Vielen Stuttgartern galoppieren die Mietkosten davon. Foto: dpa

An den hohen Mieten in der Landeshauptstadt wird sich wenig ändern, sagt Klaus Lang, Vorsitzender von Haus und Grund Stuttgart. Der Verein sieht daher den Staat in der Pflicht, damit sich auch weniger Betuchte hier eine Wohnung leisten können.

An den hohen Mieten in der Landeshauptstadt wird sich wenig ändern, sagt Klaus Lang, Vorsitzender von Haus und Grund Stuttgart. Der Verein sieht daher den Staat in der Pflicht, damit sich auch weniger Betuchte hier eine Wohnung leisten können.

Stuttgart - An grüner Politik hat sich die Haus- und Grundbesitzerlobby immer gerne gerieben. Auch fürs turnusgemäße Gespräch mit Medienvertretern haben Klaus Lang, Vorsitzender von Haus und Grund Stuttgart, und dessen Geschäftsführer Ulrich Wecker ein entsprechendes Thema gewählt. Eine „grüne Zwangsbeglückung“ stelle der neue Radweg in Bad Cannstatt dar, schimpfte Wecker am Freitag. Radverkehrsförderung ja, aber nicht um den Preis, dass Autofahrer den Stau auf Schleichwegen durch die Wohngebiete umfahren. Grünen-Schelte Nummer zwei: Die geplante Radstellplatzpflicht in der Landesbauordnung, wonach Eigentümer neben einem Pkw-Parkplatz auch zwei Fahrradstellplätze pro Wohnung vorzuhalten hätten, sei „ein Irrwitz“, so Wecker. Er bedient dabei das Klischee vom Volk der Radfahrer in Fernost. Bei 300 000 Wohnung in der Landeshauptstadt bedeute das 600 000 Abstellplätze für Räder, „das wären wahrscheinlich mehr als in der chinesischen Hauptstadt Peking“.

Beim Thema Wohnungsmangel liegen die Haus-und-Grund-Funktionäre und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) vermutlich nicht in allem meilenweit auseinander. Den Rückgang im Sozialwohnungsbau in Stuttgart habe man als erste Institution schon vor zwei Jahren kritisiert, so Lang. Mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWSG habe die Stadt das geeignete Instrument gegenzusteuern. Da aber ein Großteil der 18 000 von der SWSG betreuten Wohnungen ohne Sozialbindung seien, müsse Kuhn „den Marschbefehl ändern“.

Von der von der grün-roten Landesregierung angestrebten, aber verschobenen Einführung einer Mietpreisbremse halten Wecker und Lang nichts. Die Gesellschaft, nicht die Wohnungswirtschaft müsse hier einen Ausgleich schaffen. „Einkommenschwächere sollten Wohngeld erhalten, um sich am Markt um Wohnungen bewerben zu können.“ Eine Mietpreisbremse sei in Wirklichkeit sozial ungerecht, da Betuchte an günstigen Wohnraum gelangen, obwohl sie sich teurere Wohnungen leisten könnten.

Im Grunde sei „die Wohnraumversorgung in Stuttgart aber gedeckt“, befindet Ulrich Wecker. Die Stadt selbst habe noch 2011 den Wohnungsmarkt ähnlich bewertet. Bei Haus und Grund sieht man die Lage auf dem Wohnungsmarkt daher nicht so dramatisch wie etwa der Mieterverein, „wenngleich wir die Probleme nicht kleinreden wollen“. Lang und Wecker führen als Beleg die Bürgerumfrage 2013 der Stadt Stuttgart an. Dieser zufolge ist die überwiegende Mehrheit der Stuttgarter mit ihrer Wohnung respektive mit ihrem Wohnumfeld zufrieden.

Im Bemühen, Wohnungen zu schaffen, würden Hausbesitzern aber oft genug Hindernisse in den Weg gelegt. Den Denkmalschutz zu lockern könne helfen, so Lang. Bei dem begrenzten Platz in der Innenstadt müsse auch ein verstärktes in die Höhe bauen möglich sein. Wecker hat bei den politischen Entscheidungsträgern eine gewisse Unehrlichkeit ausgemacht: Wer Platzmangel beklagt, müsse eben hie und da Wohnungsbau im Grünen an den Rändern der Gemarkung ermöglichen. „Nur aus ideologischen Gründen kann das kein Tabu sein.“ Potenzial sieht die Eigentümerlobby im Bahnprojekt Stuttgart 21. Auf den frei werdenden Gleisflächen „hat die Stadt Eigentums- und Planungsrecht“, so Lang. Wecker erklärt überdies, dass Wohnbaupolitik nur regionweit sinnvoll betrieben werden könne.

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