Wer in Stuttgart eine neue Bleibe sucht, muss sich oft gedulden. Menschen, die auf eine Sozialwohnungen angewiesen sind, haben es bei der Suche besonders schwer. Foto: Leif Piechowski

In Stuttgart sollen laut Zielvorgabe der Stadt künftig jedes Jahr 1300 bis 1800 neue Wohnungen realisiert werden. Größte Baustellen auf dem Wohnungsmarkt sind derzeit der Sozialwohnungsbau, die energetische Sanierung und – in Zukunft – fehlender geeigneter Wohnraum für hochbetagte Bürger.

In Stuttgart sollen laut Zielvorgabe der Stadt künftig jedes Jahr 1300 bis 1800 neue Wohnungen realisiert werden. Größte Baustellen auf dem Wohnungsmarkt sind derzeit der Sozialwohnungsbau, die energetische Sanierung und – in Zukunft – fehlender geeigneter Wohnraum für hochbetagte Bürger.

Stuttgart - „Um dem Wohnungsmangel zu begegnen, benötigen wir in Zukunft 1800 neue Wohnungen im Jahr“, sagte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) im Rathaus bei der Vorstellung des Wohnungsmarktberichts  2012.

Das statistische Amt nennt in dem Bericht die Zahl von 1300 Wohnungen. Diese seien nötig, um in Stuttgart die derzeitige Einwohnerzahl von 580.000 Menschen „stabil“ zu halten. Weil Stuttgart in den letzten Jahren aber „dynamisch in erheblichen Größenordnungen wächst“ (Föll), peilt das Rathaus ein höherer Zuwachs an. In den Jahren 2008 bis 2013 hat die Landeshauptstadt – bereinigt um Erst- und Zweitwohnsitze –, rund 24.000 Neubürger hinzugewonnen.

Mit rund 1500 fertiggestellten Wohnungen zwischen 2008 und 2011 habe man sein Soll erreicht und 2012 mit 1881 Wohnungen sogar „deutlich übertroffen“, betonte Föll. Auch das zeige, dass die von OB Fritz Kuhn (Grüne) in dessen Konzept „Wohnen in Stuttgart“ genannte Zielvorgabe von künftig 1800 neuen Einheiten „durchaus erreichbar und realistisch“ sei, sagte Föll. Er kündigte an, dass das Konzept, das der OB im Ende 2013 vorgestellt hatte, Mitte Februar erstmals im Gemeinderat zu Debatte steht. Man strebe auch „zeitnahe Umsetzungsbeschlüsse“ an, ergänzte Föll.

Beim sozialen Wohnungsbau habe die Stadt dagegen noch sehr viel Arbeit vor sich, bekannte Föll. Von 2016 an sollte rund ein Drittel der 1800 neuen Wohnungen sozial geförderte Wohnungen sein. „Das ist ein ambitioniertes Ziel, das uns erhebliche Kraftanstrengen kosten wird“, sagte Föll. In der städtischen Notfallkartei stehen zudem regelmäßig rund 3000 Haushalte, die dringend eine Wohnung benötigen.

Im Zeitraum 2008 bis 2012 ist der Bestand der sozial geförderten Wohnungen laut dem Bericht von 20 502 auf 18 945 Wohnungen zurückgegangen.Im Jahr 2012 wurden in Stuttgart nur 86 Sozialwohnungen neu bewilligt. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 362 Wohnungen. Seit 2013 steigen die Förderanträge aber landesweit wieder stark an. Der Grund für den „Nachfrageschub“ sei die neue Landeswohnraumförderung, wie der dafür verantwortliche Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) mitteilte. Die Stadt setzt aber nicht nur auf neue Sozialwohnungen, sondern auch auf die Nachsubventionierung vorhandener Immobilien

Auch bei einer weiteren Großbaustelle, der energetischen Gebäudesanierung, liegt die Lösung nach Ansicht der Stadt nicht im Rathaus, sondern im Landtag beziehungsweise im Bundestag. Seit 1998 wurden zwar über 13 288 Wohnungen für 243 Millionen Euro saniert, wobei die Stadt zehn Prozent der Kosten als Förderung übernommen hat. „Trotzdem haben wir erheblichen Nachholbedarf, den Wohnungsbestand ökologisch zukunftsfähig zu machen“, sagte Föll.

Angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen sei es mit den gängigen, aber nur unwesentlich günstigeren Krediten der öffentlichen KfW- Bank nicht getan, kritisierte Föll: „Die energetische Sanierung braucht steuerliche Anreize. Es ist ein Fehler, dass das nicht im Regierungsprogramm der Großen Koalition steht.“ Die CDU im Gemeinderat hat am Freitag beantragt, dass die energetische Sanierung auch bei Umwandlungen von Nicht-Wohngebäude in Wohngebäude förderfähig sein soll. Das ist bisher nicht der Fall.

Ein Problem, das sich bereits deutlich abzeichnet und im Zuge des demografischen Wandels deutlich verschärfen wird, ist der Mangel an geeignetem Wohnraum für Hochbetagte. Derzeit leben in Stuttgart 101 000 Senioren über 65 Jahren in 75 000 Haushalten. Obwohl in jedem fünften Haushalt bereits ein körperlich eingeschränkter oder pflegebedürftiger Mensch wohnt, sind nur zwei Prozent der Seniorenwohnungen vollständige barrierefrei. Nur jede siebte Wohnung hat ein barrierefreies Bad; bei 87 Prozent der Seniorenwohnungen erschweren Hindernisse den Zugang ins Gebäude.

Der Bericht „Wohnungsmarkt in Stuttgart 2012“ mit 225 Seiten Statistiken, Erläuterungen und Grafiken kostet elf Euro und ist beim Statistischen Amt erhältlich.

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