Wohnungskonzern Vonovia „Wir müssen warten, ob das Unternehmen Wort hält“

Von Yannik Buhl 

Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart rät Mietern zur Vorsicht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart rät Mietern zur Vorsicht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart begrüßt die Pläne des Wohnungsunternehmens Vonovia, die Mieterhöhungen zu begrenzen, rät aber im Interview Mietern zur Vorsicht.

Stuttgart - Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia will künftig auf große Mieterhöhungen im Zuge von energetischen Modernisierungen verzichten, dafür aber auch die Investitionen in diesem Bereich in Deutschland zurückfahren. Im Interview begrüßt Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart diesen Schritt.

Herr Gaßmann, der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia hat angekündigt, Mieterhöhungen auf zwei Euro pro Quadratmeter zu beschränken, dafür aber viel weniger als bisher in energetische Modernisierungen zu investieren. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

Das ist ein großer Erfolg des Protestes, den wir als Mieterverein mit angestoßen haben. Bisher gab es nach Modernisierungen Erhöhungen von bis zu 4,50 Euro pro Quadratmeter, das wären bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung 360 Euro im Monat! Wenn Vonovia die Ankündigung tatsächlich umsetzt, wären es nur noch 160 Euro. Aber erst müssen wir abwarten, ob Vonovia überhaupt Wort hält.

Dafür sinkt das Budget für Wärmedämmungen oder neue Fenster dramatisch. Ist das nicht ein Problem für den Klimaschutz?

Nein, das ist kein Problem. Viele Modernisierungen von Vonovia waren unnötig, etwa wenn acht Jahre alte Dämmungen oder zehn Jahre alte Fenster ausgetauscht wurden. Trotzdem hat der Konzern von den Leuten fast das gesamte investierte Geld wieder über die Miete zurückgeholt. Oft hat Vonovia auch versucht, die Modernisierung so teuer wie möglich zu machen, weil der Mieter sie allein bezahlt.

Was hat der Konzern davon?

Vonovia kann die Investitionen von der Steuer absetzen. Das Unternehmen bekommt also 100 Prozent davon über die Miete zurück und zusätzlich über die Abschreibungen noch mal 35 Prozent vom Staat oben drauf.

Aber manche energetische Modernisierung kann ja auch sinnvoll sein, etwa bei sehr alten Gebäuden.

Es gibt kein Gesetz, dass alle Modernisierungskosten allein durch die Mieter bezahlt werden müssen. Viele Vermieter modernisieren ihre Wohnungen und Häuser, legen das aber nicht so stark auf die Mieten um. Jedem Vermieter steht es frei, einen Teil seiner Einnahmen in die Modernisierung zu investieren, er muss nicht immer hohe Mieterträge ausschütten. Hinzu kommt, dass die gesparte Energie bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt bei nur 30 Euro im Monat liegt. Das steht in keiner Relation zu den Mieterhöhungen.

Können Mieter in einigen Fällen eine Modernisierung wie eine Wärmedämmung einfordern?

Nein, da gibt es keinen rechtlichen Anspruch. Wenn Mieter die Wohnung ungedämmt übernehmen, können sie keine Dämmung fordern. Aber natürlich haben beide ein Interesse daran, dass vernünftig modernisiert wird.

Was raten Sie den Vonovia-Mietern jetzt?

Wichtig ist, keine Briefe des Konzerns zu unterschreiben und so sein Einverständnis zu erklären, insbesondere nicht, wenn es um Modernisierungen geht. Das gilt übrigens, auch wenn diese schon laufend oder abgeschlossen sind. Da erwarten wir, dass Vonovia die bereits umgelegten Kosten aus Gründen der Gleichbehandlung auch auf zwei Euro pro Quadratmeter senkt.

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