Um die richtige Strategie im Wohnungsbau wird erbittert gestritten. Erfahrene Stadtplaner sagen nun: die Politik hat gar keine Strategie. Foto: dpa

Die Politik hat keine Strategie gegen den Wohnungsmangel und sie will auch keine. Das ist einer der Vorwürfe, den Richard Reschl und Karl-Heinz Walter in Richtung der Politik erheben.

Stuttgart - „Die Politik überlässt das Thema Wohnungsbau den Populisten.“ Dieser Satz stammt von Richard Reschl, Professor für Stadtplanung in Stuttgart. Zusammen mit seinem Kollegen Karl-Heinz Walter gehen die beiden im Interview mit unserer Zeitung hart mit der Politik ins Gericht. „Es wird Politik für Besserverdiener betrieben, die schon Wohnraum haben“, kritisiert Walter. Die beiden sind sich einig: die Politik im Südwesten bearbeitet das Thema Wohnen vielerorts ohne jedes ernst zu nehmende Konzept. „Das Problem an einer echten Strategie ist, dass sie mit konkreten Zahlen hinterlegt werden muss. Damit macht man sich aber überprüfbar und ein Scheitern wäre offensichtlich“, so Walter im Interview.

Mit dem aktuellen Themen wie Hausbesetzung und Enteignung gehen Walter und Reschl kritisch um. „Es wäre die Aufgabe der Politik, dieses Thema inhaltlich seriös zu besetzen und es nicht den Populisten zu überlassen. Wir diskutieren ja sogar über Hausbesetzungen, ohne dass es strukturellen Leerstand gibt“, erklärt Reschl.

Auf die Frage, ob die Politik mit ihrer Strategie, die Wohnungskrise auszusitzen, erfolg haben könnte, sagt Reschl: „Ganz entschieden Nein. Der Satz, „Wir werden weniger“ stimmt schon lange nicht mehr.“

Eine Lösung der Wohnungsfrage, die allen Seiten gefallen wird, wird es aus Sicht der beiden Experten nicht geben. Sie sprechen sich sowohl für verstärkten Neubau, auch im Außenbereich der Städte, sowie gegen den Verkauf von städtischem Grund und Boden an private Investoren aus. Damit liegen die Experten, die die Politik im gesamten Land in Sachen Stadtplanung beraten, im deutlichen Widerspruch zur politischen Richtung des Stuttgarter Rathauses.

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