Gut, in dieser Ruine will wohl keiner wohnen. Sollte sie nicht denkmalgeschützt sein, wäre sie aber vielleicht ein Bauplatz. Foto: Krämer

Könnte mit Druck auf die Eigentümer leer stehender Immobilien die Wohnungsnot vermindert werden? Wohl kaum. Deren Zahl ist niedrig. Die Kommunen auf den Fildern versuchen stattdessen etwas anderes.

Filder - Überall auf den Fildern suchen die Menschen händeringend nach Wohnungen. Neue Baugebiete werden erschlossen – zulasten der Freiflächen in den bereits bebauten Gebieten oder am Rand der Siedlungen. Meist dort, wo Bauern ihre Felder bestellen.

Gleichzeitig hört man immer wieder von Häusern und Wohnungen, bei denen die Rollläden dauernd unten sind, keine Vorhänge in den Fenstern hängen oder Scheiben eingeschlagen sind. Wie groß ist das Potenzial, wie viele leer stehende Wohnungen gibt es auf den Fildern?

„Es ist sehr schwierig, den Wohnungsleerstand zu ermitteln“, sagt Eva Noller. „Ich glaube aber, dass die Zahl sehr gering ist“, ergänzt die Erste Bürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen. Ähnlich äußert sich Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub. „Es gibt kein Leerstandskataster“, sagt er. Die Möglichkeiten, den Wohnungsleerstand zu kontrollieren, seien sehr eingeschränkt.

Dann ist die Miete sicher

Trotzdem versuchen beide Kommunen, Eigentümer von unbewohnten Immobilien zum Vermieten zu bewegen. „Bei direkten Gesprächen stoßen wir oft auf offene Ohren“, sagt Traub. Durch das Angebot, die Stadt als Mieter auftreten zu lassen und die Wohnungen weiterzuvermieten, habe man eine „erkleckliche Zahl“ an Objekten bekommen, ergänzt der Oberbürgermeister. Der Vorteil für den Eigentümer ist dabei, dass ihm die Miete sicher ist und auch keine Scherereien drohen.

Leinfelden-Echterdingen agiert vergleichbar, hat dem Kind sogar einen Namen gegeben: LE mietet. „Auf diese Weise hatten wir einmal 35 Wohnungen“, sagt Noller. „Aktuell sind es 24.“ Wie in Filderstadt setzt auch sie auf private Ansprache und gibt ein Beispiel. „Bei einem Jubiläumsbesuch wurde von einer leer stehenden Wohnung berichtet, die dann über die Stadt vermietet werden konnte.“

So wie Traub und Noller schätzt auch Ottmar H. Wernicke die Zahl der leer stehenden Wohnungen als sehr niedrig ein. „Der Mangel ist so groß, dass man vermietet, schließlich will man ja auch die Mieteinnahmen“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbandes von „Haus & Grund“. Hürden für eine Vermietung seien die Überforderung durch das Alter des Eigentümers, zerstrittene Erbengemeinschaften, die sich gegenseitig blockieren, manchmal auch das Mietrecht. Ein Zweckentfremdungsverbot würde seiner Ansicht nach nicht viel bringen. „In Stuttgart sind dadurch insgesamt 13 Wohnungen auf den Mietmarkt gekommen“, sagt er.

Baulücken sollen geschlossen werden

Ein solches Zweckentfremdungsverbot ist auch für Traub eine hohe Hürde. „Wir werben in Filderstadt eher dafür, dass Baulücken geschlossen werden und streben eine innerörtliche Verdichtung an.“ Bevor man an Zwangsmaßnahmen gehe, würde zuerst dieses Potenzial ausgeschöpft, sagt der Filderstädter Oberbürgermeister.

Auch Noller sieht keine juristischen Instrumente für die Stadt, um Eigentümer zum Vermieten zu bringen. Wenn Wohnungen über Monate leer stehen, kann es nach ihren Worten auch einen ganz einfachen Grund geben: Der Besitzer will nach dem Auszug der Mieter für deren Nachfolger renovieren – „und findet derzeit keine Handwerker“.

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