Auch Esslingen ist in Sachen Wohnungen ein teures Pflaster. Foto: Horst Rudel

In Stuttgart wird es teurer, in den angrenzenden Kreisen stellt sich die Lage unterschiedlich dar. Unverändert groß ist aber laut den Experten die Nachfrage nach Wohnraum.

Stuttgart - Während in Stuttgart die Preise und Mieten für Einfamilienhäuser und Wohnungen weiter steigen, stellt sich die Situation in der Kreisstädten rund um die Landeshauptstadt differenzierter dar. Das hat das Marktforschungsinstituts des Immobilienverbands Deutschland (IVD) festgestellt, das am Donnerstag seinen Marktbericht für die Region Stuttgart vorstellte. „Wir haben nach wie vor steigende Preise, doch das Wachstum bremst sich ab“, sagte Professor Stephan Kippes, Leiter des Instituts.

Unverändert sei das Preisniveau in Stuttgart aber deutlich höher als in den Kreisstädten drumherum. „Das ist eine andere Klasse“, sagte Kippes. Nur ein Beispiel: Bei fast einem Drittel der Neuverträge lag 2018 in Stuttgart die Miete bei 15 Euro pro Quadratmeter und mehr, in Böblingen waren es 12,5 Prozent, in Ludwigsburg, Esslingen und Waiblingen zwischen sieben und acht Prozent, in Reutlingen (3,1 Prozent) und Göppingen (1,7 Prozent) sogar noch weniger. Gerade umgekehrt ist es bei preiswertem Wohnraum: In Göppingen wurden 2018 mehr als 90 Prozent der Neuverträge mit einer Miete von weniger elf Euro abgeschlossen, in der Stadt Stuttgart lag dieser Anteil nur bei 20 Prozent.

Karges Wohnungsangebot macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen blieben zwischen Frühjahr und Herbst 2018 in Waiblingen, Ludwigsburg und Böblingen konstant, in Göppingen (1,9 Prozent) und Reutlingen (2,1 Prozent) gab es moderate Erhöhungen. Am stärksten gestiegen sind sie in Stuttgart (4,2 Prozent) und Esslingen (5,6 Prozent).

Ähnlich war die Situation bei freistehenden Einfamilienhäusern. In Ludwigsburg und Böblingen wurden stabile Preise verzeichnet, in Reutlingen, Göppingen, Esslingen und Stuttgart gab es Anstiege zwischen 2 und 3,2 Prozent, den höchsten Zuwachs hatte Waiblingen mit 5,3 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf Objekte mit einem guten Wohnwert.

Die Mietzuwächse bei Bestandswohnungen lagen zwischen Frühjahr und Herbst 2018 laut IVD in Reutlingen bei 2 Prozent, in Göppingen bei 2,8 Prozent, in Stuttgart bei 2,9 Prozent, in Esslingen bei 3,2 Prozent und in Waiblingen bei 5,3 Prozent. In Ludwigsburg und Böblingen war das Mietniveau konstant.

Unverändert groß sei die Nachfrage nach Wohnraum. „Sie bleibt auf einem hohen Niveau“, sagte Kippes. Mittlerweile mache sich das karge Wohnungsangebot auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Unternehmen hätten Probleme, Beschäftigte zu finden. Die Knappheit werde regionsweit fortbestehen, erklärten mehrere IVD-Makler, weil zu wenig Bauland ausgewiesen werde und Genehmigungsverfahren zu lange dauerten. Auch Quoten für Sozialwohnungen und energetische Auflagen verteuerten die Immobilien. Dabei sei wegen des anhaltenden Zinstiefs Wohnraum so günstig zu finanzieren, wie lange nicht mehr. „Auch der viel zitierte Polizist kann sich heute ein Reihenhaus in den Kreisen der Region leisten, vor 20 Jahren konnte er das nicht“, sagte Makler Claus Falkenberg.

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