Jutta E. und Rudolf K. in ihrem neuen Domizil. Ende März wollen sie einziehen. Foto: factum/Weise

Am Tag nach Weihnachten wurde einem Waldenbucher Ehepaar die Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt. Wir haben uns erzählen lassen, wie nervenaufreibend die Wohnungssuche in Stuttgart und der Region unter Zeitdruck ist.

Waldenbuch - Es war der 27. Dezember, der Tag nach Weihnachten, als Jutta E. (61) die Hiobsbotschaft erhielt. Die Assistentin unserer Lokalredaktion kam nach der Arbeit nach Hause in ihre Wohnung in Waldenbuch. Ihr Mann, Rudolf K., hielt ihr eine Kündigung der Vermieterin wegen Eigenbedarfs hin. „Ich konnte es kaum glauben, wir hatten doch wenige Tage vorher noch Mailkontakt mit unserer Vermieterin aufgrund der Heizung – und sie hatte das mit keiner Silbe erwähnt“, sagt Jutta E. und seufzt.

In den kommenden Tagen konnte die 61-Jährige kaum schlafen, so sehr trieb sie die Kündigung um. Auf dem Schreiben stand, dass das Waldenbucher Paar bis zum 31. März 2018 ausziehen müsse, andernfalls drohe eine Räumungsklage. „Wir sind erst im September 2016 eingezogen, haben neue Möbel gekauft, wollten dort alt werden, haben uns bewusst für eine Erdgeschosswohnung entschieden mit einem Einkaufszentrum und Ärzten direkt um die Ecke“, sagt die 61-Jährige und seufzt.

Nur zwei Vermieter antworten auf die Bewerbungen

Noch am selben Abend begann das Ehepaar im Internet nach Wohnungen zu suchen. „Wir haben gemerkt, dass die Wohnungen, die im Netz angeboten werden, zu teuer für uns sind. Dort sind für Wohnungen mit 70 bis 80 Quadratmetern zwischen 950 bis 1100 Euro Kaltmiete üblich.“ Bisher hatten der Architekt und die Sekretärin für die 78-Quadratmeter-Wohnung in Waldenbuch 950 Euro Warmmiete bezahlt. Trotzdem bewarb sich das Paar auf zehn Inserate aus dem Netz – erfolglos.

„Wir erhielten nur von zweien eine Antwort und vereinbarten dort einen Besichtigungstermin.“ Allerdings war eine Wohnung schon vor dem ausgemachten Treffen vergeben, bei der anderen konnte das Ehepaar die Bedingungen nicht erfüllen: „Die Wohnung in Neuweiler (Kreis Böblingen) gefiel uns gut, die wäre perfekt gewesen. Aber wir mussten innerhalb von einem Tag beim Makler die drei aktuellsten Gehaltsabrechnungen, den Arbeitsvertrag, eine fünfseitige Mieterselbstauskunft und eine Schufa-Erklärung abgeben. Da wir noch nie vorher eine Schufa-Erklärung ­gebraucht hatten, mussten wir diese erst beantragen – und erhielten sie nicht mehr rechtzeitig.“

Eine Anzeige im Amtsblatt bringt Erfolg

Daraufhin probierte es das Paar über andere Wege. Die beiden schrieben Mails an den Gesamtverteiler ihrer Arbeitsstellen, doch obwohl sie einige Rückmeldungen erhielten, war nichts Passendes und Bezahlbares dabei. Erfolg brachte dem Paar erst eine Suchanzeige, die es in Zeitungen und Amtsblättern drucken ließ: „Das Telefon stand nicht mehr still. Das hat uns völlig überrascht, wir waren schon so hoffnungslos“, berichtet Jutta E.

Innerhalb eines Wochenendes besichtigte das Paar sieben Wohnungen. Am Sonntagmorgen war die richtige dabei – in Waldenbuch, nur wenige Meter entfernt von ihrer bisherigen Adresse: „Wir sahen uns an, und es war sofort klar, dass wir dort einziehen wollen. Die Wohnung ist toll hergerichtet, das Haus gepflegt und mit 990 Euro Warmmiete bezahlen wir nur 40 Euro mehr als bisher – obwohl die Wohnung zehn Quadratmeter größer ist.“ Noch vor Ort bekundete das Paar großes Interesse, einen Tag später sagten die beiden zu – und erhielten auch die Zusage der Vermieter. Seit wenigen Tagen haben sie die Schlüssel, der Umzug ist für 24. März geplant.

Der Umzug wird teuer

Einen Wermutstropfen gibt es aber: In der neuen Wohnung gibt es keine Küche. „Beim Küchenkauf haben wir festgestellt, dass die preiswerteren Küchen sehr lange Lieferzeiten haben. Darum haben wir nun doch eine teurere bestellt.“ Dazu kommen die Umzugskosten. Da der Ehemann kürzlich eine Operation hatte, brauchen die beiden professionelle Hilfe und rechnen mit Kosten von 1700 bis 1800 Euro.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass diese Wohnung nun wirklich der Altersruhesitz des Paares wird. „Unsere Vermieter sind im selben Alter wie wir und sehr nett. Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Jutta E.

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