug untergebracht werden können – ebenso wie die Reisetaschen mit der Bekleidung.

Bleibt nur noch die Frage des Urlaubsziels

Noch etwas spezieller sind die Umstände bei Bernhard Elser, beziehungsweise seinem Wohnmobil. Bei seinem Gefährt, Typ Chanson, stellt sich heraus, dass die hintere Achslast zu hoch ist. Weil vorne wiederum noch locker 200 Kilogramm möglich sind, wird er jetzt ein wenig umpacken. Auch sein rollendes Hotel ist in den acht Jahren, in denen er unter anderem schon das Nordkap umrundet hat, ausstattungsmäßig gewachsen. Die zusätzlich beschwerende Achslast könnte die Batterie sein, die mit dem nachträglich angeschafften Solarpanel auf dem Dach verbunden ist, vermutet der Polizeihauptkommissar Brieden.

Mit ein bisschen Gepäckumschichten müsste das Problem im Elserschen Wohnmobil gelöst werden können. Das größere Problem ist für ihn in diesem Jahr, wie auch für die Finsterwalders, wohin die Reise gehen soll. Beide hatten eigentlich Kroatien als Ziel auserkoren. „Das werden wir wegen der steigenden Coronazahlen aber wahrscheinlich lieber sein lassen“, sagt Bernhard Elser. „Aber da haben wir mit unserem Wohnmobil ja den großen Vorteil: wir sind absolut flexibel.“

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