Ein großer Teil der Wohnungen in Stuttgart geht unter der Hand weg. Foto: dpa/Marijan Murat

Dass Wohnungen in Stuttgart meist unter der Hand vergeben werden, haben die meisten schon am eigenen Leib erfahren. Doch eine Umfrage der Stadt für den aktuellen Mietspiegel hat ein überraschendes Ergebnis erbracht.

Stuttgart - Mieter, die für die Wohnungssuche einen Makler beauftragt haben, zahlten in Stuttgart im Schnitt zuletzt weniger Miete. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung im Rahmen der Befragung für den Stuttgarter Mietspiegel 2019/2020, die das Amt für Statistik jüngst veröffentlicht hat. Demnach waren die Wohnungen, die ein Makler für einen Mieter gefunden hatte, im Durchschnitt rund 20 Cent pro Quadratmeter günstiger, als Wohnungen die über private Kontakte gefunden wurden.

Warum das so ist, konnte Tobias Held vom Statistischen Amt der Stadt Stuttgart nicht genau erklären. Bei Größe und Ausstattung seien die Wohnungen im Schnitt nicht von denen abgewichen, die über private Kontakte vermittelt würden. Eine Rolle könnte die kleinräumige Lage in einem Stadtteil – also etwa die Lage an einer Hauptstraße spielen, vermutet er. Dieses Merkmal wurde so allerdings nicht abgefragt.

Erstmals Umfrage zu Neuvermietung

In der Umfrage für den Mietspiegel 2019/2020 im vergangenen Jahr wurde erstmals gefragt, wie ein Mieter bei einer Neuvermietung auf die Wohnung aufmerksam geworden ist. Ausgewertet wurden die Antworten von Mietern, die in den vorangegangenen zwei Jahren neue Wohnung gefunden hatten. Insgesamt sind der Umfrage zufolge 42 Prozent der Mietwohnungen, die in den zwei Jahren zuvor neu bezogen wurden, über einen Makler vermittelt worden. Bei 30 Prozent hatte der Mieter, bei 12 Prozent der Vermieter den Auftrag gegeben.

Und hier gibt es laut den Statistikern einen entscheidenden Unterschied: Wenn der Vermieter den Makler beauftragt hatte, waren die Wohnungen im Schnitt um 80 Cent pro Quadratmeter teurer als Wohnungen, in denen keiner eingeschaltet wurde. Diese Wohnungen hätten im Schnitt eine etwas bessere Ausstattung. „Offenbar beauftragen Vermieter eher für teurere Wohnungen einen Makler“, lautet der Schluss der Statistiker.

Großer Teil geht unter der Hand weg

Ein großer Teil der Wohnungen in Stuttgart wird aber ohnehin über persönliche Beziehungen vermittelt. 42 Prozent der Mieter wurden demnach über Freunde, Bekannte, Verwandte oder Kollegen auf ihre Wohnung aufmerksam oder haben ihren Vermieter direkt kontaktiert, zum Beispiel bei einem Wohnungswechsel im Haus. Die Vermieter fanden auf diesen Wegen – oder über die Empfehlung eines Vormieters – in 44 Prozent der Fälle ihre Mieter. Während 48 Prozent der Wohnungssuchenden noch über den klassischen Weg der Zeitungsannonce oder des Internetinserats fündig wurden, erreichten bei den Vermietern nur 36 Prozent ihren Mieter auf diesem Weg.

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