Obdachlosigkeit ist tragisch für die Betroffenen – und teuer für die Kommunen und Landkreise. Foto: dpa/Boris Roessler

Damit Menschen nicht in die Wohnungslosigkeit geraten, gibt es künftig eine Präventionsstelle im Landkreis Göppingen. Angesiedelt ist sie beim Verein Haus Linde, und sie wird zu 90 Prozent vom Europäischen Hilfsfonds finanziert.

Wir wollen nicht abwarten, bis Leute schon auf der Straße stehen, sondern vorher eingreifen“, sagt der Leiter des Hauses Linde in Göppingen, Wolfgang Baumung. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, hohe Nachzahlungen und Inflation können zusammen mit persönlichen Faktoren schnell dazu führen, dass Mieten nicht mehr bezahlt werden können. Oft warten Betroffene zu lange ab, bevor sie etwas unternehmen und sich Hilfe holen. Diese Hilfen in Wohnungsnotfällen werden auf ordnungs- und sozialrechtlichen Grundlagen erbracht. Und hier sind Landkreis und Kommunen in der Pflicht.

 

Lange für das Projekt gekämpft

Baumung erläutert beim Pressegespräch, dass er schon lange versucht habe, dieses Projekt im Landkreis zu platzieren. Schon 2018 habe er das Projekt in einer Bürgermeisterversammlung vorgestellt. Jetzt habe es endlich geklappt. Von Januar 2023 bis Ende September 2026 gibt es eine neue Präventionsstelle gegen Wohnungslosigkeit mit 2,5 Stellen, angesiedelt beim Träger, dem Verein Haus Linde in Göppingen.

In Reutlingen habe man sich informiert, wo es so etwas schon gibt, und dort sei die Erfolgsquote mit 70 Prozent hoch. Den Kommunen erspare dies Geld, Obdachlose unterzubringen. Es handelt sich bei der Stelle um einen „aufsuchenden Dienst“ von Sozialarbeitern, die in einem Netzwerk von vielen, die mit Wohnungen zu tun haben, arbeiten. Man möchte möglichst früh erfahren, wenn Wohnungslosigkeit droht, um gegensteuern zu können.

In den Städten ist das Thema stärker präsent als auf dem Land

An den beiden Standorten Göppingen und Geislingen gibt es regelmäßige Sprechzeiten. Wolfgang Baumung macht keinen Hehl daraus, dass die Prävention mit den Sozialarbeitern stehe und falle, und dass auch das Haus Linde Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter suche. Die Finanzierung, 850 000 Euro für Personal- und Sachkosten während der Projektlaufzeit, komme vom europäischen Hilfsfonds, was 90 Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Fünf Prozent bezahlt das Ministerium für Arbeit und Soziales des Bundes. Die restlichen fünf Prozent teilen sich die vier Kooperationspartner, der Landkreis Göppingen, die Städte Göppingen und Geislingen und das Haus Linde. Baumung wünscht sich auf die Dauer eine geregelte Finanzierung durch den Landkreis und die Kommunen, da es hier um „Wohnungserhaltung“ für die Einwohner des Landkreises und nicht um die sonstige Aufgabe des Hauses Linde, die „Wohnungslosenhilfe“ gehe.

Die beiden Vertreter der Städte, die Göppinger Sozialbürgermeisterin Almut Cobet und Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer, äußerten sich lobend über die Arbeit des Hauses Linde. Das Thema müsse man an vielen Ecken bespielen, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden. In den Städten schlage das Thema stärker auf als auf dem Land. In Göppingen beispielsweise seien 155 eingewiesene Obdachlose ordnungsrechtlich untergebracht, darunter 14 Familien, so Cobet, und in Geislingen nehme das Problem in den letzten Jahren ebenfalls zu, so Dehmer.

Ein elementares Grundbedürfnis

Kreis-Sozialplanerin Diana Wagner sagte, dass eine gemeinsame Steuerungsgruppe eingerichtet werde, und Kreissozialamtsleiter Marco Lehnert wies darauf hin, dass der Landkreis bei besonderen Notlagen verpflichtet sei, Hilfe zu leisten. Das Interesse müsse deshalb sein, es erst gar nicht zu Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit kommen zu lassen. Wohnen sei ein elementares Grundbedürfnis und Zugang zu einem menschenwürdigen Leben.