OB Matthias Klopfer (links) und EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter übergeben Eleonora Scandale und Mohamed Younes den Schlüssel für ihre neue Wohnung. Foto: Roberto Bulgrin

Die Esslinger Wohnungsbau (EWB) hat den ersten Bewohnern von 43 neuen geförderten Mietwohnungen im Ina-Rothschild-Weg 18/20 die Schlüssel übergeben. Seit 2019 hat die EWB rund 170 Wohnungen auf der Flandernhöhe gebaut. 30 weitere kommen noch dazu.

Esslingen - Eleonora Scandale und Mohamed Younes sind überglücklich. Mit den drei Kindern im Alter zwischen einem und 20 Jahren ist die 65-Quadratmeter-Wohnung in der Nachbarschaft für sie viel zu klein geworden. Jetzt können sie in eine nagelneue Vier-Zimmer-Wohnung im Ina-Rothschild-Weg 18 ziehen – mit 90 Quadratmeter, Fußbodenheizung, Laminat, zwei Bädern, Nahwärmeversorgung und dem Energiestandard KfW55. Mindestens genauso wichtig: „Wir bleiben bei unseren geförderten Mietwohnungen rund ein Drittel unter der örtlichen Vergleichsmiete und liegen damit bei rund acht Euro pro Quadratmeter“, betont Hagen Schröter, Geschäftsführer der Esslinger Wohnungsbau (EWB). Voraussetzung für den Bezug ist ein Wohnberechtigungsschein, alle Wohnungen sind bereits vergeben. Das Haus mit den zwei Eingängen 18 und 20 am Ina-Rotschild-Weg besteht aus „43 öffentlich geförderten Mietwohnungen mit 14 unmittelbaren Belegungsrechten für die Stadt Esslingen“. Weil die EWB die Rechte auch auf andere Gebäude verteilen kann, hat die Stadt für die restlichen 29 Neubauwohnungen 39 Belegungsrechte in bestehenden Häusern der EWB bekommen. Schröter beziffert die Kosten für den Neubau, den die Firma Gottlob Rommel als Generalunternehmen trotz Pandemie ohne Zeitverluste und zusätzliche Kosten über die Bühne gebracht hat, auf zwölf Millionen Euro.

 

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Die Tiefgarage und der Innenhof werden mit den Nachbarhäusern genutzt. Dort hat die EWB 64 neue Eigentumswohnungen gebaut, die im Bezug oder kurz davor sind. Bereits 2019 sind unter ihrer Regie in der benachbarten Straße Am schönen Rain 28 Mietwohnungen, ein Wohncafé und ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen entstanden. Und wenn das Wohnungsbauunternehmen ab Ende 2022 die letzte noch verbliebene Lücke auf dem Areal der ehemaligen Funkerkaserne mit 30 Eigentumswohnungen über einer Tiefgarage füllen wird, hat sie innerhalb von wenigen Jahren auf der Flandernhöhe 200 neue Wohnungen gebaut.

Wohnraum für Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen

Dazu kommen noch die umgebauten Kasernengebäude und die Gebäude an der Rotunde aus den 1990er-Jahren. Denn bei der Flandernhöhe handelt es sich um das Areal der ehemaligen Funkerkaserne. Als es 2015 darum ging, die letzten noch verbliebenen Freiflächen dort zu überbauen, gab es massiven Protest aus der Nachbarschaft. Denn sie sollten dichter bebaut werden, als es der Bebauungsplan vorsah, der auf einem städtebaulichen Wettbewerb fußte. Zudem befürchteten die Anwohner eine Verschattung ihrer Wohnungen.

Resultat war ein städtebaulicher Vertrag im Jahr 2017. Darin verpflichtete sich die Esslinger Wohnungsbau, nach dem Wohnraumversorgungskonzept der Stadt zu bauen, um auch Platz für Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu schaffen. Demgemäß musste die EWB besagte 43 öffentlich geförderte Mietwohnungen mit Belegungsrechten für die Stadt schaffen. Zudem räumte das Wohnungsbauunternehmen der Stadt weitere 28 Belegungsrechte aus seinem Bestand ein. Von den Eigentumswohnungen, die auf der Flandernhöhe entstehen sollten, durfte sie nur 30 frei vermarkten. Die anderen 50 waren, beziehungsweise sind Familien mit einem mittleren Einkommen vorbehalten. Als Ausgleich für den Bolzplatz stiftete die EWB der benachbarten Grundschule St. Bernhardt ein Spielgerät und sorgte auf dem Parkhaus der Hochschule für Sportflächen. Zudem baute sie im Quartier eine gemeinschaftliche Spielanlage.

Wohnungen mit hoher Energieeffizienz

Oberbürgermeister Matthias Klopfer, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Esslinger Wohnungsbau, würdigte bei der Schlüsselübergabe die Qualität der öffentlich geförderten Wohnungen. Der hohe Energiestandard sichere den Mieterinnen und Mietern zudem zu, „dass auch die zweite Miete, also die Nebenkosten, bezahlbar sind“.

Die Sozialwohnungen im Ina-Rothschild-Weg sind noch nach dem alten Landeswohnraumförderprogramm gebaut worden. Auf der Flandernhöhe kann die Stadt deshalb ihre Belegungsrechte noch alleine nutzen, während bei Objekten, die nach der neuen Gesetzeslage gefördert werden, auch auswärtige Bewerberinnen und Bewerber zum Zuge kommen. Das ist zum Beispiel bei den 70 Mietwohnungen der Fall, die die EWB derzeit in Zell baut. Klopfer: „Umso wichtiger ist es, dass sich alle Kommunen – auch die kleinen – im Wohnungsbau engagieren.“

Vom Kasernen- zum Wohngebiet

Esslinger Wohnungsbau
 Die EWB gehört zur Hälfte der Stadt Esslingen, zur anderen Hälfte der lokalen und regionalen Wirtschaft. Als größtes Esslinger Wohnungsunternehmen hält sie rund 3100 Wohnungen in ihrem Bestand, allein 300 auf der Flandernhöhe.

Flandernhöhe
 Die Funkerkaserne wurde 1935 mit dem Ausbau der Wehrmacht in der südlichen Verlängerung der Becelaere-Kaserne im Esslinger Norden für die Nachrichten-Abteilung 45 erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Amerikaner die gesamte Anlage genutzt. Ab 1956 zog die Bundeswehr ein. Nach der Wende wurde sie aufgegeben: Die Becelaere-Kaserne ist zur Wohnanlage Palmscher Park umgebaut worden, auf dem Areal an der Funkerkaserne ist das neue Wohngebiet Flandernhöhe entstanden.