Gordana Caleta-Jovic hat keine Wohnung, sie lebt mit anderen Frauen in einer Unterkunft in Leinfelden-Echterdingen. Der Weg zurück in eine normale Mietwohnung ist steinig.
Die Hoffnung hat sie nicht verloren. Bald zwei Jahre wohnt Gordana Caleta-Jovic in einer städtischen Unterkunft für Obdachlose in Leinfelden-Echterdingen. Aus ihrer Wohnung musste sie Ende 2020 ausziehen. „Ich habe keine neue Wohnung gefunden. Alles war zu teuer“, berichtet die 42-Jährige. Nun lebt sie mit anderen Frauen in einer Art Wohngemeinschaft. Küche und Bad werden geteilt. Immerhin kann sie ein Zimmer alleine bewohnen. Das ist nicht selbstverständlich in der Unterkunft. Und sollten weitere Frauen ein Dach über dem Kopf brauchen, könnte in Gordana Caleta-Jovics Zimmer eine ihr vollkommen Fremde mit einziehen.
Das Zusammenleben dort ist aber auch sonst nicht immer einfach. Oft gebe es Streit wegen Kleinigkeiten, erzählt Gordana Caleta-Jovic. „Jeder hat sein Schicksal.“ Die Frauen haben sich ja nicht freiwillig auf diesem engen Raum zusammengefunden. Und so treffen Charaktere aufeinander, die besser oder schlechter miteinander auskommen. Gordana Caleta-Jovic ist zufrieden mit ihrem Zimmer. „Ich fühle mich wohl“, sagt sie. Sie hat sich arrangiert, hadert nicht mit der Situation.
Sie bezieht eine kleine Rente
Nach Deutschland gekommen ist Gordana Caleta-Jovic vor 22 Jahren. Aus Bosnien sei sie mit einer Freundin in die Bundesrepublik gereist, um hier zu arbeiten. Einige Jahre war sie als Küchenhilfe in der Gastronomie beschäftigt. Doch eine schwere Krankheit machte ihr das Arbeiten irgendwann unmöglich. Von ihrem Mann hat sie sich getrennt. Sie bezieht eine kleine Rente. Rund 500 Euro habe sie monatlich zum Leben. Geld aus ihrer Rente noch für die Miete zuschießen, das gehe kaum. Es sei „nicht so leicht“ mit 500 Euro im Monat auszukommen. Dass die Preise für Lebensmittel zuletzt angezogen haben, macht es noch schwerer.
Wegen ihrer gesundheitlichen Probleme muss Gordana Caleta-Jovic immer wieder ins Krankenhaus und zum Arzt. Auch das verkompliziere die Wohnungssuche. Sie ist auf die Nähe zu ihren Ärzten und einem Krankenhaus angewiesen. Außerdem habe sie Freunde und Bekannte in der Stadt. Ein Auto hat sie nicht.
Viele Obdachlose haben eine Gehhilfe
Welche Schwierigkeiten Menschen bei der Wohnungssuche haben, das weiß auch Susanne Launer. Sie ist bei der Stadt Leinfelden-Echterdingen für die Unterbringung von Obdachlosen zuständig. Ein großes Problem sei, dass viele Sozialwohnungen nicht barrierefrei seien und viele Obdachlose gleichzeitig eine Gehhilfe hätten.
Nicht immer träfe Obdachlosigkeit Menschen, die von Transferleistungen lebten. „Es gibt auch Leute, die Jobs haben“, so Susanne Launer. Der angespannte Wohnungsmarkt sei nicht die einzige Hürde bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. Zuweilen hätten manche Suchende Krankheiten, psychische Probleme oder seien süchtig, was die Wohnungssuche auf eigene Faust erschwere. Das Ziel der Stadt sei es, dass die Bewohner der Obdachlosenunterkunft wieder zur Miete irgendwo unterkommen.
Das wünscht sich die Obdachlose
Für die wenigen Wohnungen, die neu vermietet werden, gibt es allerdings viele Bewerber. „Wenn man anruft, ist die Wohnung schon vergeben“, berichtet Gordana Caleta-Jovic. Außerdem seien die verlangten Mieten oft so hoch, dass sie vom Amt nicht vollständig bezahlt werden. Und eine weitere Einschränkung gibt es bei der Wohnungssuche: Die Wohnung sollte möglichst barrierefrei sein. Aufgrund ihrer Krankheit hat die 42-Jährige Probleme beim Laufen, war zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen. Den baucht sie nun nicht mehr. Das Treppensteigen bereitet ihr aber weiterhin Probleme. Ideal wäre eine Zwei-Zimmer-Wohnung ohne Treppe für nicht mehr als 500 Euro Miete im Monat.