Wohnungseinbrüche haben in diesen Tagen Hochkonjunktur. Wer sind die Täter? Foto: picture alliance/dpa/Silas Stein

Wer hinter der aktuellen Häufung von Wohnungseinbrüchen nach ähnlichem Muster steckt, kann die Polizei bislang nur erahnen. Es gibt aber erste Erkenntnisse.

Stuttgart - Es scheint ein erfolgreicher Coup zu werden. An einem Haus im Gebiet Seelberg in Bad Cannstatt hebeln die Täter ein Fenster auf und finden in der Wohnung Schmuck für mehrere Tausend Euro. Damit wollen sie sich aus dem Staub machen. Doch im Hinterhof fallen sie einer Anwohnerin auf, die vorbildlich die Polizei alarmiert. So können die Beamten endlich Wohnungseinbrecher auf frischer Tat festnehmen.

 

Noch immer rätselt die Kriminalpolizei, welche Gruppierungen hinter der derzeitigen Häufung von Wohnungseinbrüchen seit Anfang Dezember stecken. „So etwas kommt wohl immer wellenförmig“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Die Welle sieht so aus: Die Täter dringen übers Parterre ein und nehmen alles mit, was sich zu Geld machen lässt. So auch am Donnerstag auf dem Haigst in Degerloch, wo die Täter über die Terrassentür kamen und mit Modeschmuck verschwanden. Die Täter: unbekannt.

Einer der Täter ist aus Freiburg angereist

Und doch: Nach einer Einbrecherfamilie aus dem Raum Köln im Herbst scheinen nun Verbrechernetzwerke aus Georgien, die vor Jahren auffällig gewesen waren, wieder verstärkt aktiv zu sein. Darauf deuten jüngste Festnahmen hin – wie der Cannstatter Fall.

Das Trio von der Taubenheimstraße sitzt seit der Tat am 4. Januar in U-Haft. Einen kennen die Polizeisysteme schon: ein 34-Jähriger, einschlägig aufgefallen, in einer Unterkunft in Freiburg gemeldet. Er wurde bei der Fahndung in der Martin-Luther-Straße, 200 Meter vom Cannstatter Revier entfernt, gefasst. Seine Komplizen, 25 und 41 Jahre alt, sind ohne festen Wohnsitz. Alle stammen aus Georgien.

Wer sind die „Diebe im Gesetz“?

Schon am nächsten Tag bekommt es die Polizei mit einer weiteren georgischen Gruppe zu tun: Ladendiebe in einem Drogeriemarkt am Schwabenplatz in Vaihingen. Ein 24-Jähriger und sein 18-jähriger Komplize werden mit über 30 Rasierklingenpackungen dingfest gemacht. Das sollte nicht alles sein.

Bereits 2015 hatte ein Netzwerk der georgischen Mafia, die sich „Diebe im Gesetz“ nennt, eine Welle von Wohnungseinbrüchen und Ladendiebstählen verursacht. Streng hierarchisch organisiert werden in der Heimat junge Männer als Fußtruppen angeworben. Das Bundeskriminalamt weist in seiner Analyse der Kriminalität im Kontext von Zuwanderung für 2020 aus, dass der Anteil georgischer Tatverdächtiger mit 2,3 Prozent zwar gering ist, aber mehr doppelt so hoch, als es dem Anteil an Zugewanderten von einem Prozent entspricht. Zu 53 Prozent sind georgische Beschuldigte bei mehreren Delikten erwischt worden – ein Spitzenplatz in der Rangliste der Mehrfachtäter.

Ein Hausbesitzer überrascht ein Duo

Für einen Einfamilienhausbesitzer in Filderstadt (Kreis Esslingen) hatte das neue Jahr mit großer Aufregung begonnen. Um 4.30 Uhr standen zwei Einbrecher im Wohnzimmer seines Hauses an der Bonländer Hauptstraße. Die Täter hatten ein Fenster im Parterre aufgedrückt – und flüchteten durch dasselbe. Ihre Beute war ein Paar Kopfhörer.

Bei ihren Ermittlungen zu den Vaihinger Ladendieben suchte die Stuttgarter Polizei am 5. Januar die Unterkunft des Duos in Filderstadt-Bonlanden auf – und stieß in ein Wespennest. Mit einem Depot von Rasierklingen und Drogerieartikeln für mehrere Tausend Euro. Der 24-jährige Hauptverdächtige kam in U-Haft.

Überraschender Ermittlungserfolg

Ebenso zwei 20-Jährige. Pech für sie, dass die Stuttgarter Beamten bei der Überprüfung etwas fanden, das auch für die Einbruchspezialisten der Esslinger Kripo von großem Interesse war. „Es waren aber nicht die gestohlenen Kopfhörer“, stellt Polizeisprecher Christian Wörner klar. Dennoch ergaben die Auswertungen der Beweismittel, zu denen unter anderem auch Handys gehören, eine heiße Spur zu dem Einbrecherduo in der Bonländer Hauptstraße. Die beiden Verdächtigen sitzen inzwischen ebenfalls in Untersuchungshaft.