Die Neueröffnung des Marstall-Centers hat auch diesen Bereich der Innenstadt aufgewertet. Foto: factum/Granville

Der neue Mietspiegel zeigt: die Mieten in Ludwigsburg werden wieder einmal teurer. Die Barockstadt liegt bei der Durchschnittsnettomiete gleichauf mit Köln und Düsseldorf.

Ludwigsburg - Wir blicken immer mit Spannung auf die Entwicklung des Mietspiegels“, sagt Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. Die Überraschung bei der Präsentation des neuen Mietspiegels hält sich allerdings in Grenzen: Die Mieten in der Barockstadt sind in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen – von im Schnitt 8,36 Euro pro Quadratmeter auf 8,74 Euro pro Quadratmeter. Das entspricht einer Preissteigerung von 2,3 Prozent. Ludwigsburg liegt damit etwa gleichauf mit Städten wie Köln oder Düsseldorf. Überraschend: Hamburg liegt mit einer Durchschnittsmiete von 8,07 Euro pro Quadratmeter darunter.

Der neue Mietspiegel soll am 1. August 2017 in Kraft treten, wenn Sozialausschuss und Gemeinderat zugestimmt haben. Seigfried gibt sich optimistisch: „Der Anstieg ist geringer als beim letzten Mal.“ Dennoch: Die Miete sei immer noch einer der hauptsächlichen „Preistreiber für die Lebenshaltungskosten“. Auch Tobias Rienhardt vom Immobilienverband Deutschland-Süd ist überrascht: „Das hätte höher ausfallen können“, sagt er und fügt an: bei Neuvermietungen liege die Miete höher.

Außerdem: Auch in Stuttgart sind die Mieten im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt sehr hoch. Warum das so ist, erklärt StuggiTV im Video:

Eine Schlossallee hat Ludwigsburg nicht

Eine richtige Schlossallee à la Monopoly habe Ludwigsburg indes nicht, sagt Seigfried: „Bei uns ist das sehr kleinteilig.“ So gebe es „exquisite Mikro-Lagen“ mit entsprechenden Preisen an der Hartenecker Höhe und in der Oststadt. Rienhardt fügt noch die Favoritegärten, die Olgastraße sowie Teile der Südstadt als hochpreisige Gegenden an. Helga Schneller, Vorsitzende von Haus und Grund Ludwigsburg, merkt an, dass jene Leute, die es sich leisten könnten, beim aktuellen Zinsniveau ihr Geld lieber in eine eigene Wohnung investierten – mit dem Effekt, dass weniger Angebot auf dem Mietmarkt vorhanden sei. „Die Eigenbedarfskündigungen haben auch massiv zugenommen.“

Wie so oft ist der Preis hier auch Ausdruck des Marktgeschehens. Und zu jedem überteuerten Angebot muss sich erst einmal jemand finden, der es auch kauft. Diese Schwelle ist offenbar noch nicht überschritten: „Wenn der Mieter unter Druck ist und schnell etwas braucht, wird er jede Wohnung nehmen, die er bezahlen kann“, sagt Eckart Bohn , der Vorsitzende des Mieterbunds in Ludwigsburg.

100 neue Sozialwohnungen pro Jahr als Ziel

Ein Problem bekommt nur, wer sich keine Wohnung leisten kann. Aktuell seien 1000 Personen auf der Warteliste für bezahlbaren Wohnraum. „Im Moment bringen wir nicht mal mehr Notfälle unter“, sagt Seigfried. Eine Familie beispielsweise, die über kein geregeltes Einkommen verfüge, sei in der Obdachlosenunterkunft untergebracht worden. „Das sind Leute, die da nicht hingehören“, sagt Seigfried.

Im Januar 2016 habe die Stadt die Maxime ausgegeben, dass in Ludwigsburg pro Jahr 500 neue Wohnungen entstehen sollen, davon 100 Sozialwohnungen. „Davon sind wir deutlich entfernt“, sagt Seigfried. Das Hauptproblem seien die hohen Grundstückspreise. Hinzu komme, dass in den folgenden drei Jahren 178 Sozialwohnungen aus ihrer Bindung herausfallen. Man wolle, mit Hilfe neuer Zuschüsse vom Land, versuchen, die Wohnungen „zu halten, wo es geht“ und zusätzlich 100 weitere Wohnungen schaffen. Das laufende Gerichtsverfahren der Stadt gegen die privaten Wohnungsbauträger werde dieses Ziel unabhängig vom Verfahrensausgang nicht gefährden.

Gemeinsamer Mietspiegel der Nachbarkommunen

Ein Projekt, woran Haus und Grund und der Mieterbund ein gemeinsames Interesse haben, ist ein gemeinsamer Mietspiegel der Nachbarkommunen, der die Wohnungsmärkte im Landkreis vergleichbar macht. Denn laut Schneller erheben außer Ludwigsburg nur Bietigheim-Bissingen, Remseck und Ditzingen einen eigenen Mietspiegel. Andere Kommunen orientieren sich an Ludwigsburg. Man sei aktuell dabei, dafür Daten zu erheben. Eine genaue Berechnung liege noch nicht vor, aber eine ähnliche Analyse im Jahr 2012 habe ergeben, dass die Preise nördlich von Ludwigsburg fallen, während sie steigen, je näher man nach Stuttgart kommt. Auch das ist eigentlich keine Überraschung.

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